Neu an der Börse? Um starten zu können, müssen Sie ein Depot eröffnen. Aber wo? HerMoney sagt, worauf Sie achten sollten.

Der Weg zur ersten Order hat so seine Tücken, das hat herMoney-Autorin Miriam Binner im Selbstversuch gemerkt. Schon bei den Vorbereitungen tauchen oft erste Fragezeichen auf. Ein Girokonto haben Sie, und vielleicht parken Sie noch Geld auf einem Tagesgeldkonto. Aber ein Depot? Ein Depot ist die Verwahrstelle für Wertpapiere – ohne können Sie keine Wertpapiere handeln. Sie können es bei jeder Bank eröffnen, bei Ihrer Hausbank wahrscheinlich auch. Allerdings ist Depot nicht gleich Depot: Die Angebote der Banken unterscheiden sich deutlich – in Bezug auf Gebühren, angebotene Produkte, Handelsplätze oder Handelszeiten. „Es gibt keinen Königsweg“, sagt Thomas Hönscheid, Betreiber eines Portals für den Depotvergleich. „Wer die Vorteile nutzen will, sollten darauf achten, dass das Depot zu der Anlagestrategie passt.“ herMoney hat mit dem Depot-Experten eine Checkliste erstellt:

1. Welche Strategie möchten Sie umsetzen?

Einmalanlage oder Sparplan? Kaufen und liegenlassen – oder möchten Sie kurzfristig auf Kursveränderungen spekulieren und ergo häufig Positionen kaufen oder verkaufen? Exotische Einzelwerte oder Standardpapiere? „Nicht jedes Depot eignet sich für jede Strategie, weil sich Leistungsumfang und Gebührenmodelle stark voneinander unterscheiden“, sagt Hönscheid. Also vor der Depoteröffnung überlegen, was und wie Sie handeln möchten. Wenn Sie unterschiedliche Strategien verfolgen wollen, macht es unter Umständen sogar Sinn, mehrere Depots zu eröffnen. Depot-Checker Hönscheid etwa hat gleich sechs Depots bei unterschiedlichen Banken. Zum einen für den Praxistest. Zum anderen aber auch, „um die jeweiligen Vorteile der Angebote gezielt zu nutzen.“

2. Hausbank oder Broker?

Einsteiger tendieren dazu, ein Depot bei der Hausbank zu eröffnen, weiß Hönscheid. Das sei naheliegend, aber nicht immer erste Wahl. „Zum einen berechnen viele Hausbanken eine jährliche Depotgebühr, deren Höhe sich nach dem Depotvolumen richtet“, so Hönscheid. Heißt: Je mehr Geld Sie investieren und je stärker die Kurse steigen, desto mehr kassiert die Bank. Zum anderen haben spezialisierte Broker oft ein umfassenderes Leistungsangebot.

3. Depotgebühren vergleichen

Kosten fressen Rendite – und bei den Depots haben sich die Banken sehr unterschiedliche Preismodelle ausgedacht. Die schlechteste Variante: Sie müssen jährlich einen bestimmten Prozentsatz des Depotvolumens zahlen. Ob Sparplan oder Einmalanlage: Steigen die Kurse an der Börse, steigen automatisch auch Ihre Gebühren. „Es gibt zahlreiche Broker, die keine Depotgebühren verlangen“, weiß Hönscheid. Andere Anbieter wiederum halten erst die Hand auf, wenn Sie inaktiv sind, das heißt, nicht einmal im Monat oder Quartal Wertpapiere handeln. Wenn Sie planen, per Sparplan Vermögen aufzubauen, betrifft Sie das nicht – durch die regelmäßige Order sind Sie „aktiv“ und damit automatisch von der Gebühr befreit. Planen Sie dagegen, einmalig eine bestimmte Summe zu investieren – etwa aus einem Erbe oder Immobilienverkauf – werden Sie bei diesen Modellen monatlich zur Kasse gebeten.

