Permanent umschichten? Nein danke! Aber bitte regelmäßig prüfen, ob Ihr Depot noch zu Ihrem Risikoprofil passt. herMoney sagt, warum!

Frau kennt das: Sie lässt sich beraten oder will sich belesen, und dann werden ihr wohlklingende aber eben doch fremde Worte um die Ohren gehauen. „Rebalancing“ ist so ein Wort. Wollten Sie nicht schon immer, dass Ihr Portfolio „rebalanced“ wird? Wahrscheinlich nicht. Dennoch: Das Depot wieder in die Balance zu bringen, was rebalancing frei übersetzt heißt, ist eine gute Idee.

Die wichtigste Entscheidung bei der Geldanlage ist bekanntlich die grobe Aufteilung Ihres Wertpapierdepots in die unterschiedlichen Anlageklassen wie Aktien, Anleihen, Immobilien, Rohstoffe und Cash. Hier spricht man von der „Asset-Allocation-Entscheidung“.

Marktbewegungen sorgen für eine Änderung der Depot-Struktur

Ein einfaches Beispiel: Gehen wir davon aus, Sie hätten sich dafür entschieden, 50 Prozent Ihres Kapitals in Aktien und 50 Prozent in konservative Anleihen zu investieren. Sie hätten Ihr Kapital dann auf entsprechende Fonds verteilt und die Märkte tun das, was sie immer tun: Sie laufen – nach oben, nach unten, oder einfach nur seitwärts. Nach einem Jahr ist das Verhältnis zwischen Aktien und Anleihen nicht mehr wie nach dem Kauf. Nehmen wir an, die Anleihen haben sich nicht von der Stelle bewegt und die Aktien haben um 20 Prozent zugelegt. Dann hat der Anteil der Aktien im Depot entsprechend zugelegt, der Anteil der Anleihen dagegen ist gesunken. Pi mal Daumen ist das Verhältnis nun 55 zu 45; die Anlagerisiken sind also gestiegen! Um die ursprüngliche Balance wieder herzustellen, müssten Sie 5 Prozent Aktien verkaufen und 5 Prozent der Anleihen kaufen.

Gewünschtes Risiko-Rendite-Profil wiederherstellen

Rebalancing macht niemand aus Ordnungsliebe, sondern um die Risiken zu kontrollieren. Schließlich haben Sie sich einmal für ein bestimmtes Risiko in seinem Wertpapierdepot entschieden und möchten ja nicht durch Marktbewegungen in ein völlig anderes Chance-Risiko-Profil katapultiert werden.

Das Rebalancing betrifft übrigens nicht nur das Verhältnis der Anlageklassen zueinander, sondern auch das Verhältnis der Märkte oder Branchen innerhalb der jeweiligen Anlageklassen. Vielleicht sind Aktien aus den USA besser als chinesische  Aktien gelaufen – und ihr Anteil im Depot ist deutlich gestiegen. Oder aber Technologiewerte haben stärker zugelegt als Werte aus anderen Branchen. Dann stellen Sie durch den Verkauf eines Teils dieser Werte die ursprüngliche Depotaufteilung wieder her.

Gewinne mitnehmen!

Sie erledigen durch den Rebalancing-Vorgang zudem eine Sache, die gar nicht schlecht ist: Sie realisieren Gewinne mit den Papieren, die besonders gut gelaufen sind, im Fachjargon: Sie nehmen Gewinne mit! Denn beim Rebalancing trennen Sie sich ja von einem Teil der Gewinner-Aktien – ihr Anteil wird durch Verkäufe wieder auf den ursprünglichen Anteil reduziert. Und Sie kaufen diejenigen Papiere oder Märkte nach, die hinter den Erwartungen zurückgeblieben sind und die sich folglich schlechter als die anderen Papiere entwickelt haben und Potenzial bieten. Denn dort stocken Sie ja wieder auf, um die ursprüngliche Gewichtung wieder herzustellen. Klingt absurd – Gewinner verkaufen und „Verlierer“ ins Depot. Aber: So erhalten Sie nicht nur Ihre Asset-Allocation, auch investieren Sie „antizyklisch“, was an der Börse ein geschicktes Verhalten ist.

Fondsmanager von vermögensverwaltenden Fonds („Mischfonds“) wenden ohnehin Rebalancing an. Wenn Sie Ihr Geld durch einen Vermögensverwalter betreuen lassen oder Sie ein verwaltetes „Fondsdepot“ haben, fragen Sie ruhig mal nach dem Rebalancing-System.

Rebalancing: Regelmäßig, aber nicht zu oft

Es gibt viele Forschungsarbeiten über das Thema Rebalancing – auch darüber, wie oft und wann es durchzuführen ist. Die Ergebnisse sind unterschiedlich und reichen von Ratschlägen, ein Depot einmal jährlich zu rebalancen bis hin zur Empfehlung, wöchentlich umzuschichten. Andere empfehlen, bei bestimmten prozentualen Abweichungen von der gewünschten Asset Allocation zu rebalancen. Abgesehen davon, dass wöchentliches Rebalancing eine umständliche Sache ist und wir noch anderes tun wollen, als uns nur um unser Wertpapierdepot zu kümmern, verursachen derart häufige Umschichtungen auch hohe Transaktionskosten; von anfallenden Steuern gar nicht zu sprechen! Ob diese dann den kleinen Vorteil wettmachen, den ein besonders häufiges Umschichten vielleicht bietet (oder auch nicht), ist die Frage. Sie möchten schließlich nicht jeder winzigen Marktbewegung, die sich nächste Woche womöglich wieder umkehrt, hinterher springen.

Praktikabel ist es daher, einmal oder zweimal im Jahr ein Rebalancing vorzunehmen. Eine weitere Möglichkeit ist, einfach nur durch Nachkäufe die ursprünglich angedachte Portfolio-Aufteilung wiederherzustellen. Hier spricht man von „Cash Flow-Rebalancing“. Dabei fallen keine besonderen Steuern an, denn es wird in dem Fall nur gekauft, aber nichts verkauft.

herMoney-Tipp:

Überlassen Sie die Anlagerisiken nicht dem Zufall bzw. dem Markt! Eine regelmäßige Überprüfung bzw. Anpassung Ihrer Investments sorgt dafür, dass Sie keine Risiken eingehen, die Sie nicht tragen können oder wollen. Übrigens: Rebalancing ist für professionelle Geldmanager selbstverständlich. Wenn Sie Ihr Geld also in einen Mischfonds investieren oder aber von Profis verwalten lassen, bleibt Ihr Vermögen in der Regel in der gewünschten Balance. Fragen Sie Ihre Beraterin oder Ihren Berater nach den Rebalancing-Modalitäten. Eine professionelle Vermögensverwaltung sollte auf diese Frage eine gute Antwort haben.

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