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Erfolg wurde der Finanzexpertin Helma Sick nicht in die Wiege gelegt. Mit ihrer Biografie will sie jungen Frauen Mut machen.
Im Interview erzählt sie herMoney von ihrem Leben und ihrem neuen Buch "Aufgeben kam nie in Frage".

herMoney: Sie sind die Grande Dame der Frauenfinanzen, die auf jede fachliche Frage eine Antwort hat. In Ihrem neuen Buch zeigen sie sich privat. Ist Ihnen der Rollenwechsel schwergefallen?

Helma Sick: Der Rollenwechsel war tatsächlich nicht ganz leicht. Schließlich wurde ich seit mehr als 30 Jahren ausschließlich zum Thema Frauen und Finanzen gefragt. Niemand wusste, welche Person dahintersteht. Und warum ich mich zeitlebens so stark für Frauen eingesetzt habe und es immer noch tue. An diese neue Öffentlichkeit musste ich mich erst einmal gewöhnen.

herMoney: Was hat Sie denn dazu bewogen, eine Biografie zu schreiben?

Helma Sick: Der Anstoß kam von außen. Genauer: Vom Verlag. Als Finanzexpertin und Kolumnistin der BRIGITTE bin ich ja ziemlich bekannt und erreiche viele Frauen.

herMoney: Und was ist Ihr Ziel?

Helma Sick: Ich möchte jungen Frauen Mut machen, niemals aufzugeben. Bei meinen Lesungen haben mir immer wieder junge Frauen gesagt, dass meine Geschichte sie sehr berührt. Als ich jung war, hatten Frauen es noch viel, viel schwerer als heute. Zudem hatte ich ein sehr problematisches Elternhaus. Dennoch ist aus mir etwas geworden. Und das ist es, was ich jungen Frauen weitergeben möchte: Es gibt immer eine Lösung, wenn man an sich glaubt, ein Ziel hat und sich dafür aktiv einsetzt.

herMoney: „Aufgeben kam nie in Frage“ ist der Titel. Geben Frauen heute zu schnell auf?

Helma Sick: Ja. Mit großer Verwunderung sehe ich, dass sich viele gut ausgebildete Frauen häufig wieder in die traditionelle Rolle zurückziehen. So nach dem Motto: Die Arbeitswelt wird von Männern dominiert und ist ungemütlich. Das tue ich mir nicht an. Die männliche Dominanz wird sich aber nicht ändern, wenn wir den Männern weiterhin die Gestaltungsmacht in der Wirtschaft überlassen. Sie ändert sich nur, wenn wir uns einmischen. Und im Übrigen kann es ja auch privat sehr ungemütlich werden, wenn die Beziehung nicht mehr stimmt.

herMoney: Sie sind nicht gerade zimperlich mit Ihren Geschlechtsgenossinnen …

Helma Sick: Jammern hilft ja nichts, wir müssen uns engagieren, wenn wir etwas erreichen wollen. Viele Frauen sind aber Expertinnen im Verdrängen. Sie lesen zum Beispiel keine Renteninformationen, weil sie gar nicht wissen wollen, wie schlecht es mit ihrer Rente aussieht. Wenn ich mich so verhalten hätte, stünde ich nicht da, wo ich heute bin.

herMoney: Sie schreiben in Ihrem Buch ganz offen darüber, dass Sie eine Psychotherapie gemacht haben. Das ist ja selbst heute noch ein Tabuthema. Hatten Sie keine Vorbehalte, öffentlich darüber zu sprechen?

Helma Sick: Nein, überhaupt nicht! Die Entscheidung für eine Psychoanalyse war die beste meines Lebens! Durch meine schlimmen familiären Erlebnisse litt ich unter massiven Ängsten und Panikattacken. Viele Jahre konnte ich nachts nur mit einem Messer auf dem Nachttisch schlafen. Eine erfahrene Ärztin, die ich über Freundinnen kennengelernt hatte, begriff sehr schnell, dass mir mit Medikamenten nicht zu helfen war. Sie vermittelte mir einen Therapieplatz. Wenn ich heute zurückblicke, dann kann ich sagen: Dank dieser Psychoanalyse konnten alte Verletzungen aufgearbeitet und geheilt werden. Danach, mit Anfang 30, hat für mich ein ganz neues Leben angefangen! Ich konnte heiraten, ein Kind adoptieren und erfolgreich selbständig werden.

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herMoney: Wenn man Ihren beruflichen Weg verfolgt, ist es schwer vorstellbar, dass Sie unter Ängsten gelitten haben. Wie kam es, dass Sie dennoch solch eine Karriere hingelegt haben?

Helma Sick: Die Voraussetzungen waren tatsächlich nicht besonders gut. Ich durfte nicht aufs Gymnasium gehen, sondern musste mit Mittlerer Reife zufrieden sein. Der Standardsatz für junge Frauen war in meiner Jugendzeit, den 50er Jahren: „Heirate möglichst bald, dann bist du versorgt. Und bis dahin gehst du ins Büro, damit du uns nicht auf der Tasche liegst.“

herMoney: Die meisten Frauen Ihrer Generation haben sich darangehalten. Warum Sie nicht?

