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Wegzuschauen hilft nicht. Fakt ist: Uns Frauen droht eine größere Rentenlücke als Männern. So hebeln Sie den Gender Pension Gap aus.

Inhalt:

Wir wissen es längst. Und doch brauchen wir immer wieder einen Anschubser, um endlich in die Gänge zu kommen. Frauen-Renten sind niedriger als die für Männer und selbst bei Männern tut sich eine Rentenlücke auf. Fakt ist: Wir müssen etwas tun, um die Lücke auszugleichen, sonst stehen wir am Ende unseres Lebens als arme alte Frau da – kein schöner Gedanke!

Was logisch klingt, beherzigen wir am Ende oft doch nicht und tun erst mal nichts. Da ist es gut, dass es immer wieder Studien gibt, die uns auf das Thema stoßen und uns hoffentlich heute motivieren, endlich doch etwas zu tun. Denn je früher wir anfangen, desto weniger müssen wir aufwenden.

Die letzte große Studie dieser Art hatte die Fondsgesellschaft Amundi im Herbst 2017 angestoßen. Nun gibt es eine neue Studie, welche die Fondsgesellschaft Fidelity International unterstützt hat.

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Der Gender Pension Gap und seine Bedeutung für uns Frauen

Das wichtigste Ergebnis der Studie ist: Frauen, die heute arbeiten, können später 26 % weniger als Männer an gesetzlicher Rente erwarten. In absoluten Zahlen bedeutet das: Wenn eine Frau mit 67 Jahren in den Ruhestand geht, hat sie nach heutiger Berechnung monatlich 140 Euro weniger gesetzliche Rente als ein Mann – zumindest aus eigener Rente. Bezieht diese Frau ab dem Beginn des Ruhestands 15 Jahre lang Rente, fehlen ihr demnach rund 25.000 Euro. Weiter unten zeigen wir auf, wie man diesen Fehl-Betrag relativ leicht zusammenbekommt. Aber erst einmal zur Faktenlage …

Die wissenschaftliche Studie „The Gender Pension Gap in Germany“ wurde von Prof. Alexandra Niessen-Ruenzi, Universität Mannheim, und Prof. Christoph Schneider, Tilburg University, im Auftrag von Fidelity International durchgeführt. Sie basiert auf der Analyse einer großen Datenmenge und ist damit die größte Studie zu diesem Thema.

Die beiden Forscher haben die gesetzlichen Rentenansprüche von über 1,8 Millionen deutschen Arbeitnehmern berechnet und dazu die Daten des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) herangezogen. „Wir konnten hier mit guter Datenqualität arbeiten, weil es echte Verdienst-Daten und keine Umfragedaten sind, bei denen es unterschiedliche Wahrnehmungen geben kann“, erklärt Professor Niessen-Ruenzi beim Pressegespräch zur Vorstellung der Studie. Die Rentenansprüche haben die beiden Forscher dann selbst aus den tatsächlichen Verdienst-Zahlen berechnet.

Erkenntnis Nr. 1: Erst ab 35 Jahren tut sich Gender Pension Gap auf

Bis zum Alter von 35 Jahren gibt es kaum Unterschiede bei den erwarteten Rentenansprüchen von Frauen und Männern. So beträgt die geschlechtsspezifische Rentenlücke bei den 26- bis 35-Jährigen nahezu 0 Prozent. Erst ab etwa 35 Jahren öffnet sich die Schere.

Nach diesem Alter erwerben Männer deutlich mehr Rentenpunkte als Frauen und können folglich später auch eine höhere Rente erwarten. In der Altersgruppe der 36- bis 45-Jährigen liegt die geschlechtsspezifische Rentenlücke schon bei 15 % und bei den 46- bis 55-Jährigen sogar bei 27 %.

Prof. Niessen-Ruenzi erklärt, welchen Grund sie für den Gender Pension Gap in Deutschland vermutet: „Der wahrscheinlichste Grund für diese Entwicklung ist, dass viele Paare in den Dreißigern eine Familie gründen. Da Frauen häufiger als Männer nach der Geburt eines Kindes ihre Arbeitszeit reduzieren, beginnt sich das geschlechtsspezifische Lohngefällte genau in dieser Altersgruppe zu entwickeln. Mit drastischen Folgen für die Finanzen von Frauen und ihre spätere Rente. In der Literatur hat sich hierfür der Begriff ‚Motherhood Penalty‘ durchgesetzt.“

Erkenntnis Nr. 2: Den Gender Pension Gap gibt’s in jeder Berufsgruppe

Wenn Sie denken, dass Frauen und Männer in Ihrer Berufsgruppe gleich verdienen, irren Sie höchstwahrscheinlich. Der Gender Pension Gap existiert deutschlandweit in jeder Berufsgruppe– bei der Unternehmensberaterin genauso wie bei der Verkäuferin, erklärt Prof. Niessen-Ruenzi. Gerade in der Unternehmensberatung sei das Einkommen stark abhängig von langen Arbeitszeiten. Eine Unternehmensberaterin, die Kinder habe und daher nicht mehr als 40 Stunden pro Woche arbeiten wolle, erfahre daher durchaus beträchtliche Einkommenseinbußen, so die Professorin.

