Sie werden im Job schlecht bezahlt? Da hilft kein Jammern! Verhandlungscoach Claudia Kimich empfiehlt: Arbeiten Sie an sich!

Sie vergleichen erfolgreiches Verhandeln mit dem Tango-Tanz. Was hat das eine mit dem anderen zu tun?

Da gibt es einige Parallelen. Ein Tänzer brezelt sich innerlich und äußerlich auf, er geht nicht auf die Tanzfläche, ohne die Schritte zu beherrschen; er muss den richtigen Partner auffordern – und eventuell auch einen Korb verkraften oder sogar selbst verteilen. Und dann tanzt man miteinander, idealerweise im gleichen Rhythmus. Führen und führen lassen – bis zu einem fulminanten Schlussapplaus…

Können bei Gehaltsverhandlungen beide Parteien einen Schlussapplaus bekommen?

Es funktioniert sogar nur, wenn am Ende eine Win-Win-Situation entsteht und sich  die Verhandlungspartner respektvoll und auf Augenhöhe begegnen. Am Ende sollten sich beide als Gewinner fühlen!

Frauen bekommen selbst in gleichen Tätigkeiten weniger Geld als Männer. Sind wir Frauen daran selbst Schuld?

Ich sag mal: fifty-fifty. Techniker haben übrigens das gleiche Problem wie Frauen:  Sie denken eher an die Sache, verkaufen sich selbst extrem ungern und unterschätzen ihren eigenen Wert. Deshalb rate ich Frauen oder Technikern, grundsätzlich 20 Prozent draufzuschlagen. Sind Sie Frau und Technikerin, legen sie besser gleich 30 Prozent drauf.

Sie haben Informatik studiert. Haben Sie in dieser Männerdomäne weniger verdient als Ihre männlichen Kollegen?

Nein, ich war mir meines Wertes immer bewusst und konnte immer schon sehr gut verhandeln. Ich habe als Informatikerin mit 20 Stunden Arbeit mehr verdient als andere im Fulltime-Job.

Gab es nie finanziell unseriöse Angebote?

Natürlich gab es die, aber da genügt doch ein klares „Nein“!  Übrigens ohne anschließende Rechtfertigung oder Erklärung. Frauen neigen in Verhandlungen jedoch dazu, sich zu rechtfertigen – am besten mit hoher Stimme. Das klingt dann in den Ohren des Verhandlungspartners nur noch nach einem Fiepen. Keine gute Ausgangsposition.

Was machen Frauen denn sonst noch falsch, dass sie so viel weniger als Männer verdienen?

Groß zu denken erscheint vielen Frauen unanständig. Sie wollen zum Jagen getragen werden. Stehen Karriereschritte an, beratschlagen sie sich mit Hinz und Kunz und brauchen unglaublich viel Zuspruch, Motto: Meint ihr wirklich, dass ich das machen soll? In der Zwischenzeit hat Karl-Heinz längst entschieden: Ich mach´s – das passt schon!!

Wie erklären Sie sich das Zaudern?

Vielleicht ist es Teil der Sozialisation. Mädchen lernen meistens, dass sie sittsam sein und sich um das Wohl anderer kümmern sollten, anstatt selbst im Mittelpunkt zu stehen. Es fällt ihnen deshalb oft schwer, sich für sich einzustehen.

Würde ein Netzwerk helfen?

Frauen netzwerken – aber eben oft nur zugunsten anderer. Wenn es etwa um ihre Kinder geht, kämpfen sie wie Löwinnen. Nur zehn Prozent dieses Engagements für sich selber aufgebracht wirkte wahre Wunder! Es gilt also, das Netzwerk für sich selbst zu nutzen. Ladies, zielgerichtetes Netzwerken für Euch selbst ist ab sofort angesagt!

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