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In den letzten 70 Jahren ist die Lebenserwartung um 30 Jahre gestiegen. Doch wer länger lebt, braucht länger Geld im Alter.

 Was also tun, um das Langlebigkeitsrisiko abzusichern? herMoney hat einen Leitfaden für Sie zusammengestellt und prüft verschiedene Möglichkeiten.

Inhalt: 

Was ist das Langlebigkeitsrisiko? Eine Definition

Es klingt schon etwas makaber: Versicherer sprechen vom „Langlebigkeitsrisiko“, also dem Risiko, dass ein Versicherter zu lange lebt. Oder genauer: länger lebt als kalkuliert. Dabei ist ein langes Leben ja durchaus wünschenswert, zumal wenn die Gesundheit mitspielt.

Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für demografische Forschung haben die Lebenserwartung von heute geborenen Männern und Frauen im Auftrag der deutschen Versicherungswirtschaft berechnet. Danach werden 11 von 100 Männern ihren 100. Geburtstag erleben, von den Frauen feiern gar 37 von 100 die doppelte Null! Im Schnitt, so die Forscher, werden heute geborene Mädchen fast 95 Jahre alt. Zum Vergleich: Noch 1950 lag die durchschnittliche Lebenserwartung von Mädchen bei knapp 65 Jahren. 30 gewonnene Jahre – kein Pappenstiel!

Lebenserwartung von 2019 Geborenen:

Jungs 88,6 Jahre
Mädchen 94,8 Jahre

Quelle: Max-Planck-Instituts für demografische Forschung, 2019

Das „Risiko“ bezieht sich also nicht auf das Leben, sondern auf die Finanzplanung. Die Rechnung ist simpel: Wer lange lebt, braucht lange Geld. Versicherer kalkulieren die Beiträge so, dass das „Langlebigkeitsrisiko“ für sie nicht zur Stolperfalle wird. Ganz anders machen es viele Privatleute.

Zum einen unterschätzen sie ihre Lebenserwartung im Schnitt um fast fünf Jahre, wie eine aktuelle Untersuchung des Forsa-Instituts im Auftrag der Versicherungswirtschaft belegt. Zum anderen schieben vor allem Frauen die finanzielle Vorsorge immer wieder vor sich her. Das könnte sich im letzten (langen!) Lebensabschnitt rächen. Was aber tun, um Altersarmut zu vermeiden? Und nicht ins „Risiko“ zu laufen, dass am Ende des Geldes noch viel Leben übrig ist?

Frühzeitig mit dem Vermögensaufbau beginnen

Sie fühlen sich zu jung, um an das Alter zu denken? Dann kennen Sie womöglich nicht den Effekt von Zins- und Zinseszins. Ein Beispiel gefällig?

  • Angenommen, Sie zahlen zehn Jahre lang Monat für Monat 100 Euro in einen Aktienfonds ein, der Ihnen im Schnitt 6,6 Prozent Rendite pro Jahr bringt. Dann haben Sie 12.000 Euro investiert und kassieren 4.851 Euro Zinsen.
  • Zahlen Sie dagegen 35 Jahre Monat für Monat 100 Euro ein, zeigt sich der Effekt von Zins- und Zinseszins: Sie haben dann 42.000 Euro investiert und kassieren bei einer Verzinsung von 6,6 Prozent pro Jahr 115.525 Euro Zinsen!

Fazit: Sie haben die dreieinhalbfache Summe investiert, kassieren am Ende aber fast das 24-Fache an Zinsen!

Übrigens: Den Rechenzins von 6,6 Prozent haben wir nicht zufällig gewählt. 6,6 Prozent ist die Rendite, die Anleger in den vergangenen 35 Jahren im Schnitt pro Jahr mit einem Sparplan in einen durchschnittlichen global investierenden Aktienfonds erzielt haben.

Zeit ist also bei der Altersvorsorge bares Geld. Wenn Sie langfristig planen, Ihr Vermögen breit gestreut investieren anstatt zu sparen und auf die Kosten achten, ist der erste Schritt geschafft. Wie das geht? Richten Sie einen Sparplan – also eine Art Dauerauftrag für den Kauf von Wertpapieren – ein. Für den langfristigen Vermögensaufbau eignen sich aktiv gemanagte Fonds, aber auch kostengünstigere  ETFs. In unserem Artikel über die besten ETFs für Einsteigerinnen haben wir Beispiele für solide ETFs aufgelistet.