Erkenntnis Nr. 3: Kinder vergrößern die geschlechtsspezifische Rentenlücke

Das dürfte die meisten von uns nicht wirklich verwundern: Sobald eine Frau Kinder hat, vergrößert sich der Pension Gap. Dass der Gender Pension Gap bei Frauen mit Kindern besonders hoch ist, zeigt die folgende Grafik mit Szenarien aus der Studie:

Gefahr Nr. 1: Das Problem ist heute noch nicht direkt sichtbar

Gefahr Nummer 1 ist, dass Frauen heute oft zu wenig über ihre Altersvorsorge nachdenken und entsprechend agieren, weil sich die Lebenswirklichkeit vieler Rentnerinnen heute nämlich positiver darstellt als in der Studie.

Heute leben viele ältere Frauen letzten Endes nicht nur von der selbst erworbenen Rente, sondern auch von Witwen-Rente und sonstigen Hinterbliebenen-Versorgungen. Witwen- und Witwer-Renten sind in die Studie nicht mit eingeflossen, ebenso wenig wie Betriebsrenten, Beamtenversorgungen und private Vorsorge. Mütter-Renten hingegen schon.

Weil das Gesamt-Versorgungsniveau vieler heutiger Rentnerinnen (und damit auch vieler Witwen) relativ hoch ist, ergibt sich die Gefahr, dass Frauen heute das Problem unterschätzen, das auf sie zukommt: Anders als die heutige Rentner-Generation heiraten heute viele Paare nicht, so dass auch keine gesetzlichen Witwenrenten-Ansprüche entstehen. Und wer möchte schon aus dem Grund heiraten, später einmal versorgt zu sein?

Gefahr Nr. 2: Aus dem Pay Gap entsteht automatisch der Gender Pension Gap!

Es gibt viele gute Gründe dafür, dass Frauen zu Gunsten der Familie beruflich kürzertreten. Die damit verbundenen Einkommenseinbuße nehmen sie mehr oder minder bewusst hin. Nicht bewusst ist vielen dabei aber, dass aus dem heute niedrigen Einkommen später auch eine niedrigere Rente entsteht. Aber dann ist es für viele zu spät gegenzusteuern.

Die Gründe für den sogenannten Gender Pay Gap sind vielschichtig:

  • Frauen wählen oft soziale Berufe, die geringere Verdienst-Aussichten bieten.
  • Frauen arbeiten häufiger in Teilzeit als Männer.
  • Frauen können schlechter Gehälter verhandeln. „Gerade wenn wir uns im außertariflichen Bereich befinden, ist der Pay-Gap besonders groß“, beobachtet Prof. Niessen-Ruenzi.
  • Frauen bewerben sich seltener um Führungspositionen.

Auch nett gemeinte soziale „Geschenke“ aus früheren Zeiten, wie die kostenlose Mitversicherung in der Krankenversicherung, das Ehegatten-Splitting oder unterschiedliche Lohnsteuer-Klassen halten viele Frauen davon ab, nach der Familienpause beruflich wieder (voll) einzusteigen. Oft herrscht das Gefühl vor „das lohnt sich eh nicht!“. Als Reaktion weichen viele Frauen eben doch auf einen 450-Euro-Job aus und sehen sich als „Hinzuverdienerin“. Aber genau das schafft Abhängigkeiten!

Heute leben nicht nur viele Paare ohne Trauschein zusammen. Auch der Prozentsatz der Ehen, die geschieden werden, ist heute relativ hoch. In den Ballungsgebieten beträgt er etwa 40 %. Während das Unterhaltsrecht 2008 geändert wurde, blieb das Prinzip für die Berechnung der gesetzlichen Rente wie bisher. Aber viele Frauen schaffen weiter vor sich hin, als wäre nichts geschehen, und fangen sich auf diese Weise unbewusst Nachteile ein.

