Für guten Zahnersatz müssen gesetzlich Versicherte tief in die Tasche greifen. Rechnet sich eine private Zahnzusatzversicherung?

25 Jahre jährliche Kontrollen beim Zahnarzt, alles behandelt, was angeraten war, dazu privat gezahlte professionelle Zahnreinigungen – und dann, nach einem Zahnarztwechsel, das: Alles morsch! Großflächige und umfangreiche Zahnsanierungen stünden an. Kosten: Locker über 20.000 (!) Euro, an denen sich die gesetzlichen Krankenkassen kaum beteiligten. Und wenn Sie als Patient/in das nicht bezahlen können? Dann haben Sie Pech gehabt! Sind die Zähne nach Kassenmeinung „nicht erhaltungswürdig“, gibt es als Kassenleistung unter Umständen nur noch die radikale Lösung: herausnehmbaren Zahnersatz!

Zugegeben: So hart trifft´s nicht jeden. Doch ganz ohne Kronen oder Brücken kommt kaum ein Versicherter bis zum Lebensende aus. Und bereits da fallen meist heftige Zuzahlungen an. „Die gesetzlichen Krankenkassen bezahlen das Notwendige“, weiß Elke Weidenbach, Versicherungsspezialistin bei der Verbraucherzentrale NRW. „Sie müssen also nicht ohne Zahnersatz nach Hause gehen.“ Wer aber mehr als das Minimum will und sich beispielsweise Implantate wünscht, sollte kräftig sparen oder sich über den Abschluss einer Zahnzusatzversicherung Gedanken machen. Je höher die Ansprüche, desto teurer kann es werden, sich auch bis ins hohe Alter einen festen Biss zu erhalten. Eine komplette Zahnsanierung zum Preis eines Kleinwagens ist keine Seltenheit.

Ob sich eine Zahnzusatzpolice für Sie rechnet? herMoney hat als Orientierungshilfe gemeinsam mit der Versicherungsexpertin Elke Weidenreich von der Verbraucherzentrale NRW eine Checkliste erstellt:

