Im kommenden Jahr tritt das Betriebsrenten-stärkungsgesetz in Kraft. Wer hat was zu erwarten?

Wer denkt, eine Betriebsrente sei bloß etwas für Topmanager, der hinkt hinterher. Im kommenden Jahr tut sich etwas, das gerade für Frauen in Teilzeit und schlechtbezahlten Jobs interessant werden könnte. Denn die alte Regierung unter Federführung von Ex-Arbeitsministerin Andrea Nahles hat auf den letzten Drücker noch eine neue geförderte Betriebsrente durchgesetzt. Die sogenannte „Nahles-Rente“ (offiziell Zielrente genannt) nimmt speziell die Gruppe der Geringverdiener ins Visier. Ab 2018 unterstützt sie der Staat beim Vorsorgesparen über den Arbeitgeber.

Grund für die Initiative: Wenn die Babyboomer, also diejenigen, die in den 1960er-Jahren geboren sind, in Rente gehen, droht das gesetzliche Rentensystem in Schieflage zu geraten. Die schwarz-rote Koalition konnte sich allerdings nicht auf eine umfassende Reform der Gesetzlichen Rentenversicherung (GRV) verständigen. Stattdessen hat sie mit dem Betriebsrentenstärkungsgesetz (BRSG) die betriebliche Altersversorgung (bAV) reformiert. Vor allem die rund 12 bis 13 Millionen Menschen, die heute noch über keine Aussicht (im Fachjargon: Anwartschaft) auf eine Betriebsrenten verfügen, sollen zur Vorsorge animiert werden, darunter viele Geringverdiener. Laut Bundesfinanzministerium haben mehr als 40 Prozent der Beschäftigten mit einem Einkommen unterhalb von 1.500 Euro im Monat weder eine Betriebs- noch eine Riester-Rente.

Zwei Bedingungen müssen erfüllt sein:

Mehr als ein paar Hundert Euro zusätzlich ist aus der Betriebsrente meist nicht zu erwarten. Das wird sich auch durch das verheißungsvoll klingende BRSG kaum ändern. Aber: Erstens ist angesichts der Zinsflaute alles besser als nix und zweitens wird die neue Rente vom Staat bezuschusst, wenn bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind. Und drittens ist sie ein echtes Zubrot. Echtes Zubrot meint, dass bis zu 202 Euro der späteren Betriebsrente nicht mit der Grundsicherung verrechnet werden dürfen. Der Freibetrag entspricht dem halben Sozialhilfesatz in der Regelbedarfsstufe 1. Damit wird sichergestellt, dass das Geld, das jemand zusätzlich anspart, später nicht von der Grundsicherung kassiert wird. Hier ist also speziell für Geringverdiener ein Anreiz geschaffen worden. Denn bisher „rächt“ sich zusätzliche Vorsorge, wenn man im Alter in die Grundsicherung rutscht.

 

 

  1. Voraussetzung: Geringverdiener

Als Geringverdiener gelten im BRSG alle Arbeitnehmer, die nicht mehr als 2.200 Euro brutto im Monat (maximal 26.400 Euro pro Jahr) verdienen und zwar im ersten Dienstverhältnis, also nicht im Nebenjob.

  1. Voraussetzung: Arbeitgeberbeitrag

Beteiligt sich der Arbeitgeber an der bAV des Mitarbeiters, legt der Staat ebenfalls einen kleinen Betrag dazu. Voraussetzung ist, dass der Arbeitgeber mindestens 240 Euro (höchstens 480 Euro) pro Jahr zum bAV-Beitrag beisteuert. Dann gibt es vom Staat 72 bis 144 Euro (30 Prozent) Förderbeitrag obendrauf.  Verwaltungstechnisch ist das relativ unbürokratisch geregelt. Es wird einfach bei der nächsten Lohnsteuerabführung verrechnet.

Gewerkschaft verhandeln lassen!

Jetzt werden Sie vielleicht denken, also wenn ich vom Staat nur dann Förderung kriege, wenn mein Arbeitgeber mir etwas beisteuert, dann kann ich die Altersvorsorge über den Betrieb gleich vergessen. Wozu sollte mein Chef das tun? Bisher hat er das ja auch nicht. Antwort: Weil er womöglich muss! Dazu könnten ihn ab 2018 die Gewerkschaften durch neue Tarifverträge nach Maßgabe des BRSG zwingen. Denn die Arbeitnehmervertreter hat der Staat zusammen mit den Arbeitgebern dazu verdonnert, neue Betriebsrenten gemeinsam auszuhandeln, zu steuern und zu kontrollieren. Deshalb läuft die „Nahles-Rente“ auch unter dem Begriff Sozialpartnermodell. Und der Obhut der Tarifpartner unterliegt auch die Entscheidung über zusätzliche Arbeitgeberbeiträge.

Das Anlagerisiko trägt allein der Sparer

Garantien soll es für die neuen Zielrentenverträge nicht geben – das Anlagerisiko liegt damit bei Ihnen. Der Erfolg der Nahles-Rente steht und fällt also mit der Entwicklung der Kapitalmärkte. Der Verzicht auf Garantien – sei es vom Arbeitgeber oder von der Versorgungseinrichtung – soll die Chancen an den freien Märkten erhöhen. Garantien kosten schließlich Geld. Das kommt dem Anlagebetrag zugute.

Noch liegen keine Tarifverträge nach dem neuen BRSG vor und es muss sich erst zeigen, ob Arbeitgeber und Gewerkschaften mitspielen. Beiden bleibt aber wahrscheinlich nichts anderes übrig, als sich zu einigen. Denn der Gesetzgeber hat mehrfach damit gedroht, dass wenn hier nix passiert, er sich ganz schnell an die Reform der Gesetzlichen Rente machen wird. Und das bedeutet im Klartext Rentenbeitragserhöhung. Das dürfte ausreichend abschrecken.

herMoney Tipp:

Behalten Sie die Entwicklung im Auge – wir werden in den kommenden Wochen weiter über das Thema berichten. Sollte der Arbeitgeber sich an der Vorsorge beteiligen, könnte sich die neue Rente vor allem für Geringverdiener lohnen!

 

Rita LanschRita Lansch ist freie Wirtschaftsjournalistin und Inhaberin des Medienbüro Lansch, das auf die Thematik der Assekuranz spezialisiert ist. Bereits im BWL-Studium hat „rl“ sich mit Versicherungswissenschaft befasst – seitdem lässt das Thema sie nicht los.

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