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Vantik kommt im fluffigen Look & Feel daher und verspricht: „Moderne Altersvorsorge ohne Kompromisse“. Wie ist das zu bewerten?

Insbesondere junge Menschen fühlen sich angesprochen. Sie finden Vantiks Marktauftritt sympathisch. Für ein Start-up, das sich um das Thema Altersvorsorge kümmert, ist das bereits ein Erfolg. Den etablierten Banken und Versicherungen gelingt es nämlich nur selten, das Thema Altersvorsorge sympathisch daherkommen zu lassen.

Auf der anderen Seite dürfen wir nicht so naiv sein, alles mitzumachen, bloß weil „speziell für Frauen“, „gender-gerecht“ oder „ich bin so sympathisch“ draufsteht. Immerhin hatten auch sympathische Öko-Firmen wie der Holzpellet-Hersteller German Pellets und die Windkraftfirma Prokon ihren Anlegerinnen und Anlegern heftige Verluste beschert. Also auch hier: Augen auf, prüfen und bewerten, bevor Sie etwas abschließen. Das ist generell eine gute Maxime!

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Flexibel bleiben!

Der Anspruch, den Vantik an sein Altersvorsorge-Konzept stellt, ist hoch: „Die erste Altersvorsorge, die sich an dein Leben anpasst“ steht auf der Website. Das soll alles enthalten von „flexiblen Einzahlungen“ über „kostenlose Auszahlungen“ bis hin zu „geschützten Beiträgen“. Klingt fast zu schön, um wahr zu sein. Bevor wir mit der Vantik-Gründerin Lara Hämmerle sprechen, hier ein paar Basics zu dem Konzept, das Vantik anbietet.

Die Grundlage ist ein ETF-Dachfonds, also ein Fonds, der selbst in andere Fonds investiert. In diesem Fall in ETFs. Sowohl Aktien- als auch Renten-ETFs sind dabei. Der Aktienanteil dominiert mit ca. 60 %. Bei der ETF-Auswahl unterstützt das Frankfurter Consulting-Unternehmen Faros, den rechtlichen Rahmen bietet die luxemburgische Fondsgesellschaft Axxion. Das individuelle Fonds-Depot führt die Bank DAB BNP Paribas. Alles bekannte Marktteilnehmer. Die Gesamtkosten des Vantik-Fonds sind mit 1,18 % pro Jahr okay, aber auch nicht mini.

Die Zielrendite ist keine Garantie!

Der Fonds hat eine Zielrendite von 3 %. Das bedeutet, dass es sich hier nicht um eine Garantie handelt, die man einklagen könnte. Es bedeutet lediglich, dass sich das Fondsmanagement bemüht, im Schnitt auf eine Rendite von 3 % pro Jahr zu kommen. Das kann aber auch schiefgehen und dann können Sie als Anlegerin keine Ansprüche anmelden.

Andererseits gibt die fehlende „harte Garantie“ dem Management auch mehr Flexibilität bei der Kapitalanlage, so dass das Ergebnis besser ausfallen kann. Wir hatten darüber schon öfter geschrieben, dass „harte Garantien“ unflexibel machen und damit niedrige Renditen zementieren.

Spaschwein_Finanzen FrauenEinzahlen kann man in den Vantik-Fonds einmalig, aber auch regelmäßig. Und das bereits ab 1,00 Euro. So niedrige Sparplan-Summen werden sonst nicht angeboten. Meistens sind Sparpläne erst ab einer Rate von 25 Euro oder mehr pro Monat möglich. Wie bei Sparplänen üblich, gibt es auch bei Vantik keinen Zwang, über eine bestimmte Zeitspanne hinweg einzuzahlen. Sie bleiben also flexibel – das ist der große Vorteil bei der Fondsanlage, nicht nur bei Vantik. Auch dass man jederzeit an sein angespartes Geld kommt, ist bei Lebensversicherungsprodukten zwar nicht üblich, bei Fonds aber schon.

Was ist der Sicherheitspuffer zu bewerten?