 4. Versteckte Kosten vermeiden

„Vergleicht man nur die Ordergebühr, sehen einige Anbieter auf den ersten Blick günstig aus“, warnt Hönscheid. „Bei  bestimmten Transaktionen aber werden Anleger dann zur Kasse gebeten.“ Flatex beispielsweise kassiert 5,90 Euro bei Dividendenausschüttungen ausländischer Unternehmen. Haben Sie also viele Einzelaktien von Apple und Co. im Depot, kann es teuer werden. Andere Banken verlangen „handelsplatzabhängige Gebühren“ oder eine Gebühr für die Eintragung von Namensaktien. Deshalb: auf das Kleingedruckte achten.

5. Am besten ohne Ordergebühr

Neben der Depotgebühr zahlen Sie eine Ordergebühr (auch Transaktionsgebühr), wenn Sie Wertpapiere kaufen oder verkaufen. Auch hier gibt es sehr unterschiedliche Preismodelle – und nicht jedes rechnet sich für jede Strategie. Planen Sie beispielsweise, hohe Volumina zu handeln, ist ein volumenunabhängiger Festpreis erste Wahl. Anders sieht es aus, wenn Sie etwa per ETF-Sparplan regelmäßig kleine Summen investieren möchten. Bei dieser Strategie schmälern Festpreise die Rendite erheblich. „Dann ist ein Broker erste Wahl, der ein breites Angebot an ETFs bietet, die ganz ohne Ordergebühren angespart werden können“, so Hönscheid. Flatex etwa bietet 300 von 700 ETFs im Sparplan kostenlos an. ETFs ohne Handelsbebühr gibt es auch bei Brokern wie comdirect – hier stehen 80 Top-Preis-ETFs auf alle wichtigen Indizes zur Wahl. „Anleger sollten aber auch auf die Stabilität der Angebote achten“, rät Hönscheid. Zwar können Sie problemlos umswitschen – also einen Sparplan stoppen und einen neuen beginnen, wenn das Angebot an kostenfrei handelbaren ETFs wechselt. „Aber dann haben Sie zwei Positionen im Depot und zahlen bei Verkauf eine doppelte Gebühr.“

6. Produktpalette und Handelszeiten

Sind Sie Börsenneuling, spielt das Angebot und auch die Handelszeit wahrscheinlich eine untergeordnete Rolle: Standardprodukte wie Fondsklassiker oder ETFs auf die wichtigsten Indizes sind bei allen Anbietern zu haben. Wichtig wird die Auswahl aber dann, wenn Sie spezielle Strategien verfolgen. Einzelaktien etwa können Sie nicht bei jeder Bank per Sparplan ansparen. Und auch das Angebot an ausländischen Aktien, Handelplätzen und Handelszeiten variiert.

7. Übersicht und Service

Finden Sie sich auf der Website eines Brokers zurecht? Werden alle benötigten Informationen geboten und sind die Tools für Sie verständlich? Gucken Sie sich unterschiedliche Websites an und prüfen Sie die Benutzerführung. Auch Qualität und Erreichbarkeit des Services kann ein wichtiges Kriterium sein. Antworten auf Ihre Fragen erhalten Sie bei vielen Banken nur während der Handelszeiten, bei manchen Anbietern dagegen sieben Tage die Woche rund um die Uhr.

herMoney-Tipp:

Keep it simple. Wenn Sie per Sparplan Vermögen aufbauen möchten, gilt: Wählen Sie anbieter, die ETF-Sparpläne ohne Handelsgebühren ausführen. Bei Einmalanlage sollten Sie vor allem die Depotgebühren beachten!

Thomas Hönscheid - Depot vergleichen

Thomas Hönscheid betreibt die Webseite DEPOT-VERGLEICHEN.de, Neben einem detaillierten Vergleich der Depot-Angebote veröffentlicht erdort auch Erfahrungsberichte. Hönscheid ist gelernter Bankkaufmann und hat nach einem Studium der BWL mehr als zehn Jahre in der Finanzbranche in unterschiedlichen Positionen gearbeitet – zuletzt für den Onlinebroker OnVista Bank.

 

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