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Von der jungen Mutter zur Jung-Unternehmerin. Mompreneurs gehen im Job ihren eigenen Weg. Aber nicht zu Lasten von Kindern und Familie.

Inhalt:

Mama schleust den 3-jährigen Trotzkopf durch Edeka, koordiniert die Familie und weiß, wo der zweite Socken ist. Wen wundert es, wenn sie auch ihr eigenes Unternehmen rockt? Mompreneurs heißen die jungen Frauen, die mit ein oder mehreren kleinen Kindern ein Business gründen.

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Immer mehr Mütter gründen!

Das Wort Mompreneur setzt sich zusammen aus dem Englischen „Mom“ (für Mutter) und dem französischen „Entrepreneur“ (der Unternehmer*in). Nun hören sich Mompreneurs und Entrepreneur nicht nur schicker an als Unternehmer*in, sondern stehen im heutigen Kontext auch für eine Lebenseinstellung: Sie sind mutig, haben Gespür für Innovationen, widmen sich mit Begeisterung ihren Unternehmen und schaffen es, andere für ihre Ideen zu gewinnen.

Insgesamt geht die Gründungstätigkeit in Deutschland laut KfW Gründungsmonitor 2019 seit Jahren eher zurück. Zu diesem abflauenden Trend gibt es jedoch eine leichte Gegenbewegung. Wer steckt dahinter? Frauen! Denn die Zahl der Existenzgründerinnen ist 2018 um vier Prozent gestiegen, während die Anzahl der Gründer weiter rückläufig ist (minus fünf Prozent). Macht alles in allem rund 40 Prozent Gründerinnen.

Anzahl der Gründer nach Geschlecht 2017 2018
Insgesamt 557.000 547.000
Frauen 208.000 216.000
Männer 349.000 331.000

Quelle: KfW-Gründungsmonitor 2019

Allerdings ist die Fraktion der Gründerinnen heterogen. Ein besonderes Genre, das zunehmend für Geldgeber und Wirtschaft interessant ist, sind Gründerinnen mit (kleinen) Kindern – die sogenannten Mompreneurs. „Mompreneure sind in der Volkswirtschaft sicher eine Minderheit, aber keine Ausnahme. Sie spielen für die Wirtschaft eine immer größere Rolle“, sagt auch Ruth Schöllhammer, Vorsitzende beim Deutschen Gründerverband e.V. „Der Anteil der Gründerinnen mit Kindern lag 2016 immerhin bei 16 Prozent beziehungsweise bei 105.000 Existenzgründungen. Zusammen haben die Mompreneurs 2016 42,4 Milliarden Euro erwirtschaftet.

Warum werden Mütter Unternehmerinnen?

Ein heißer Trend im Sektor? Ist den Frauen ein Angestelltenverhältnis zu langweilig, finden sie keinen Job? Nein, viele Mompreneurs sehen die Gründung ihrer eigenen Existenz als bessere Alternative zu einer Festanstellung. Sie können arbeiten, ihre eigene Idee umzusetzen und wissen ihre Kinder gut versorgt.

Fakt ist: Viele Frauen wollen arbeiten, doch nicht zu jeder Bedingung. Sie möchten einen ordentlichen Job und keine kompromissbehaftete, berufliche Teilzeit-Zwischenlösung, bis die Kinder groß genug sind. Sie möchten Karriere machen und sich verwirklichen, doch haben sie kaum Möglichkeiten, ihre Kinder in eine Kita oder Krippe zu geben. Die Wartelisten sind lang und eine Ganztagsbetreuung zudem teuer. Gratulation an alle, denen es hierzulande problemlos gelingt, Kinder und Vollzeitjob zu managen.

Im Gründungsmonitor 2019 der KfW Bankengruppe steht dazu: „Ein Blick auf die Motivlage trübt zunächst das positive Bild der gestiegenen Gründungstätigkeit von Frauen, denn der Zuwachs kam durch Notgründungen zustande: 34 % der Frauen gründeten, weil sie keine bessere Erwerbsalternative hatten (…) Frauen sehen die Selbstständigkeit hinsichtlich ihrer Anforderungen an Unabhängigkeit offenbar häufig als die bessere Alternative an – insbesondere wenn es um eine Vollerwerbstätigkeit geht oder minderjährige Kinder zu versorgen sind.“

Noch immer ist es ein Balanceakt für viele Mütter, Kinder und Beruf unter einen Hut bringen. Stringente Arbeitszeiten bei der Festanstellung, keine Chance auf Homeoffice und Öffnungszeiten von Kitas und Krippen machen so manchen Vollzeitbeschäftigten die Fusion von Arbeits- und Familienleben schwer. Vielleicht kennen Sie es ja: Ihr Meeting dauert mal wieder länger. Sie sitzen auf Kohlen. Tippen unterm Besprechungstisch WhatsApp-Nachrichten an sämtliche Bekannte. Doch niemand schafft es, Ihnen spontan zu helfen und den Zwerg von der Kita abzuholen. Das Ende vom Lied, „Macht doch bitte ohne mich weiter, ich muss los …“