Risiko- statt klassischer Lebensversicherung

Frühzeitig mit dem Vermögensaufbau zu beginnen sei gut, aber nicht ausreichend, mahnt Renate Fritz, Geschäftsführerin der Münchner Finanzberatung „frau & geld“. Sie rät dazu, eine Vorsorgestrategie zu entwickeln. Wie ist der Bedarf, welche Vermögenswerte sind vorhanden und welche Renteneinnahmen zu erwarten? Neben dem Kapitalaufbau rät Fritz dazu, eine planbare Zusatzrente aufzubauen, die bis zum Lebensende fließt. „Es führt nichts an einem sicheren Standbein im Alter vorbei“, sagt die Finanzberaterin.

Lebensversicherung (herMoney)Eine klassische Lebensversicherung, traditionell der Vorsorge-Liebling der deutschen Sparer, ist allerdings nicht zu empfehlen. Die Absicherung des Todesfallrisikos über die Police ist teuer. Und im Zinstief bringt die Lebensversicherung keine Rendite. Der Garantiezins, der in guten Zeiten 4 Prozent betrug, liegt aktuell nur noch bei 0,9 Prozent – und die gibt es nur auf den Sparanteil, so dass sich das eingezahlte Kapital kaum verzinst. Und auf Überschussbeteiligungen, die die Assekuranzen früher erwirtschaften konnten, sollten Sie im Zinstief nicht spekulieren.

Besser als die Kombi sei es, eine günstige Risikolebensversicherung abzuschließen und die Altersrente separat aufzubauen, um das Langlebigkeitsrisiko abzufedern. Zwar leiden auch die privaten Rentenversicherungen unter dem Zinstief, aber die Kosten sind ohne Risikoschutz geringer.

Worauf Sie bei privaten Rentenversicherungen achten sollten

Finanzberaterin Renate Fritz rät, den Abschluss einer Rentenversicherung zu prüfen. „Auf dem Markt hat sich viel getan und neben den klassischen Policen gibt es sehr viele neuer Angebote“, so Fritz. Mit sogenannten Indexpolicen oder fondsgebunden Rentenversicherungen können Versicherte vom Kapitalmarkt profitieren. Auch sei es möglich, beim Start zunächst auf teure Garantien zu verzichten und sie erst während der Laufzeit einzuziehen. „Das schafft den Anbietern Spielraum, zunächst stärker in renditestarke Assets zu investieren“, so Fritz.

Unter Renditegesichtspunkten rechne sich eine private Rentenpolice nicht, so Verbraucherschützerin Weidenbach. „Eine private Rentenversicherung ist immer eine Wette auf ein langes Leben“, sagt die Versicherungsexpertin: Wer viel Sicherheit benötige, könne mit einer guten Police eine verlässliche Zusatzrente aufbauen. Weidenbach empfiehlt, vor dem Abschluss die Fördermöglichkeiten zu prüfen und die Police gegebenenfalls als Betriebliche Altersvorsorge oder Riester-Vertrag abzuschließen (siehe unten).

Fördermöglichkeiten prüfen: Riester-Rente und Betriebliche Altersvorsorge

Die wirksamste Vorsorge gegen Altersarmut sei die Erwerbstätigkeit, mit der Angestellte Ansprüche aus der gesetzlichen Rente erwirtschaften, so die Verbraucherschützerin. Weil das in der Regel nicht reicht, um den Finanzbedarf im Alter zu decken, werden Sie wahrscheinlich aufstocken müssen.

Prüfen Sie zuerst, ob Sie Anspruch auf Förderung haben. Der Staat fördert die Vorsorge sozialversicherungspflichtiger Beschäftigter per Riester-Vertrag – mit Zulagen von 175 Euro. Besonders stark profitieren Sie, wenn Sie Kinder haben. Denn pro Kind gibt es noch einmal 185 Euro bzw. für nach 2007 Geborene sogar 300 Euro obendrauf. Auch Geringverdiener und Hausfrauen können sich per Riester für einen Mindestbetrag von fünf Euro pro Monat eine Zusatzrente aufbauen.

