Ann-Sophie Claus und Sinja Stadelmaier gründeten das Startup The Female Company und sind im Bio-Tampon-Business unterwegs.

Es weht ein neuer Gründerinnen-Geist. Das zeigt nicht nur die TV-Sendung Höhle der Löwen, sondern junge Gründerinnen rücken allerorten in den Fokus. Noch ist der Frauen-Anteil unter den Start-ups relativ niedrig, umso mehr interessiert man sich für sie. Wir stellen Ihnen die beiden Gründerinnen Ann-Sophie Claus und Sinja Stadelmaier im Interview vor. Sie stellen Frauen-Produkte für Frauen her: Bio-Tampons.

Mal ehrlich: Wusstet Ihr schon immer – schon als Schülerinnen – dass Ihr Euch selbständig machen wollt?
Ann-Sophie: Damals wollte ich wahrscheinlich noch Tierärztin werden… Aber ja, worauf du hinaus willst: Meine Eltern sind beide selbstständig (Musiker) und haben mich dazu erzogen, meine Träume eigenständig in die Hand zu nehmen und zu verwirklichen – auch wenn’s manchmal der schwierigere Weg ist. Das hat sicherlich auf dem Berufsweg Auswirkungen gehabt.

Wie alt wart Ihr, als Ihr Euch selbständig gemacht habt?
Anni: Ich war 25 Jahre alt, und Sinja 24 Jahre.

Wie kamt Ihr auf die Idee, Euch mit Bio-Tampons selbständig zu machen?
Sinja: Die Motivation ist beim Reisen entstanden. In Indien haben wir zum ersten Mal gemerkt, welche gesellschaftlichen Auswirkungen das Tabu Periode haben kann und auch in Deutschland haben wir beobachtet, wie Frauen immer noch mit der „Tamponfaust“ zum Klo schleichen. Die Grundidee war also, das Tabu durch freche Designs und laute Kommunikation zu brechen. Das Produkt sollte gleichzeitig nachhaltig und transparent – daher Bio – sein und mit einem praktischen Service (Abo) verbunden sein.

Was waren die Reaktionen aus dem Umfeld?
Anni: Stell dir vor, du erzählst deinem Vater, dass du ab jetzt Tampons verkaufen möchtest und er doch etwas ins Stammkapital einzahlen soll… Aber letztendlich haben sich alle von unserer Begeisterung anstecken lassen. Die ersten Wettbewerbe, die wir mitgemacht haben, haben wir alle gewonnen und das hat uns weiter in unserer Motivation gestärkt. Freunde und Familie sind jetzt die besten Unterstützer, die wir uns nur wünschen könnten.

Welche Art Unterstützung ist dabei die wichtigste? Geld? Als Kunde und „Weitererzähler“ zu fungieren? Weitere Ideen und Anregungen zu geben? Euch zu motivieren?
Anni: Die finanzielle Unterstützung war für die GmbH-Gründung natürlich super wichtig. Aber sonst ist das füreinander Dasein das, was uns stets die Kraft gibt weiterzumachen. Unsere Partner unterstützen uns dabei mindestens genauso und ich denke, das ist eine tolle Grundlage.

Gab es Hindernisse auf Grund der Tatsache, dass Ihr Frauen seid?
Sinja: Im Gegenteil: Unser Produkt in Kombination mit unserem Auftreten stach auf jeder Bühne heraus. Da es so wenige Female Founders gibt (leider!), fällt man umso mehr auf. Ich bin auch fest davon überzeugt, dass einige „typisch weibliche“ Skills super vorteilhaft in Führungspositionen sind.

Welche zum Beispiel?
Sinja: Hohe Empathie. Kommunikationsfähigkeit besonders was Kundenbeziehungen und Investorenbeziehungen angeht! In unserem Fall natürlich auch das natürliche KnowHow über unser Genre und Produkt und die Zielgruppe.

Wie habt Ihr Euer Startup finanziert?
Anni: Aus eigener Tasche und mit der Unterstützung aus dem Bekanntenkreis.

Wieviel Kapital war denn am Anfang notwendig? Und wie lange hat es gedauert, bis Ihr als Gründerinnen Euch ein Gehalt zahlen und davon leben konntet?
Anni: Den Zeitpunkt fürs Gehalt bestimmen wir als Gründerinnen ja selbst. Uns war von Anfang an klar, dass uns wichtig ist, zu wachsen. Und das geht nur durch die Anstellung von Mitarbeitern. Um das zu erfüllen, haben wir einige Zeit auf eigenes großes Gehalt verzichtet. 25.000 Euro Stammkapital waren notwendig und noch zwei kleine Darlehen über mehrere Tausend Euro.

Es heißt, dass Gründerinnen mehr Schwierigkeiten als Gründer haben, Kapital für ihr Startup zu bekommen. Habt Ihr ähnliche Erfahrungen gemacht?
Sinja: Wir befinden uns ja noch in der ersten Finanzierungsrunde und waren bisher komplett Bootstrapped unterwegs. Ist also noch zu früh, etwas dazu zu sagen…

Könnt Ihr das Wort „Bootstrapped“ für unsere Leserinnen erklären?
Sinja: Selbstfinanziert.

Okay. Hat denn der Banker Eures Vertrauens gesagt „Aha, Sie wollen also Tampons verkaufen. Da möchte ich gern Ihre Kreditlinie auf 200.000 € erhöhen!“
Anni: Durch die Umsatzzahlen ließ er sich eher überzeugen 😉 Ist sicherlich Arbeit.

Wie lief das mit Eurer Crowd Funding Kampagne?
Anni: Primär haben wir diese gemacht, um den Wettbewerb um einen Regalplatz im dm drogerie-markt zu nutzen. Und das lief super, da wir gewonnen haben. Gleichzeitig hatte es den Vorteil, dass die Kundinnen noch enger mit uns zusammenarbeiten und mitentscheiden als davor.

Wieviel habt Ihr denn mit der Crowd Funding-Kampagne reingeholt, und wie lange hat es gedauert?
Anni: 40.000 Euro in 1,5 Monaten.

Ihr habt vor kurzem einen weiteren Start-Up Preis gewonnen. Um was ging es da genau?
Sinja: Welchen meinst du?

Na, dann mal raus mit der Sprache… welche wichtigen Preise für die Start-up-Szene habt Ihr denn gewonnen?
Sinja: 1. Preis beim Startup Weekend powered by Google for Entrepreneurs. Dann den 1. Preis beim Burda Startup DaynNight Wettbewerb, und den Crowdfunding-Wettbewerb dmSTART! – Regalplatz bei dm Drogerie-Markt.

Glückwunsch! Was ratet Ihr anderen Frauen, die sich selbständig machen wollen?
Anni: Sucht euch jemanden, der Erfahrung in dem Bereich hat (Mentor o.ä.) und legt los! Wenn ihr mit den vielen Ideen in eurem Kopf nicht rausgeht und es versucht, werdet ihr nie wissen, ob die Idee gut ist. Nicht zweifeln – einfach machen!

Vielen Dank für das erfrischende Interview!

 

The Female CompanyJung-Unternehmerinnen Ann-Sophie Claus und Sinja Stadelmaier. Sie sind die Gründerinnen von The Female Company.

(c) Linda Ambrosius

 

 

 

 

 

 

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