Nicht alle Frauen haben auf dem Schirm, dass es einen direkten Zusammenhang zwischen dem Gender Pay Gap und dem Pension Gap gibt. Das heißt: Weniger Verdienst heute bedeutet weniger Rente morgen. Frauen müssen sich den direkten Zusammenhang aber bewusst machen, um am Ende ihres Arbeitslebens nicht unvorbereitet in eine missliche Versorgungssituation zu geraten.

Lösung Nr. 1: Sich die Rentenberechnung bewusst machen

Wir müssen uns bewusst machen, dass sich die Entscheidung, beruflich kürzer zu treten, auch auf die spätere Rente auswirkt. „Auf Grund des Äquivalenz-Prinzips der gesetzlichen Rente ist das Einkommen der stärkste Prediktor für die Höhe der Rente“, erklärt die Prof. Niessen-Ruenzi und fährt fort: „Mütter unterbrechen ihre Karriere nach der Geburt eins Kindes häufiger als Männer und reduzieren entsprechend ihre Arbeitszeiten. Das als solches ist nicht erstaunlich. Aber: Das Einkommen gleicht sich dann nie mehr an kinderlose Frauen an.“ Genau das geht aus den Szenarien aus der Studie hervor, die oben abgebildet wurden.

Lösung Nr. 2: Offen die Arbeitsteilung und die Kompensation besprechen

Bei vielen Paaren ist es selbstverständlich, dass sich die Frau mehr um das soziale Umfeld, die Pflege von Angehörigen und den Haushalt kümmert. Diskutiert wird das nicht. Aber es ist wichtig, die Aufteilung der anfallenden Aufgaben anzusprechen. Denn nur dann lässt sich auch der damit einhergehende Verdienst-Ausfall ermitteln. Hat man den Verdienst-Ausfall und die daraus resultierende Verringerung der Rente grob berechnet, lässt sich über eine Kompensation sprechen. Wie die Kompensation aussehen kann, können Sie entweder selbst berechnen (über den Daumen, Punktlandungen gibt es hier nicht!) oder Sie lassen sich beraten.

Lösung Nr. 3: Den Gender Pension Gap schließen – je früher desto leichter!

„Wir wollten mit unserer Studie nicht nur den Gender-Pension-Gap quantifizieren, sondern auch Wege aufzeigen, was man dagegen tun kann“, erklärt Niessen-Ruenzi. Das war auch die Motivation von Fidelity International, die Studie in Auftrag zu geben: Die finanziellen Bedürfnisse von Frauen besser verstehen und dann entsprechende Lösungen anbieten. Und eigentlich ist die Lösung gar nicht schwierig: Durch das Anlegen eines Fonds-Sparplans baut man das fehlende Vermögen einfach auf.

So viel muss man dafür gar nicht zur Seite legen. Zumindest nicht, wenn man beizeiten damit anfängt. Die Studie zeigt, dass eine Frau, die mit 67 Jahren in den Ruhestand geht, nach heutiger Berechnung im Schnitt 140 Euro weniger gesetzliche Rente erhält als ein Mann. Wenn wir davon ausgehen, dass diese Frau noch 15 Jahre Rente bezieht, fehlen ihr rund 25.000 Euro. Diese Lücke gilt es zu schließen.

Wieviel man dafür aufbringen muss? Eine 35-jährige Frau müsste bei einer erwarteten Rendite von 3 % und einer jährlichen Inflationsrate von 1,5 % 64 Euro jeden Monat zurücklegen. Bei einer erwarteten Rendite von 5 % reduziert sich der monatliche Vorsorgebetrag auf 45 Euro.

Kann sie sich aber erst mit 50 Jahren zum Abschluss eines Fonds-Sparplans oder einer ETF-Anlage entscheiden, muss sie etwa doppelt so viel aufbringen, nämlich 124 Euro (bei 3 % Rendite) bzw. 105 Euro (bei 5 % Rendite), um am Ende auf den Betrag von 25.000 Euro zu kommen. Der Grund: Wer mehr Zeit hat, kann den Zinseszins-Effekt für sich arbeiten lassen.

herMoney-Tipp

Wegschauen hilft nicht weiter, sondern nur aktives Angehen der Rentenlücke. Es ist wichtig, über seine finanzielle Situation heute und auch im Rentenalter nachzudenken. Selbst wenn Sie am Ende doch eine Super-Rente beziehen, weil sich Ihre Verdienst-Situation oder die persönliche Situation geändert hat: Das Vermögen aus dem Sparplan gehört Ihnen und wird Ihnen immer ein willkommenes Polster für Extra-Wünsche sein. Fangen Sie möglichst früh an, damit die Beträge, die Sie aufwenden müssen, erträglich sind!

Mehr Ideen für die Rente erfahren Sie in der Rubrik “Altersvorsorge“.

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