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Weniger Geld für die gleiche Arbeit? Der Equal Pay Day zeigt: Jeden Tag ist Engagement gefragt!

„Es zahlt sich aus, eine Frau zu sein“ – so prangt es in großen Lettern von Werbeplakaten der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG). Pünktlich zum Equal Pay Day am kommenden Montag haben sich die Marketing-Spezialisten der BVG etwas ganz besonderes ausgedacht. Frauen in Deutschland verdienen noch immer 21 Prozent weniger als Männer, dann soll das Ticket im öffentlichen Nahverkehr mit der BVG auch um 21 Prozent günstiger sein. Ein Hingucker, der auf die ungleiche Behandlung aufmerksam machen soll. Aber das ermäßigte Ticket gibt es nur in Berlin und nur an einem einzigen Tag im Jahr.

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Aufmerksamkeit ist wichtig. In zahlreichen Veranstaltungen – wie etwa einem Panel-Talk der BRIGITTE Academy – diskutieren Expertinnen am 18. März über Lohngerechtigkeit. Motto: 21 Prozent weniger Lohn, 53 Prozent weniger Rente: Wir verdienen mehr! Denn anders als von der BVG suggeriert zahlt sich das Frausein im Jahr 2019 keinesfalls aus. Zumindest finanziell haben Frauen noch immer das Nachsehen. Dass gleiche Arbeit gleich entlohnt werden soll, ist seit fast 40 Jahren (seit 1980) im Gesetz festgeschrieben. Doch faktisch sind wir davon noch weit entfernt. Der Equal Pay Day ist also alles andere als ein Feiertag. Jedes Jahr wieder wird er „begangen“, einfach weil er nötig ist.

Gleicher Lohn für gleiche Arbeit?

Bis zum 18. März, so die Berechnungen des Statistischen Bundesamtes, arbeiten Frauen in diesem Jahr umsonst. Natürlich nicht wirklich umsonst, aber doch, wenn das Einkommen mit dem der Männer verglichen wird. Ab dem 19. März verdienen arbeitende Männer im Schnitt so viel Geld, wie arbeitende Frauen im ganzen Jahr. Der Pay Gap liegt wie im Jahr zuvor unbereinigt bei 21 Prozent. Unbereinigt meint, dass der Stundenlohn unabhängig von Jobs, Branchen und Karrieren betrachtet wird. Statistiker treibt diese Betrachtung auf die Palme, weil Äpfel mit Birnen verglichen werden. Die Altenpflegerin verdient halt weniger als der Unternehmensberater oder Informatiker. Also kein Angriff auf „gleicher Lohn für gleiche Arbeit“?

Bereinigt – also bei der Bezahlung für gleiche Arbeit – fällt der Unterschied mit sechs Prozent geringer, aber eben noch immer viel zu hoch aus. Bereinigt oder unbereinigt: Einige Fragen seien erlaubt. Ob Kinderbetreuung oder Altenpflege: Warum sind vor allem die Jobs, in denen mehrheitlich Frauen arbeiten, so schlecht bezahlt? Und: Warum tragen Frauen die finanziellen Risiken der Familiengründung? Schließlich sind es vor allem Frauen, die für die Kinder auf Karriere und damit Einkommenschancen verzichten.

Von alleine passiert nichts!

Ungleiche Entlohnung hat Tradition, den Equal Pay Day dagegen gibt es in Deutschland erst seit 2008, vom Berufsnetzwerk Business and Professional Women (BPW) Germany e.V initiiert. Damals war er auf den 15. April datiert – Männer haben also ab dem 15. April so viel verdient, wie Frauen das ganze Jahr. Immerhin: Frauen haben seitdem fast einen ganzen Monat gut gemacht. Seit 2017 jedoch hat sich die relative Einkommenssituation von Frauen nicht verbessert – der Equal Pay Day verharrt auf dem 18. März. „Von allein passiert nichts“, meint Henrike von Platen, Gründerin des FPI Fair Pay Innovation Lab. „Ungleiche Bezahlung ist keine Privatsache, sondern eine strukturelle Ungerechtigkeit“, so die Fachfrau, die Unternehmen bei der praktischen Umsetzung nachhaltiger Entgeltstrategien unterstützt. „Dieser Fehler im System gehört endlich abgeschafft.“

