Nachhaltigkeit hat viele Gesichter. Eines davon: Impact Investing. Finanzberaterin Jennifer Brockerhoff erklärt, was das ist.

herMoney: Frau Brockerhoff, wie oft fragen Ihre Kundinnen zuerst nach der Rendite?

Jennifer Brockerhoff: (lacht) Das kommt selten vor. Die meisten Frauen möchten zunächst wissen, was mit ihrem Geld passiert. Denn sie wollen nicht in Waffen, Ausbeutung oder Kinderarbeit investieren. Damit Geld zu verdienen, also die Altersvorsorge auf dem Rücken anderer aufzubauen, ist für viele Investorinnen ein No-Go!

Sie haben sich als Finanzberaterin auf nachhaltiges Investieren spezialisiert. Warum das?  

Wohl aus den gleichen Gründen. Frauen hinterfragen stärker, was ihr Handeln bewirkt – und übrigens nicht nur beim Thema Finanzen. Das gilt zum Beispiel auch für die Mode und Ernährung. Ich habe viele Jahre als Anlageberaterin bei einer Privatbank gearbeitet, aber mir hat irgendwann der Sinn gefehlt. Um wieder Interesse und Freude am Job zu haben, habe ich mich vor 10 Jahren selbstständig gemacht und seit einigen Jahren auf nachhaltige Geldanlagen spezialisiert.

Die Europäische Union hat neue Pläne vorgelegt, nach denen nachhaltiges Wirtschaften gefördert werden soll. Rohrkrepierer oder wirkungsvoll?

Das ist ein riesiger und nach meiner Einschätzung auch notwendiger Schritt. Nachhaltigkeit wird nicht länger mit Schlabberpullover und Zimtlatschen gleichgesetzt. Es kommt also raus aus der kommt Ökofreak-Ecke und wird zum Mainstream. Dabei geht es um die Finanzierung des nachhaltigen Wachstums. Das ist ein Novum – und das freut mich total!

Haben Anleger eine Vorstellung davon, was sich alles hinter nachhaltigen Investments verbirgt?

Nein, die meisten wissen, dass sie Themen wie Kinderarbeit oder Waffen ausschließen möchten, aber welche Möglichkeiten und Konzepte genau es gibt, wissen sie nicht. Ich muss zugeben, die Materie ist auch sehr komplex. Das merke ich immer dann, wenn ich die ganze Bandbreite aufzeige und erkläre, welche Investmentstile es gibt…

Ganz unabhängig vom Stil: Das Angebot an nachhaltigen Produkten wächst rasant. Ein Modethema?

…ja, das kann man so sagen. Und die Marketingabteilungen haben das erkannt und forciert. Es wird viel alter Wein in neuen Schläuchen angeboten, das ist die negative Begleiterscheinung. Wer es ernst meint mit der Nachhaltigkeit, muss also sehr genau prüfen, in was er investiert.

Wie filtern Sie das Angebot?

Ich screene den Markt sehr genau. Dafür nutze ich Ratings, also Bewertungen von Rating-Agenturen – die bieten eine Orientierungshilfe. Dann gibt es sogenannte Nachhaltigkeitsprofile, zum Beispiel beim Forum Nachhaltige Geldanlagen (FNG), wo ich auch Mitglied bin.

Welche Konzepte präferieren Sie bei der nachhaltigen Geldanlage?

Grundsätzlich muss ich mich natürlich nach den Wünschen und Bedürfnissen meiner Kunden richten. Während aber Strategien wie Ausschlusskriterien oder Engagement und Stimmrechtsausübung vielen bekannt sind, gibt es andere Ansätze wie das so genannte Impact Investing, die bisher fast ausschließlich institutionelle Anleger verfolgen. Weltweit ist es das Segment, das am stärksten wächst.

…was heißt denn Impact Investing genau?

Beim Impact Investing erwarten Anleger neben einer positiven Rendite eine unmittelbare und vor allem messbare ökosoziale Wirkung – zum Beispiel gemessen an ihrem Beitrag zur Erreichung der 17 Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen.

Trifft das nicht auf jedes nachhaltige Investment zu?

Nein. Zugegeben, das ist etwas kompliziert. Aber indem man einen Aktienfonds mit Ausschlusskriterien wie Kinderarbeit, fossilen Brennstoffen etc. kauft, erzielt man erst einmal keine sofortige positive Wirkung für die Umwelt. Denn im Grunde wechseln ja „nur“ die Anteile den Besitzer. Effekte bei den Unternehmen entstehen aber erst, wenn ihnen frisches Geld zufließt – also bei einer Kapitalerhöhung.  Oder aber, wenn das Unternehmen dann neue Anleihen begibt, um wiederum neue nachhaltige Projekte zu finanzieren.

Und was ist beim Impact Investing anders?

Mit diesem Ansatz investieren Anleger direkt in Projekte, die einen sozialen oder ökologischen Nutzen haben – zum Beispiel in Wasseraufbereitung oder Energieprojekte. Das investierte Geld bringt also unmittelbar und messbar eine gewünschte Wirkung.

Sind die Risiken nicht auch sehr hoch? Ob Biogas oder Solar: Einige Projekte haben sich als Flopp erwiesen…

Vor einem Investment muss man jedes Projekt sehr genau unter die Lupe nehmen. Früher haben deshalb vor allem institutionelle Anleger wie Banken oder Pensionsfonds in diesen Bereich investiert. Inzwischen gibt es Aktienfonds im Stile des Impact Investing, die auch Privatanlegern einen Zugang ermöglichen, über den die Risiken breit gestreut werden. Das Fondsmanagement wiederum investiert dann in Unternehmen, die mit diesem Geld unmittelbar eine positive Wirkung erzielen. Übrigens hat sich gezeigt, dass diese Strategie negativ zu anderen Anlageformen korreliert. Eine Beimischung senkt unter dem Strich die Anlagerisiken des Gesamtdepots.

Wie schaffen Sie es, Frauen für diese Themen zu begeistern?

 …mir hat mal eine Kundin gesagt, noch nie habe ihr jemand die Zusammenhänge so simpel und verständlich erklärt. Frauen sollten sich ein Grundwissen aneignen. Die Materie klingt erst einmal langweilig, sie ist es aber nicht. Und am Ende tut es gut, etwas Gutes zu tun bzw. etwas Gutes angeschoben zu haben. Vielleicht ein Tipp an dieser Stelle: Als Frau würde ich mich von einer Frau beraten lassen – wir sprechen die gleiche Sprache und Frauen und Männer funken nun einmal auf unterschiedlichen Frequenzen.

 

Jennifer BrockerhoffJennifer Brockerhoff ist seit 20 Jahren als Beraterin in der Finanzbranche tätig und ist seit 10 Jahren mit der eigenen Firma Brockerhoff Finanzberatung selbstständig.

Ihre Beratungsschwerpunkte sind die Bereich Vermögensanlage, Ruhestandsplanung und Finanzierung. In 2017 hat sie die zusätzliche Qualifikation zur Fachberaterin für Nachhaltiges Investment (ecoanlageberater)  absolviert und engagiert sich beruflich und privat für Umdenken im heutigen Finanzwesen. In diesem Jahr hat sie zusätzlich die Homepage www.generation-nachhaltig.de konzipiert.

 

 

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