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Um Eltern zu entlasten, gibt der Staat Geld für die Zeit nach der Geburt. Womit Familien planen können, ist aber schwer zu ermitteln.

Formulare, Tabellen, Gehaltsabrechnungen und Steuerbescheide: Junge Familien müssen allerlei Papierkram erledigen, bevor der Bescheid über das Elterngeld bei ihnen ankommt. Wer den Antrag gestellt hat, hat zwar eine wichtige Hürde genommen. Aber viele Eltern erleben dann eine böse Überraschung. „Die größte Enttäuschung kommt für die meisten Eltern, wenn sie die tatsächliche Höhe des Elterngeldes erfahren“, sagt Finanzwirt Felix Böhme, der in Dresden eine Elterngeldberatung gegründet hat. Er rät deshalb, zurückhaltend zu planen. Denn: Die Methode für die Berechnung ist komplizierter als auf den ersten Blick zu erkennen.

Wann in das Thema einsteigen? Und wie vorbereiten? HerMoney gibt drei Tipps für die Planung:

Nr. 1: Beispiele durchrechnen

Wie viel Geld im Monat ankommt, hängt vom sogenannten Elterngeld-Netto ab. Die Grundidee: Die finanzielle Unterstützung vom Staat soll das verfügbare Einkommen ersetzen, das nach der Geburt fehlt. Um auf den genauen Betrag zu kommen, betrachtet die Elterngeldstelle das Brutto-Einkommen, zieht bei Angestellten den Arbeitnehmer-Pauschbetrag von 1.000 Euro ab und teilt den Betrag durch 12. Von diesem Monatsdurchschnitt werden pauschal Steuern und Sozialabgaben abgezogen, um auf das Elterngeld-Netto zu kommen. Für Selbständige gelten spezielle Regeln.

Die Höhe des Elterngeldes ermittelt sich nach verschiedenen Prozentsätzen. Geringverdiener erhalten 100 Prozent ihres durchschnittlich verfügbaren Einkommens vor der Geburt, Eltern mit höheren Einkommen 65 Prozent. Mindestens fließen 300 Euro im Monat, etwa für Studierende oder für Personen, die im Haushalt arbeiten und deshalb kein Einkommen erwirtschaften. Maximal gibt es 1.800 Euro.

Eine erste Einschätzung über den persönlichen Elterngeld-Anspruch liefert zum Beispiel der Elterngeldrechner des Bundesfamilienministeriums, auch viele Elterngeldstellen bieten auf ihren Webseiten Beispielrechnungen an. Die Ergebnisse dienen jedoch ausschließlich zur Information und sind zum Teil stark vereinfacht.

Nr. 2: Langfristig planen  

Um realistisch zu kalkulieren, sollten Eltern laut Berater Felix Böhme prüfen, welche 12 Monate als Vergleichszeitraum für das Elterngeld-Netto zählen. „Viele denken, sie bekommen auf jeden Fall 65 Prozent ihres früheren Einkommens. Aber die entscheidende Frage ist, welcher Zeitraum für die Berechnung betrachtet wird“, so Böhme.

Stichtag ist grundsätzlich der Geburtstag des Kindes. Ab diesem Tag rechnet die Elterngeldstelle 12 Monate zurück, um ein Vergleichseinkommen zu ermitteln. Der Haken: Gerechnet werden nur die Monate, in denen ein Einkommen erwirtschaftet wurde – und die liegen mitunter weit in der Vergangenheit. Zum Beispiel dann, wenn Sie zwischenzeitlich Mutterschafts- oder Elterngeld für Geschwister bekommen haben oder wegen Krankheit nicht erwerbstätig waren. Dann geht das vorher erzielte Monatseinkommen mit in die Berechnung ein. Möglich, dass das Elterngeld bei jungen Familien dann niedriger ausfällt, als gedacht – etwa weil in den ersten Monaten des Vergleichszeitraums nur ein Einstiegsgehalt floss oder nur der studentische Nebenjob zählt

Wer gerade erst in die Familienplanung startet, kann Einfluss nehmen auf den Vergleichszeitraum – und so möglicherweise mehr herausholen.

Nr. 3: Zahlen optimieren 

Planen Sie frühzeitig – direkt zu Beginn der Schwangerschaft bietet sich noch Spielraum, um das Elterngeld zu erhöhen. Stellschraube ist das Einkommen als Basis für die Berechnung. Es erhöht sich beispielsweise, wenn der Arbeitgeber Einmalzahlungen wie Weihnachtsgeld, Boni oder Prämien in laufende Einkünfte umwandelt. Über die Möglichkeiten weiß der Chef oder die Personalabteilung Bescheid – fragen Sie am besten einfach mal nach! Auch eine steuerfreie Arbeitgeberbeteiligung für die Altersvorsorge kann als Arbeitsentgelt einen positiven Effekt auf das Elterngeld haben.

Steuerklassen prüfen

Ehepaare sollen zudem frühzeitig ihre Steuerklassen prüfen, um die optimale Kombination für ein möglichst hohes Elterngeld zu wählen. „Wer in der Steuerklasse Fünf Elterngeld beantragt, ist in einer ungünstigen Situation. Das gilt es zu vermeiden“, sagt Erich Nöll, Geschäftsführer des Bundesverbands der Lohnsteuerhilfevereine (BVL). Das heißt für Paare mit deutlichem Gehaltsunterschied: Der Elternteil, der nach der Geburt überwiegend die Betreuung des Kindes übernehmen wird, sollte schnellstmöglich in Klasse Drei wechseln. So erhöht sich das Nettoeinkommen und damit das Elterngeld – der negative Steuereffekt lässt sich mit der Steuererklärung in der Regel wieder ausgleichen.

Fristen beachten!

Um die Optimierungsmöglichkeit nutzen zu können, muss die Mutter spätestens sieben Monate vor Beginn des Mutterschutzes in Steuerklasse Drei wechseln, der Vater hat dafür Zeit bis sieben Monate vor der Geburt. Jeweils bis zum 30. November ist die Änderung beim Finanzamt möglich. „Eine solche Optimierung ist legal, birgt aber ein gewisses Risiko“, sagt Nöll. „Problematisch wird es zum Beispiel, wenn der Ehepartner, der dann in der Steuerklasse Fünf ist, unerwartet arbeitslos oder krank wird.“ Weniger riskant sei der Wechsel in Steuerklasse Vier oder Vier mit Faktor, wobei dann auch der Vorteil etwas geringer ausfalle.

herMoney-Tipp:

Handeln Sie frühzeitig – mit etwas Vorlaufzeit und guter Vorbereitung ersparen Sie sich nicht nur Stress, sondern können auch aktiv Einfluss auf die Höhe des Elterngeldes nehmen. Beispielrechnungen helfen, sich ein realistisches Bild zu machen. Einen ersten Überblick über die Regeln gibt das Bundesfamilienministerium auf einer Infoseite mit Fragen und Antworten. Bei Schwierigkeiten hilft die für Ihren Wohnort zuständige Elterngeldstelle weiter. Auch einige private Beratungsfirmen haben sich auf das Thema spezialisiert  – achten Sie hier auf faire, seriöse Bedingungen.

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