  1. Risiko prüfen: Haben Sie gesunde Zähne oder gibt es Baustellen, die eventuell in Zukunft bearbeitet werden müssen? Viele Zahnfüllungen, Kronen, wurzelbehandelte Zähne aber auch Erkrankungen des Zahnfleisches wie Parodontose oder gar Parodontitis erhöhen das Risiko, dass eine kostenaufwendige Sanierung fällig werden könnte.
  2. Bedarf prüfen: Die gesetzliche Krankenkasse zahlt das Notwendige in Form von Festzuschüssen. Sind Sie mit diesen Leistungen zufrieden und können sich im Zweifel auch mit herausnehmbarem Zahnersatz arrangieren? Dann können Sie auf eine Zusatzpolice verzichten. Wer dagegen Wert auf höherwertigen Zahnersatz legt, sollte eine private Zahnzusatz-Police in Betracht ziehen.
  3. Ansprüche definieren: Wie bei allen privaten Policen gilt: Sie können inklusive privater Wurzelbehandlung, Zahnbleaching oder professioneller Zahnreinigung alles versichern. Doch das Rundum-Paket hat seinen Preis. Überlegen Sie deshalb genau, welchen Versicherungsschutz Sie auch wirklich benötigen. Während Sie die professionelle Zahnreinigung eventuell aus der eigenen Tasche finanzieren können, belaufen sich die Kosten für höherwertigen Zahnersatz bzw. Implantate schnell auf einige Tausend Euro.
  4. Beteiligung festlegen: Die Versicherer bieten nicht nur unterschiedliche Leistungen an, auch können Sie die Höhe der Beteiligung wählen. Sie haben die Wahl: Soll die Zusatzversicherung 30, 40, 90 oder gar annähernd 100 Prozent der Kosten der versicherten Leistungen übernehmen, die nur teilweise durch die gesetzliche Krankenversicherung gedeckt sind? Je umfangreicher  der Versicherungsschutz, desto teurer die Police.
  5. Tarif mit oder ohne Altersrückstellungen? Grundsätzlich gibt es zwei unterschiedlich kalkulierte Policen: Die einen werden „nach Art der Lebensversicherungen“ kalkuliert, die anderen als „Sachverträge“. Der Unterschied: Bei Verträgen „nach Art der Lebensversicherung“ werden Rückstellungen für das Alter gebildet. Altersabhängige Beitragssteigerungen gibt es hier also nicht mehr. Das rechnet sich aber nur, wenn Sie den Vertrag auch durchhalten und nicht irgendwann aufgrund eines finanziellen Engpasses kündigen müssen. Dann nämlich sind die Rückstellungen verloren. Die „Sachversicherung“ dagegen baut keine Altersrückstellungen auf. Die Beiträge steigen während der Vertragslaufzeit mit dem Alter des Versicherten – planmäßige Beitragssprünge sind hier also von vornherein vereinbart. In beiden Kalkulationsarten können Versicherer die laufenden Beiträge erhöhen, wenn die Ausgaben dauerhaft höher sind, als kalkuliert. Prüfen Sie genau welche Vertragsart Sie dauerhaft finanziell tragen können.  Unsinnig ist es, wenn Sie heute knapp kalkulieren, die Police dann aber nach einer Beitragsanpassung kündigen müssen und damit den Versicherungsschutz verlieren.
  6. Rechtzeitig handeln: Während oder kurz vor Beginn einer Behandlung eine Versicherung abzuschließen bringt nichts. Auch wenn damit geworben wird, dass ein Tarif auch für eine laufende Behandlung zahlt, ist es besser, rechtzeitig vorzusorgen. Mit 60 plus ist ein Abschluss eventuell problematisch und teuer: Verbraucherschützerin Weidenbach empfiehlt in vielen Fällen, die private Zahnzusatzversicherung zwischen 40 und 45 abzuschließen.
  7. Wartezeiten einkalkulieren: Bei vielen Anbietern gibt es nicht nur eine Gesundheitsprüfung, sondern auch eine Wartezeit von acht Monaten, in denen Sie nur bei Unfall Anspruch auf Leistungen haben. Zudem sind die Leistungen in den ersten Jahren oft auf bestimmte Summen begrenzt.
  8. Kleingedrucktes beachten: Achten Sie vor Abschluss einer Police darauf, welche Leistungen mit der gewählten Police tatsächlich versichert sind. Beispiel Implantate: Ist die Anzahl pro Zeitperiode oder generell begrenzt? Beispiel Keramikfüllungen: Werden sie überall oder nur im sichtbaren Bereich übernommen? Beispiel Zahnersatz: Werden nur die Kosten für Implantat oder Krone bzw. Brücke oder auch für ein „Inlay“ übernommen? Inlays sind große Zahnfüllungen, die nicht jeder Versicherer als Zahnersatz anerkennt. Je nach Versicherer wird aber auch für eine Inlaybehandlung gezahlt.
  9. Alternativen prüfen: Wer flexibel bleiben möchte, kann auch privat für eine mögliche Zahnsanierung vorsorgen – zum Beispiel per Sparplan. Dann sollten Sie zumindest die gesparten Versicherungsbeiträge zweckgerichtet sparen. Auch bei finanziellen Engpässen sollten die gesparten Gelder nicht für anderes verwendet werden.

herMoney-Tipp:

Ein Policenvergleich ist für Laien nicht ganz einfach, weil die Tarife sehr unterschiedlich zusammengesetzt sind. Wenn Sie unsicher sind, lassen Sie sich beraten! Die Versicherungsberater der Verbraucherzentralen erarbeiten mit Ihnen den Bedarf und filtern dann mit einer computergesteuerten Vergleichssoftware ein passendes Angebot für Sie heraus!

 

Foto: Birgit Wetjen

 

Elke Weidenbach ist Referentin für Versicherungen der Verbraucherzentrale NRW. Die Rechtsanwältin ist Autorin zahlreicher Ratgeber zum Thema Versicherungen (z.B. „Richtig versichert. Wer braucht welche Versicherung?“)

 

 

 

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