Newsletter

herMoney Newsletter

Registrieren Sie sich jetzt zu unserem kostenlosen Newsletter und verpassen Sie nie wieder die neuesten Tipps und Neuigkeiten für Ihr finanzielles Wohlergehen.

Jetzt Finanzwissen sichern

Sich Gehör verschaffen? Nicola Tiggeler verrät, wie’s geht. Im Interview plaudert sie über ihre Biografie, ihren Mann und das Alter.

herMoney: Können Sie sich bei unserem Interview auf den Inhalt konzentrieren, oder achten Sie erst einmal nur auf meine Stimme?

Nicola Tiggeler: Klar kann ich mich auf den Inhalt konzentrieren. Aber mein Stimmohr ist auch immer aktiv – quasi als zusätzlicher Kanal.

herMoney Sie sind Opernsängerin, Schauspielerin, Buchautorin, Vortragsrednerin, Sprechtrainerin: Wenn ich mir Ihre Biografie ansehe, habe ich den Eindruck, dass Sie extrem fleißig und vor allem vielseitig sind. Was ist es denn, wofür Sie brennen?

Nicola Tiggeler: Das kann ich so gar nicht sagen. Ich bin mit Musik groß geworden, mein Vater war Opernregisseur und meine Mutter Geigerin. Schon mit acht Jahren sang ich an der Staatsoper Hannover. Ich wusste früh, dass ich auf die Bühne wollte und dass ich da auch hingehöre.

herMoney: Sie haben an der Hochschule für Musik und Theater in Hamburg studiert und dann in verschiedenen Theatern Opern, Operetten und Musicals gesungen. Warum der Wechsel zum Film?

Nicola Tiggeler: Opern zu singen, war immer mein Kindheitstraum – das habe ich dann ja auch lange Jahre gemacht. Aber auch das Schauspiel hat mich gereizt. Zunächst auf der Bühne – da bekommt man ein direktes Feedback, das ich nicht missen möchte. Vor der Filmkamera zu stehen, hat wiederum eine andere Qualität. Die Kamera ist immer ganz dicht dran, da muss man sehr präzise arbeiten. Beides hat seinen Reiz.

Werbung
Advertisement

herMoney: Sie sind vor allem als Barbara von Heidenberg in „Sturm der Liebe“ bekannt geworden. Die Serie gilt ja – anders als das Opernfach – nicht gerade als künstlerisch wertvoll.

Nicola Tiggeler: Die Serie ist schreiend erfolgreich, sie läuft in 20 Ländern – irgendetwas müssen die Produzenten richtig machen. Die Rolle gut zu spielen, erfordert sehr viele Fähigkeiten und Disziplin. So viel Schauspielfutter auf einmal gibt es selten.

herMoney: Barbara von Heidenberg ist berechnend und kaltblütig und schreckt auch vor Mord nicht zurück. Sie sind also als „böser“ Charakter gebrandmarkt: Macht Ihnen das persönlich nichts aus?

Nicola Tiggeler: Sie ist vielschichtig und nicht eindimensional böse! Und nebenbei gesagt hatte ich schon immer ein Faible für die Hexen in den Märchen … Mit mir persönlich hat Barbara allerdings wenig zu tun. Zuschauer sehen das von außen vielleicht anders. Ich habe viel positives Feedback, aber auch schon Morddrohungen bekommen – da war alles dabei. Wenn ich jedoch abends nach Hause gehen würde und Therapie bräuchte, würde irgendetwas grundlegend falsch laufen.

herMoney: Nur am Rande bemerkt: Sie sind in der Serie dreimal gestorben und wieder auferstanden. Wie fühlt sich das an?

Nicola Tiggeler: Ja, das ist tatsächlich schwer zu erklären, aber offensichtlich hat das auch niemanden gestört. Ich nehme das als Kompliment, wenn die Zuschauer und auch die Macher der Serie immer wieder Barbara sehen wollten.

herMoney: Sie sind mit einem Schauspieler verheiratet und haben gemeinsam zwei Kinder, die heute 17 und 22 Jahre alt sind, Wie lässt sich das Familienleben mit der Schauspielerei und Tourneen verbinden?

Nicola Tiggeler: Meine Familie hat mir immer sehr viel Rückhalt gegeben. Natürlich muss man alles ganz genau timen, zum Beispiel wenn mein Mann und ich auf Theater-Tournee gehen. Letztes Jahr standen wir gemeinsam auf der Bühne und auch in diesem Jahr ist es wieder so – über 100 Aufführungen in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Deswegen gibt es dann auch eine Kollegin, die ab und zu einspringen wird…

herMoney: Zusammenleben und zusammenarbeiten: Geht das gut?

Nicola Tiggeler: Ich finde daran gar nichts Ungewöhnliches, eher wundere ich mich über das Erstaunen der anderen, dass wir als Ehepartner auch im Job ein gutes Team sind. Für uns ist das selbstverständlich.

herMoney: Seit rund 10 Jahren arbeiten Sie auch als Stimmtrainerin. Waren Sie mit Gesang, Schauspiel und Film nicht ausgelastet?

Nicola Tiggeler: (lacht) Oh doch. Aber mit der Stimme beschäftige ich mich ja im Grunde schon mein ganzes Berufsleben. Ich habe eine Gesangsausbildung und ein Gesangslehrer-Diplom. Auch schon zu Beginn meiner Karriere als Sängerin habe ich nebenbei immer Stimmtraining gegeben und auch als Hochschuldozentin gearbeitet. Später habe ich noch eine Ausbildung speziell für die Sprechstimme gemacht.

herMoney: Was reizt Sie an dem Job?