Eine weitere Säule kann die Betriebliche Altersversorgung sein. Jeder Arbeitnehmer hat Anspruch auf Vorsorge über den Betrieb. Doch während Unternehmen früher für ihre Mitarbeiter Geld angespart haben, bietet die Mehrzahl der Betriebe heute nur noch die sogenannte Entgeltumwandlung an. Das heißt: Sie zahlen aus dem Brutto in einen Vertrag ein. Da auf den Sparbetrag keine Steuern und Sozialabgaben fällig werden, haben Sie unter dem Strich mehr Netto aus Ihrem Brutto – und können mehr Geld in die Altersvorsorge investieren, so dass schneller ein Kapitalstock aufgebaut werden kann.

Der Haken: Bei Auszahlung schlagen Fiskus und Sozialversicherungsträger zu. Dann müssen Sie sogar den kompletten Krankenkassenbeitrag – also Arbeitgeber- und Arbeitnehmeranteil – alleine finanzieren.

Bei der Entgeltumwandlung sparen nicht nur Sie als Arbeitnehmerin Sozialabgaben ein. Auch ihr Arbeitgeber muss auf ihre Vorsorgebeiträge keine Sozialversicherungsbeiträge zahlen. Von diesen Einsparungen muss er bei Neuverträgen seit Jahresbeginn einen Teil in Ihre Vorsorge einzahlen. Bei Altverträgen tritt diese Neuregelung erst 2022 in Kraft.

Sofortrente: Sicher, aber niedrige Zinsen

Wenn Sie Vermögen aufgebaut oder geerbt haben, können Sie selbst über das Geld verfügen und monatlich eine bestimmte Summe verbrauchen. Sie können aber auch mit einer Einmalzahlung Anspruch auf eine lebenslange Rente erwerben. Die sogenannte Sofortrente leidet wie die Rentenpolice (aufgeschobene Rente) unter dem Zinstief: Hohe Renditen sind nicht zu erwarten. Dafür laufen Sie nicht ins Risiko, dass Ihre Finanzierungsquelle im Alter versiegt: Die Rentenzahlungen sind bis zu   Ihrem Tod gesichert.

Im Unterschied zum Privatvermögen auf dem Konto ist das Geld, das Sie in eine Sofortrente einzahlen, nach Ihrem Tod unter Umständen verloren – auch dann, wenn Sie bereits ein paar Jahre nach Vertragsabschluss sterben. Fünf Jahre Rentengarantie sind gängige Praxis. Wenn Sie anderen etwas hinterlassen möchten, können Sie die Rentengarantiezeit erhöhen oder eine Kapitalrückgewähr vereinbaren. Das schmälert zwar die monatliche Rente, ist aber zu empfehlen, wenn Sie ein großes Vermögen eingezahlt haben.

Die Rentenhöhe hängt zuerst einmal von dem eingezahlten Betrag und der kalkulierten Lebenserwartung ab. „Im Schnitt müssen Versicherte weit über 90 werden, um das eingezahlte Kapital wieder herauszubekommen“, weiß Verbraucherschützerin Weidenbach. Dafür versiegt die Quelle nie, auch wenn Sie über 100 werden!

Versicherer weisen in ihren Verträgen einen Garantieanteil und eine mögliche Überschussbeteiligung aus. „Achten Sie nur auf die garantierte Rente und nicht auf vage Zinsversprechen“, rät Weidenbach. Denn Überschüsse lassen sich im Zinstief kaum erzielen.

herMoney-Tipp für die Absicherung des Langlebigkeitsrisikos

Einen Königsweg gibt es bei der privaten Altersvorsorge nicht. Am besten kombinieren Sie den privaten Vermögensaufbau per Sparplan mit einer privaten Rentenversicherung, die lebenslang sichere Auszahlungen bietet. Prüfen Sie geförderte Abschlüsse per Riester oder Betrieblicher Altersvorsorge, um Ihr Langlebigkeitsrisiko abzufedern. Letztere bieten in der Regel niedrigere Abschlusskosten. Und vielleicht zahlt Ihr Chef ja sogar etwas zu Ihrer Altersvorsorge dazu!

Neben dem Aufbau von Vermögen bzw. dem Aufbau privater Zusatzrenten kann auch eine selbstgenutzte Immobilie im Alter finanzielle Sicherheit bieten. Die können Sie im Zweifel im Alter sogar über Nießbrauch verrenten!

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