Teilzeit als Alternative, solange die Kinder klein sind? „Viele Frauen wissen, dass diese Arbeitsform meist das Ende der Karriere oder zumindest einen Knick in der Karriere bedeutet,“ sagt Schöllhammer. „Die 1. Frankfurter Karrierestudie ‚Karriereperspektiven berufstätiger Mütter‘ bestätigt, dass zwei Drittel der jungen Mütter sich nach dem Wiedereinstieg mit einem niedrigeren Tätigkeitsniveau, geringeren Einflussmöglichkeiten, schlechterer Bezahlung und/oder schlechteren Aufstiegschancen abfinden mussten.“

Mehr über das Thema „Kinder als Karrierekiller“ lesen Sie hier.

Eine Mompreneur im Porträt

Viele Mütter lassen sich inspirieren, entwickeln eigene Ideen und trauen sich, sie umzusetzen und etwas auszuprobieren. Fonds für Blockchain-Technologien, Dienstleistungen, Fundraising, Online-Shops, Versandhandel – laut Business-Verzeichnis ist alles dabei. Beispiele für einen erfolgreichen Werdegang von Mompreneurs gibt es zu Hunderten.

Der jungen Mutter Michelle Kennedy etwa fiel vor ein paar Jahren auf, dass es alle möglichen sozialen Plattformen gab. Tinder und Bumble für (romantische) Stelldicheins, Xing und Linked-in für Business-Matches. Doch es gab bis dato keine Plattform, auf der sich eine Mutter mit einer anderen „connecten“ konnte, um sich auszutauschen. So entwickelte die in London ansässige Frau das soziale Netzwerk „Peanut“.

Eine Plattform für Schwangere, Mütter und Frauen, die versuchen, ein Kind zu bekommen, und bei diesem sensiblen Thema Gleichgesinnte zum Austausch brauchen. Peanut ermöglicht es, sich Tinder-like via „Wisch weg oder Winke“, mit anderen Müttern in Verbindung zu setzen. Winken beide Mütter, matchen sie und können mit dem Chatten beginnen. Die Plattform hat inzwischen über ein Dutzend Angestellte und rund eine Millionen Mitglieder. Kennedy hatte zur richtigen Zeit die richtige Idee.

Noch mehr Infos über erfolgreiche Frauen gefällig? Dann lesen Sie unsere Interviews mit Unterne Judith Williams, Helma Sick und Schauspielerin Nicola Tiggeler!

Motto vieler Mompreneurs: “If it doesn’t exist, do it yourself”

2011 kürte die Forbes-Autorin Meghan Casserly ihre  World´s most powerful Mompreneurs“. Auf der Liste finden sich große Namen, wie Ariana Huffington (Huffington Post, zwei Kinder), JK Rowling (Harry-Potter-Autorin, drei Kinder) und Diane von Furstenberg (Designerin, zwei Kinder). Allesamt bekannte Powerfrauen und extrem erfolgreiche Unternehmerinnen, die ein Geschäft aufbauten und gleichzeitig ihre Kinder erzogen.

Inspirierend dürften auch hier die Beweggründe der Mompreneurs sein, ein Business aufzuziehen. Es ging ihnen nämlich nicht in erster Linie darum, Job und Kind zu vereinen. Arianna Huffington etwa suchte ein neues Medium für politische Diskussionen – es kam zur Onlinezeitung. Diane von Furstenberg wollte ein vielseitig verwendbares Kleidungsstück, das ihre Garderobe vervollständigte. Sie entwarf das sogenannte Wickelkleid – wrap dress. Und Joanne K. Rowling hatte die Idee zu Harry Potter im Kopf und setzte sich irgendwann hin, um diese wunderbare Geschichte aufzuschreiben. Der Lösungsansatz dieser Powerfrauen war: “If it doesn’t exist, do it yourself” – Wenn es das nicht gibt, nehme ich es eben selbst in die Hand.

„Unternehmerinnen wollen ihren Lebensunterhalt mit einer Arbeit verdienen, die sie glücklich macht“, bestätigt Schöllhammer. „Als Vorsitzende des Deutschen Gründerverbands kann ich aus zahlreichen Interviews und Gesprächen bestätigen: Das Glück der unternehmerischen Unabhängigkeit ist unbezahlbar.“

Sie liebäugeln mit der Selbstständigkeit, am liebsten in Verbindung mit Homeoffice? Inspirationen zu diesem Thema erhalten Sie im Artikel “Soll ich mich selbstständig machen? Vor- und Nachteile eines Homeoffice-Jobs“.

Aufgaben verteilen und Backups schaffen, damit nichts schief geht!