Nicola Tiggeler: Die persönliche Arbeit mit anderen macht mir sehr viel Spaß und befriedigt meine Neugier. Ich hatte schon immer eine pädagogische Ader, die ich nun als Sprechtrainerin ausleben kann. Zudem treffe ich durch die Trainertätigkeit auf Menschen, die ich sonst nicht unbedingt kennenlernen würde – zum Beispiel Wirtschaftsbosse. Dadurch bekomme ich Einblicke in eine ganz andere Welt. Auch das finde ich spannend.

herMoney: Warum nehmen Wirtschaftsbosse Stimmunterricht?

Nicola Tiggeler: Die Bedeutung der Stimme wird oft extrem unterschätzt. Dabei ist eine gute Akustik in meinen Augen fast die halbe Miete. Da kann ich als Manager, Autoverkäufer, Politiker oder Lehrer noch so kompetent sein: Wenn ich Texte langweilig ablese, hektisch atme, piepse oder quake, aber auch wenn ich näsele oder mit der Stimme drücke, kommt das bei den Zuhörern nicht gut an. Inhalte werden so vielleicht gar nicht transportiert. Eine ausgebildete Stimme und eine gute Sprechweise dagegen wirken angenehm und überzeugend.

Werbung

herMoney: Geht es um die Stimme oder um die Art des Vortrags?

Nicola Tiggeler: Es geht immer um beides – für einen guten und überzeugenden Auftritt muss das Gesamtpaket stimmen. Es reicht also nicht aus, auf die Optik zu achten und die Akustik zu vernachlässigen. Genauso wenig hilft eine überzeugende Stimme, wenn ich nichts zu sagen habe oder die Inhalte schlecht verpacke – zumindest nicht auf Dauer. Das ist Vielen gar nicht bewusst.

herMoney: Für mich als Laien gehört die Stimme zu einem Menschen wie lange oder kurze Beine. Kann man daran überhaupt etwas ändern?

Nicola Tiggeler: Die Stimme ist veränderbar. Das meiste, was wir mit der Stimme tun, haben wir erlernt. Und was wir lernen, können wir uns auch wieder abtrainieren. Nur die Anatomie des Kehlkopfes ist unveränderbar, aber nicht, was wir damit für Klänge produzieren.

herMoney: „Mit Stimme zum Erfolg“ heißt Ihr Buch. Geht Erfolg auch ohne Stimme?

Nicola Tiggeler: Klar, aber mit einer ausgebildeten Stimme wirke ich souveräner und sympathischer und kann andere sehr viel einfacher überzeugen. Frauen tun sich häufig schwer damit, sich richtig Gehör zu verschaffen. Sie sprechen beispielsweise oft sehr leise und zu hoch. In der Stimme liegt dann schon die Frage: Bin ich eigentlich kompetent und gut genug? Männer sind in ihrem Auftritt selbstbewusster.

herMoney: Gibt es denn eine „richtige“ Stimme?

Nicola Tiggeler: Es geht darum, eine freie Stimme zu haben, die die Emotionen transportiert, die ich zeigen möchte und nicht falsche Signale sendet. Ein wesentlicher Schritt ist es, den Eigenton zu kennen – also den Stimmbereich, wo die eigene Stimme mit dem geringsten Aufwand die größtmögliche Resonanz erzeugt. Nicht umsonst heißt es ja: Mit dem Brustton der Überzeugung.

herMoney: Sie sind Jahrgang 1960.  Was heißt es für Sie als sehr attraktive Frau, älter zu werden?

Nicola Tiggeler: … das letzte Mal eine Fünf davor – das ist schon bemerkenswert. Es fühlt sich nach einem neuen Lebensabschnitt an.

herMoney: Im Fernsehen sieht man keine Frau mit Falten. Sind Frauen schlechter dran, wenn sie älter werden? Wie gehen Sie damit um?

Nicola Tiggeler: Ich denke schon, dass das für Frauen schwieriger ist als für Männer. Man wird wahnsinnig beobachtet, es wird permanent spekuliert, ob man nun „was gemacht“ hat.

herMoney: Haben Sie?

Nicola Tiggeler: Ich mache mir natürlich auch meine Gedanken. Aber am Ende ist es doch die innere Haltung, die zählt – der Umgang mit dem Leben an sich und wie man auf das Leben blickt. Ich treffe sehr viele spannende Menschen und habe einen Job, der mich wach und neugierig bleiben lässt. Zusätzlich habe ich das Glück, eine tolle Familie zu haben, die mir sehr viel Stabilität gibt. Und bezogen auf das Altern: Was wäre die Alternative?

herMoney: Welchen Tipp können Sie Frauen geben?

Nicola Tiggeler: Trauen Sie sich, sich Gehör zu verschaffen! Oft hilft es, die eigene Stimme zu hören, also laut zu sprechen und sich dabei aufzunehmen. Der Wohlfühlton ist das Basislager, von dem aus man stimmlich auf- und absteigen kann. Wer vorher zum Beispiel summt, verbessert nicht nur seine Laune, sondern wärmt auch die Stimme auf. Summen ist Wellness für die Stimme!

 

Nicola Tiggeler ist ausgebildete Opernsängerin, Schauspielerin, diplomierte Gesangslehrerin und seit 2010 Designated Linklater Voice Teacher.  Sie steht seit über 25 Jahren vor der Kamera beziehungsweise auf der Bühne und wurde der breiten Öffentlichkeit vor allem als „Barbara von Heidenberg“ in der Fernsehserie „Sturm der Liebe“ bekannt. Als Dozentin für Sprechtechnik lehrte sie zudem an verschiedenen Hochschulen, unter anderem an der Hochschule für Musik und Theater in Hamburg und München. 2016 erschien ihr Ratgeber „Mit Stimme zum Erfolg“ im H.C. Beck Verlag, München. 2019 folgte die 2. Auflage.

Copyright: Michael Leis

Beitrag teilen: