Damit Sie nicht die Katze im Sack kaufen, sollten Sie ein paar Aktienkennzahlen kennen. herMoney stellt sie in einer Serie vor.

Aktien sind keine abstrakten Wertpapiere, sondern Beteiligungen an einem Unternehmen. Aber ist Ihr Anteil seinen Preis auch wert? Profis nehmen Unternehmen und deren Bewertung an der Börse gründlich unter die Lupe, bevor sie investieren. Damit loten sie Renditechancen aus. Klar, die Profis nutzen komplexe Modelle, dafür fehlt Laien das Handwerkszeug. Damit Ihr Aktienkauf aber nicht zum Lotterielos wird, sollten Sie die wichtigsten Kennzahlen verstehen und bewerten können. herMoney stellt Ihnen die Kennzahlen in loser Folge vor. Teil 1: Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV).

Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV)

Im Einstieg liegt der Gewinn – beim Einkauf wissen Sie das. Im Supermarkt greifen Sie vielleicht nach Sonderangeboten und in der Boutique freuen Sie sich über Schnäppchen. Auch als Aktionärin haben Sie die besten Renditechancen, wenn Sie wenig Geld für Ihre Unternehmensbeteiligung bezahlen. Wann aber ist eine Aktie tatsächlich günstig? Anders als im Supermarkt fehlt ein Vergleich. Erschwerend kommt hinzu, dass sich die Kurse an der Börse permanent nach oben oder unten bewegen. Denn der Kurs einer Aktie steigt, wenn die Nachfrage steigt, sich also viele Investoren an einem Unternehmen beteiligen möchten. Die Mehrheit der Investoren ist dann also optimistisch, dass sich eine Beteiligung an dem Unternehmen rechnet. Und wer schon Aktien des Unternehmens hält, verkauft sie nur zu einem höheren Preis! Genauso wird die Aktie „billiger“, wenn die Mehrheit der Investoren dem Unternehmen keine positive Entwicklung zutraut. Sie wollen ihre Aktien dann verkaufen, aber Käufer finden sich nur zu einem niedrigeren Preis, so dass der Kurs fällt.  Was aber ist ein „guter“ Preis? Ist die Aktie ihren Preis wirklich auch wert? Oder ist sie überteuert und damit anfällig für Kursverluste?

Eine Indikation gibt die Mutter aller Kennzahlen, das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV). Das KGV setzt den Preis einer Aktie ins Verhältnis zum Gewinn pro Aktie. Der Gewinn pro Aktie ergibt sich, indem man den Gewinn des Unternehmens durch die Anzahl der ausgegebenen Aktien teilt. Ein Beispiel: Eine Aktie kostet 100 Euro und der erwartete Gewinn je Aktie beträgt 6 Euro. Das KGV liegt dann bei 16,6 (100 geteilt durch 6). Steigt der Kurs der Aktie auf 120, erhöht sich das KGV auf 20 (120 geteilt durch 6) – die Aktie ist also teurer geworden!

Der Haken der Kennzahl: Sie wird mit dem erwarteten Gewinn gerechnet, basiert also auf Prognosen. Deshalb steht hinter dem KGV auch oft eine Zahl, die angibt, auf welchen Zeitraum sich die Prognose bezieht. In der Regel wird das KGV auf Basis der Gewinnprognosen für das laufende Jahr ermittelt. Ein 2018er KGV (auch KGV 18) von 16 heißt. Die Aktie kostet das 16-fache ihres Anteils am Unternehmensgewinn. Oder anders ausgedrückt: Treffen die Prognosen zu, haben Sie bei gleich bleibendem Gewinn den Kaufpreis in 16 Jahren wieder raus!

Nie isoliert betrachten

Das KGV sollten Sie nie isoliert betrachten – die Kennzahl lebt vielmehr vom Vergleich. Zum einen gibt es regionale Unterschiede: Deutsche Aktien wurden im Schnitt der vergangenen 15 Jahre mit einem KGV von 11,9 gehandelt, US-Aktien und japanische Aktien dagegen waren im Schnitt teurer (14,5 bzw. 15,0). Wichtiger als die schiere Zahl ist es also, wie sich das KGV einer Aktie im Vergleich zu der eigenen Historie und im Vergleich zu Unternehmen der gleichen Branche entwickelt – und auch die ökonomischen Rahmenbedingungen zu beachten. Aktuell werden deutsche und US-Aktien – gemessen am DAX und Dow Jones – zum 15- bzw. 23-fachen des erwarteten Gewinns gehandelt, sind also im Vergleich zum langjährigen Schnitt teuer. Ein Grund, die Finger von Aktien zu lassen? Nein, meinen Ökonomen. Denn Aktien sind aktuell besonders gefragt, weil es keine Zinsen und damit keine attraktiven Anlagealternativen gibt.

Wie aber können Sie die Kennzahl nutzen? Vergleichen Sie das KGV von Unternehmen einer Branche: Sind die Unternehmen ähnlich aufgestellt, bietet das Günstigere vielleicht mehr Potenzial und ist vorzuziehen. Achten Sie auch daauf, ob das KGV eines Unternehmens vom einen aufs andere Jahr stark nach oben oder unten zieht. Wenn das der Fall ist, ist es ratsam, die Ursache zu checken. Rein rechnerisch steigt die Kennzahl, wenn der Kurs bei gleichbleibendem Gewinn anzieht. Aber auch, wenn der Gewinn bei gleich bleibendem Kurs einbricht.

herMoney-Tipp

Sie müssen genau hinschauen, wenn Sie an der Börse günstig einkaufen möchten!  Steigt der Kurs – und damit das KGV – , weil die Aussichten auf Gewinn sich verbessert haben? Oder haben einmalige Restrukturierungskosten den Gewinn reduziert? Vielleicht sind aber auch die laufenden Kosten explodiert – dann sollten Sie die Finger von dem Papier lassen!

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