Auch der Gesetzgeber ist gefordert. Mit dem Entgelttransparenzgesetz haben Frauen in Unternehmen mit mehr als 200 Beschäftigten erstmals ein Anrecht darauf zu erfahren, was Kollegen in vergleichbaren Positionen verdienen. Transparenz ist ein erster Schritt. Damit das Gesetz nicht zum zahnlosen Tiger verkommt, müssen Frauen allerdings aktiv werden und nachfragen.

Ein zweiter Pfeiler zur Förderung von Frauen ist eine Quote in den Aufsichtsräten der 100 größten deutschen Unternehmen, die 2016 eingeführt wurde. „Die Quote greift“, weiß Dr. Elke Holst, die Pionierin im Bereich Genderforschung beim DIW. Ohne verbindliche Quote liegt der Anteil von Frauen in Führungspositionen deutlich niedriger.

Unter den Führungskräften allerdings fällt der Gender Pay Gap in Deutschland ganz besonders üppig aus. Für jeden Euro, den ein Mann erhält, bekommen weibliche Führungskräfte in Deutschland nur rund 73 Cents – und damit weniger, als in der EU. Hier sind es im Schnitt immerhin knapp 77 Cents! Woran liegt´s? Frauen wüssten oft nicht, was ihre Arbeit wert sei, weiß Gehalts- und Verhandlungscoach Claudia Kimich. „Fast jede Frau fragt mich im Coaching, wie viel Geld sie denn verlangen dürfe“, sagt die Autorin des Ratgebers „Verhandlungstango“. Von den männlichen Klienten frage das keiner. Kimich rät Frauen, systematisch an ihrem Selbstwert zu arbeiten.

Millenials folgen traditionellen Rollenbildern

Frauen und Geld: Dass Frauen sich um die eigenen Finanzen kümmern, sollte im 21. Jahrhundert in Deutschland selbstverständlich sein. Ist es aber nicht. Frauen weltweit sind in Bezug auf Finanzen in alten Rollenbildern verhaftet, wie eine aktuelle Studie der UBS belegt: Langfristige Finanz- und Anlageplanung bleibt Männersache, während Frauen alltägliche Ausgaben verwalten. In Deutschland sind die tradierten Rollenbilder sogar ganz besonders stark ausgeprägt. 60 Prozent der Frauen überlassen Finanzentscheidungen ihren Partnern, in Mexiko oder Brasilien sind es nur 39 bzw. 45 Prozent. Und Hoffnungen darauf, dass sich die Rollenbilder auflösen, weil junge Frauen modern, aufgeklärt und oft auch gut ausgebildet sind, hat die Studie zerschlagen. Im Gegenteil: Unter den Millenials in Deutschland, also den 20- bis 34-jährigen, liegt der Anteil derjenigen Frauen, die Finanzentscheidungen delegieren, bei satten 63 Prozent! „Wir müssen die traditionelle Rollenverteilung hinter uns lassen und Frauen zu mehr finanziellem Selbstbewusstsein ermutigen“, sagt Barbara Rupf Bee, die das Global Wealth Management der UBS in Deutschland verantwortet. Angesichts des Risikos einer Scheidung sowie der höheren Lebenserwartung von Frauen sei es „für Frauen essentiell, in allen Lebensphasen eine aktive Rolle bei der Finanzplanung zu spielen.“

herMoney-Tipp:

Jammern hilft nichts! Deutlich besser ist es, sich für Lohngerechtigkeit stark zu machen und die Finanzen selbst in die Hand zu nehmen. Trauen Sie sich, das zu fordern, was Ihre Arbeit wert ist. Und kümmern Sie sich um Ihr Geld. Wie bei allen Dingen im Leben gilt: Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen! Fällt Ihnen die Verhandlung schwer, hilft „üben, üben, üben“.

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