Ein eigenes Unternehmen zu gründen, bedeutet Chance und Risiko, Mut und Ängste, Voranpreschen und Dämpfer. Damit müssen junge Unternehmer*innen und Gründer*innen leben. Auch die deutsche Bürokratie macht vielen Gründern zu schaffen. Einige kommen nicht über den Besuch eines IHK-Seminars für Existenzgründer hinaus. Allein die Themen „Businessplan“, „Datenschutz“ und „Unternehmensform“ dürften viele höchstengagierte Jungunternehmer*innen auf den Boden der Tatsachen zurückholen. Und schon bevor es richtig losgeht, schmeißen viele wieder hin.

Und die Mompreneurs? Gründerinnen, die Kinder haben – und dazu noch kleine – drückt nicht selten zusätzlich die Sorge, dass die Belastung für die Familie zu groß werden könnte. Frauen wollen perfekt sein. Im Job, im Haushalt, als Mutter und Partnerin. Wird schwerlich klappen, ohne dass sie sich selbst enorm Druck und Stress machen. Oder es funktioniert, doch am Ende könnte die Frau auf der Strecke bleiben.

„Ob mit oder ohne Kinder: Unternehmer*innen sollten sich vernetzen, den persönlichen und unternehmerischen Erfahrungsaustausch suchen, Aufgaben abgeben und ihre persönlichen Bedürfnisse nicht vernachlässigen“, rät Schöllhammer. Denn alle Kinder brauchen Mamas Aufmerksamkeit. Das neue „Baby“, ihr Unternehmen, eben auch.

Sie möchten noch mehr Tipps? Führungskräftecoach Gudrun Happig verrät, wie Frauen erfolgreich werden.

Frauen erhalten weniger Fremdfinanzierungen als Männer

Gründerinnen tun sich oft schwerer als ihre männlichen Kollegen, eine Fremdfinanzierung anzufragen und zu bekommen. Viele fühlen sich mit ihren Geschäftsideen unterschätzt und fürchten, nicht ernst genommen zu werden. Oder sie trauen sich erst gar nicht, Gründerkredite und Förderungen anzufragen.

Brigitte Zypries, Bundesministerin für Wirtschaft und Industrie a.D., fordert in ihrem Vorwort „Frauen, gründet!“ im Female Founders Monitor 2019 eine stärkere Unterstützung für Gründerinnen seitens des Staates und der etablierten Wirtschaft. Denn nach wie vor würde es Frauen deutlich schwerer gemacht als Männern, die nötige Finanzierung zu erreichen.

„Sei es die Wahrnehmung, dass die von Gründerinnen vorgestellten Geschäftsmodelle weniger aussichtsreich erscheinen als die ihrer männlichen Kollegen, oder sei es die Unterstellung, dass der Ausgleich zwischen Beruf und Familie im Zweifelsfall doch immer zugunsten der Familie ausfallen könnte“, so die Kritik von Zypries. Diese und weitere Hindernisse gelte es zu überwinden.

Unabhängig vom Geschlecht der Start-up-Teams sind eigene Ersparnisse – laut Female Founder Monitor – die mit Abstand häufigste Art der Finanzierung. Unterschiede zeigen sich erst bei der Anfrage und Vergabe durch Gelder von Business Angels, Venture Capital und staatlichen Fördermitteln. Diese Finanzierungsformen nutzen Männer wesentlich stärker als Frauen. Die holen sich häufig für ihr Start-up die finanzielle Unterstützung durch Familie und Freunde (45,2 Prozent).

Gründer*innen auf der wirtschaftspolitischen Agenda

Für die 19. Legislaturperiode stehen bei der Regierung Vorhaben auf der Agenda, die alle Gründer betreffen:

  • Senkung des GKV-Mindestbeitrags
  • Einführung einer Alters-Vorsorgepflicht
  • Entlastung bei der Umsatzsteuervoranmeldung
  • Einführung von Freistellungsrechten für Arbeitnehmer

Die Senkung des GKV-Mindestbeitrags wurde mit dem GKV-Versichertenentlastungsgesetz am 1. Januar 2019 bereits umgesetzt. Die Herabsetzung der Mindestbeiträge für gesetzlich Krankenversicherte fanden laut KfW Gründungsmonitor besonders die befragten Frauen „sehr gut“. Offensichtlich fangen Frauen häufiger „klein“ an und somit fällt der Beitrag dementsprechend ins Gewicht.

Ein weiterer fünfter Punkt auf der wirtschaftspolitischen Agenda dürfte hauptsächlich die Mompreneurs betreffen. Nämlich „die Erleichterung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf“. Ob und wie die Regierung ihn umsetzen wird – wir sind gespannt.

herMoney-Tipp

Spielen Sie mit dem Gedanken, sich selbstständig zu machen? Dann vergessen Sie bitte den Posten „private Altersvorsorge“ nicht. Er gehört als Extra-Punkt auf den Business-Plan. Ab dem Tag der Unternehmensgründung sollte dann jede erste Überweisung im Monat auf das Extra-Konto für die private Altersvorsorge fließen. Zum Beispiel in Form einer Rürup-Rente oder eines Fonds-Sparplans.

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