Börse ist keine Einbahnstraße. Wann es turbulent wird, kann leider niemand genau vorhersagen. Wohl aber, wie Sie dann auf Kurs bleiben können.

Genau zehn Jahre ist der letzte große Börsencrash nun her. Am 15. September 2008 musste die US-Investmentbank Lehman Brothers Insolvenz anmelden und riss die Kurse an den Weltbörsen mit runter. Vom Dezember 2007 bis Dezember 2008 fiel der DAX von rund 8.000 auf etwa 4.800 Punkte, ein Minus von satten 40 %. An den anderen Aktienbörsen sah es nicht anders aus – das möchte keiner mit seinem Geld erleben, und doch erlebten es fast alle Börsenteilnehmer.

Ein Crash fühlt sich schrecklich an

Falls Sie damals noch nicht an der Börse aktiv waren, fragen Sie sich womöglich, wie es sich anfühlt, wenn man mit seinem Geld einen Crash erlebt. Die simple Antwort ist: Schrecklich! Sie sehen die Kurse fallen, und denken vielleicht „ob ich jetzt nicht lieber aussteige?“. Kaum haben Sie das gedacht, fallen die Kurse weiter und Sie denken sich „oh nein, zu einem solch niedrigen Preis nun auch wieder nicht!“. Dann steigen die Kurse wieder ein wenig, und Sie denken „ach, war wohl doch nicht so schlimm“. Kaum haben Sie das gedacht, sackt das Börsenbarometer noch weiter ab, und so weiter. Sie sind völlig machtlos, die Börsenkurse flattern und Sie stehen ratlos daneben.

Eine normale Reaktion ist, wutentbrannt seine Beraterin oder seinen Berater anzurufen, warum sie oder er Sie nicht im Vorhinein hätte warnen können. „Wozu sind das denn Experten?“, werden Sie sich fragen. Leider trifft Ihre Wut in dem Fall den Falschen, denn keiner auf der Welt kann einen Börsencrash mit Sicherheit vorhersehen. Auf einmal ist er da!

„An der Börse wird nicht geklingelt“

Die Lage mag schon lange angespannt gewesen sein, vielleicht waren die Aktien im Schnitt längst viel zu teuer. Dann passiert irgend etwas Unvorhersehbares (Mr. Trump twittert, Irre fliegen in die Twin Towers…), und Panik bricht aus. Wenn an den Börsen erst einmal Panik ausbricht, kommt es zu Übertreibungen. Jeder will unbedingt verkaufen, und durch die vielen Verkaufs-Orders fallen die Kurse weiter – schließlich bestimmten Angebot und Nachfrage die Börsenkurse. Das führt zu Kettenreaktionen, die sich im Nachhinein meist als übertrieben erweisen.

„An der Börse wird nicht geklingelt“, lautet eine Börsenweisheit, und leider ist sie nur zu wahr. Keiner klingelt zum Ausstieg, kurz bevor es abwärts geht, und keiner sagt ein Sterbenswörtchen, wenn der optimale Einstiegs-Zeitpunkt ist. Profis und Experten werden meistens genauso überrascht wie Sie und ich, sonst würde schließlich kein Fondsmanager, kein Manager eines Pensionsfonds oder einer Lebensversicherung Verluste an der Börse erleiden. Sie tun es aber!

Natürlich gibt es immer Experten, die im Nachhinein sagen, dass sie den Crash präzise vorausgesagt hätten. Aber das ist wie beim Roulette spielen: Wenn Sie immer auf Schwarz setzen und die Kugel dann irgendwann tatsächlich ins schwarze Feld läuft, sind sie noch lange keine Hellseherin! Es gibt Dauer-Pessimisten an der Börse. Und jedes Mal, wenn es einen Crash gibt, können sie sich in dem Gefühl sonnen, Recht gehabt zu haben.

Lösung 1: Regelmäßig Geld anlegen

Wenn ein Crash quasi immer passieren kann, wie sollen wir uns dann am besten positionieren? Tipps wie „Ruhe bewahren, cool bleiben“ sind schnell getippt, aber in der Praxis ist es schwierig, sie zu beherzigen.

Also versuchen wir es mit automatisiertem Verhalten: Wenn wir ohnehin nicht sicher vorhersagen können, wohin sich die Börsen kurzfristig bewegen, dann ist es gut, einfach jeden Monat eine kleine Summe zu investieren. Auf diese Weise reduzieren Sie die Wahrscheinlichkeit, dass Sie eine große Summe zur Unzeit anlegen. Solche monatlichen Investments sind mit einem ETF- oder Fondssparplan leicht zu bewerkstelligen, und die meisten von uns erhalten schließlich auch monatlich ein Gehalt, aus dem wir einen Teil für Investments abzwacken können.

Wenn Sie aber eine größere Summe auf einmal erhalten und diese anlegen wollen, können Sie das Investment auf mehrere Etappen aufteilen, z.B. auf vier Quartale. Wenn dann nach dem ersten Quartal ein Crash kommen sollte, haben Sie noch Pulver trocken, um weiter zu investieren und zu niedrigeren Kursen nachzukaufen.

Lösung 2: Nach starken Rückgängen billig nachkaufen

Ganz Mutige gehen sogar noch einen Schritt weiter. Nach einem Crash, wenn die Kurse also tüchtig gefallen sind, kaufen sie zu den dann vorherrschenden niedrigen Kursen nach. Das ist gefühlsmäßig nicht leicht, denn zu Crash-Zeiten wird in allen Medien über den Crash und die Gründe des Crashs berichtet. Ausgerechnet dann den Mut zu haben, zu investieren, erfordert eine gewisse Kühnheit. Die Börse hat hier den markigen Spruch „Man soll kaufen, wenn die Kanonen donnern.“

Doch Ihre Kühnheit wird belohnt, denn bisher ist es so, dass auf jeden Börsencrash eine wunderbare Erholungsphase folgte. Das dürfte auch zukünftig so sein!

Wann ist aber der beste Zeitpunkt zum Einstieg? Leider kann auch hier niemand sagen, wann der Crash vorbei ist. Der Crash von 2000 bis 2003 ging über drei Jahre, der Crash nach der Lehman-Pleite war schon nach einem Jahr vorbei. Also auch hier wieder: Schritt für Schritt einsteigen und nachkaufen. Und falls die Talsohle doch noch nicht erreicht war? Dann freuen Sie sich, wenn die Sonderangebots-Kurse an der Börse noch günstiger werden – gute Qualität des Investments immer vorausgesetzt.

Und noch etwas für die Statistik-Freaks unter uns: Größere Börsencrashs werden als „Jahrhundert-Ereignis“ bezeichnet. In diesem Jahrhundert hatten wir schon zwei davon: Den Crash 2000-2003 und den von 2008. Wer weiß, ob das nicht eine gute Voraussetzung für die Börsenentwicklung für den Rest des Jahrhunderts ist?

HerMoney-Tipp:

Aus Angst vor einem Crash gar nicht erst investieren? Bitte nicht! Genauso wenig sollten Sie davon träumen, dass irgendwer Sie rechtzeitig vor einem Crash an den Börsenausstieg erinnern könnte. Wer in Aktien investiert, muss damit rechnen, dass diese auch fallen können. Und dann heißt es, einen kühlen Kopf zu bewahren! Garantien gibt es nicht. Langfristig hat sich der DAX trotz aller Crashs in der Vergangenheit im Schnitt mit etwa 8 % pro Jahr entwickelt – nicht schlecht, oder?

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