Helma Sick: Das gefiel mir nicht als alleiniges Lebensziel! Also habe ich doppelt und dreifach gearbeitet. Ich bin schnell zur Sekretärin, dann zur Chefsekretärin und Vorstandssekretärin aufgestiegen. Aber das reichte mir irgendwann nicht mehr. In den 70er Jahren sah ich einen Film über das erste Frauenhaus in England, in dem es eine kaufmännische Geschäftsführerin gab. Da wusste ich: „Das will ich machen.“ Ich bewarb mich bei der Stadt München um den Posten und bekam ihn! In der Elternzeit habe ich dann ein Abendstudium in Betriebswirtschaft absolviert und im Jahr 1987 meine Firma „frau & geld“ gegründet.

herMoney: Was ist Ihr ganz persönliches Erfolgsrezept?

Helma Sick: Mein Erfolgsrezept: Nicht jammern, sondern Lösungen suchen und Hilfe annehmen. Gibt es Probleme, nicht die Schuld bei anderen suchen, sondern schauen, was der eigene Anteil ist.

herMoney: Sie setzen sich zeitlebens für Frauenrechte ein. Was hat den Anstoß gegeben?

Helma Sick: Die familiäre Prägung. Mein Bruder war acht Jahre älter als ich – und er durfte alles. Ich bekam von meiner Mutter Schläge, wurde permanent gedemütigt. Sprüche wie „Du bist nichts und kannst nichts“ oder „Mein Gott, bist du hässlich“ waren an der Tagesordnung. Mein Bruder dagegen wurde geliebt und gefördert. Ich habe also schon sehr früh deutliche Unterschiede in der Behandlung von Jungen und Mädchen erlebt. Und ich habe in unserem kleinen Ort sehr oft gesehen, dass viele Frauen in einer Ehe gefangen oder sogar häuslicher Gewalt ausgesetzt waren. Aber sie konnten nicht gehen, weil sie keinen Beruf und damit auch kein Geld hatten.

herMoney: Sie haben das Münchner Frauenhaus mit aufgebaut und damit auch politisch Einfluss genommen. Welchen Einfluss hatte das Frauenhaus auf Ihren beruflichen Weg?

Helma Sick: Auch im Frauenhaus fand ich bestätigt, was ich vorher schon erlebt hatte: So gut wie alle Frauen, die ins Frauenhaus kamen, hatten kein Geld. Sie wurden von ihren Männern finanziell kleingehalten und konnten sich ein eigenständiges Leben gar nicht vorstellen. Daraufhin habe ich schon Ende der 70er Jahre in Vorträgen gefordert, dass Frauen eine gute Ausbildung brauchen und eigenes Geld. Das war damals relativ neu!

herMoney: In Ihrem Buch schreiben Sie auch über ein weiteres Tabuthema: den Missbrauch Ihres Vaters. So etwas hat die Kraft, ganze Familien zu sprengen. Woher hatten Sie den Mut, damit an die Öffentlichkeit zu gehen?

Helma Sick: Es ist Teil meiner Geschichte und hatte große Auswirkungen auf mein ganzes Leben. Mein Vater hat mich abgöttisch geliebt – leider aber weit über ein gutes Vater-Tochter-Verhältnis hinaus. Ich aber dachte als Kind, dass Vaterliebe eben so aussieht. Ich hatte ja keine Vergleichsmöglichkeit. Meine Freundinnen hatten keine Väter mehr, sie waren im Krieg gefallen oder in Gefangenschaft.

Meine Mutter muss gewusst haben, was da vor sich ging. Hier liegt sicherlich der Grund für ihren Hass mir gegenüber. Warum sie ihren Mann nicht verlassen hat? Auch sie hatte weder Geld noch Job, wovon hätte sie leben sollen?

herMoney: Sie selbst haben sich nach fast 30 Jahren Ehe von Ihrem Mann getrennt. Warum?

Helma Sick: Mein Mann war für damalige Verhältnisse ziemlich emanzipiert. Er unterstützte mich beruflich, wo er konnte. Als ich dann aber über meine Bücher, meine Arbeit für BRIGITTE und durch viele Vorträge und Medienauftritte immer bekannter wurde, bereitete ihm das Probleme. Er ging fremd, nörgelte ständig an mir herum. Es wurde unerträglich. Deshalb ließ ich mich mit 60 scheiden. Und bin dann regelrecht aufgeblüht! Heute kann ich sagen: Ich habe jetzt, mit 78, das beste Leben, das ich je hatte.

Helma Sick hat bereits 1987 das Unternehmen frau & geld gegründet. Seitdem hat die Finanzexpertin tausende von Frauen mit ihren Kolleginnen zur Vermögensplanung, existenziellen Absicherung und Altersvorsorge beraten. Als Brigitte-Kolumnistin und auch als Buchautorin („Ein Mann ist keine Altersvorsorge – warum finanzielle Unabhängigkeit für Frauen so wichtig ist“) bringt Helma Sick vielen Frauen die Bedeutung finanzieller Lebensplanung nahe und vermittelt das nötige Basiswissen dazu. In ihrem jüngsten Buch „Aufgeben kam nie in Frage“ gibt sie Einblicke in ihr bewegendes und spannendes Leben.

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