Einen Ausgabe-Aufschlag, der sonst bis zu 5 % und sogar mehr betragen kann, gibt es beim Vantik-Fonds nicht. Aber es wird von jeder Einzahlung 1 % einbehalten, egal wie hoch oder gering sie ist. Dieses eine Prozent wird in einen sogenannten „Sicherheitspuffer“ gesteckt. Der fließt derzeit auf ein treuhänderisch verwaltetes Konto. Das wirft die eine oder andere Frage auf. Es soll demnächst in eine Stiftung umgewandelt werden.

Beim Rentenbeginn ist derzeit vorgesehen, dass die Anlegerin die Summe ihres bis dahin angesammelten Fondsvermögens ausgezahlt bekommt. Alternativ erhalten Sie auch monatlich einen Teil des Vermögens, bis der Topf leer ist. Leute, die eine lebenslange, gleichbleibende Rente möchten, müssen sich dann mit der ausgezahlten Summe etwas suchen, was dann wieder Abschlusskosten verursacht.

Derzeit sieht Vantik bei Renten-Eintritt nur eine Einmal-Auszahlung oder einen normalen Auszahlplan vor. Eine Einmal-Auszahlung ist okay. Ein Auszahlplan ist eine praktische Sache, wobei beides übliche Service-Dienstleistungen bei (fast) allen Fonds sind.

Der Sicherheitspuffer ist eine sinnvolle Erfindung von Vantik, er ist aber erklärungsbedürftig. Er stellt keine Garantie dar, sondern ist lediglich ein „Puffer“. Wenn nämlich das Fondsvermögen beim persönlichen Rentenbeginn niedriger sein sollte als die Summe der Einzahlungen, erhalten Sie etwas aus diesem Topf.

Ob der Inhalt des Topfes ausreicht, um die gesamte Differenz zu auszugleichen, ist bei langer Anlagedauer zwar wahrscheinlich, aber nicht sicher. Das erklärt Vantik auch gut nachvollziehbar auf der Firmen-Website. Der genaue Mechanismus, wer wann wieviel aus dem Topf erhält, wenn er nicht ausreicht, wird offensichtlich nicht dargestellt.

Außerdem muss der genaue Zeitpunkt feststehen, wann die Differenz auszugleichen ist. Daher müssen sich Kunden festlegen, wann sie in Rente gehen wollen. Oder zumindest, wann der Puffer-Mechanismus greifen soll. Das ist kein Fehler von Vantik, sondern so funktionieren alle Puffer-Mechanismen. Sie könnten auf der Vantik-Website etwas besser erklärt sein, was die Sache dann natürlich nicht mehr ganz so fluffig, sondern etwas komplex macht.

Leider sind Puffer-Mechanismen nun einmal komplex! Da aber viele Menschen Sicherheit für ihre Altersvorsorge wichtig finden, müssen sie in den sauren Apfel beißen und sich damit beschäftigen.

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Vantik inside

„Das Thema Altersvorsorge ist bei vielen negativ belastet“, sagt Lara Hämmerle, die das Unternehmen zusammen mit Til Klein gegründet hat. „Sie wissen zwar, dass sie etwas tun müssen, aber nicht, was genau.“ Mit dem smarten Konzept wollen die Macher vor allem jungen Leuten die Angst nehmen und sie dazu ermuntern, das Thema anzugehen. Daher betonen Hämmerle und Klein auch, dass Anleger und Anlegerinnen – wie bei jedem Fonds- oder ETF-Sparplan – jederzeit ohne Kosten wieder aussteigen können. „Das ist wichtig, damit die Leute sich trauen, das Thema anzugehen“, so Hämmerle.

Bei der Weiterentwicklung setzt sie auch auf die „Vantik-Community“. „Wir haben eine Facebook-Community, derzeit sind das rund 300 Leute, die uns helfen, das Produkt weiterzuentwickeln. Wir stellen ihnen Fragen. Und sie testen auch bestimmte Dinge für uns“, erklärt Hämmerle. Millennials sind eindeutig die Zielgruppe. Momentan liegt das Durchschnittsalter der Vantik-Kundschaft bei 29 Jahren.

herMoney-Bewertung:

Viele Wege führen bekanntlich nach Rom. Wer es easy mag, kann Vantik für die Altersvorsorge nutzen. Kleiner Kritikpunkt: Wer sich ein wenig in die Materie einarbeitet, bleibt mit einfachen ETF-Sparplänen gleichfalls flexibel und dürfte über lange Zeiträume eine höhere Rendite erzielen.

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