4. Ist der Partner selbständig? „Wenn ein Partner selbständig ist, rate ich prinzipiell zu einem Ehevertrag“, so die Fachanwältin. „Das Betriebsvermögen muss raus aus dem Zugewinn, hier ist Gütertrennung absolut legitim, um den Fortbestand des Unternehmens nach einer Scheidung nicht zu gefährden“, so Dr. Unger. Doch Obacht:  Selbständige haben sehr viel mehr Möglichkeiten als Angestellte, ihr Vermögen zu „verschieben“. Wird etwa alles Geld in die Firma gesteckt, geht die Frau womöglich leer aus, weil kein Privatvermögen vorhanden ist. Auch vom gesetzlich vorgeschriebenen Rentensplitting können Sie nicht profitieren, wenn Ihr Mann als Selbständiger privat für das Alter vorgesorgt hat. Noch schlimmer kommt es, wenn Sie selbst während der Ehe in Teilzeit angestellt waren und der halbe (mickrige) Rentenanspruch auf Ihren Mann übertragen wird. Deshalb der Rat: Wird Gütertrennung vereinbart, könnte eine Kompensation den Ausgleich schaffen.  Dies sollte dann im Ehevertrag mitgeregelt werden.

5. Streitfall Immobilien: Nach der Hochzeit eine Immobilie kaufen und gemeinsam finanzieren? Hält die Ehe, könnte man sagen: Alles richtig gemacht. Doch bei einer Scheidung wird die Immobilie oft zum Streitfall. Wer hat was finanziert? Wer hat welches Vermögen in die Finanzierung eingebracht? Und wer hat von welchem Geld teure Umbauten bezahlt? Zudem ist die gemeinsame Immobilie mehr als nur Vermögen: Da steckt Herzblut, jede Menge Arbeit und eine gemeinsame Vergangenheit drin. „Ehepartner sollten genau dokumentieren, welche Gelder in die Immobilie geflossen sind“, rät Fachanwältin Dr. Unger. „Und sich im Vorfeld idealerweise vertraglich darüber Gedanken machen, was im Falle einer Scheidung mit der Immobilie passiert.“ Wer nicht handelt, riskiert die Teilungsversteigerung im Streitfall, nimmt Vermögensverluste und eine jahrelange gerichtliche Auseinandersetzung in Kauf.

6. Achtung sittenwidrig! Sie können per Ehevertrag eine Menge mit Ihrem Partner vereinbaren. Aber nicht jede Klausel hat vor Gericht Bestand. Ein Verzicht auf den sogenannten Betreuungsunterhalt ist beispielsweise nicht wirksam. Sie haben Anspruch auf Unterhalt, wenn Sie gemeinsame Kinder betreuen – jedenfalls bis zum 3. Lebensjahr der Kinder. Sittenwidrig kann unter bestimmten Umständen auch ein Verzicht auf den Rentenausgleich sein. „Wer solche Klauseln zu seinem eigenen Nachteil unterschrieben hat, sollte sich an einen Anwalt wenden und ihn anfechten“, rät Dr. Unger. „Vor Gericht dürfte das keinen Bestand haben.“

herMoney-Tipp:

Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste. Wir wünschen Ihnen, dass Sie mit Ihrem Ehemann lebenslang glücklich sind. Dennoch: Bereiten Sie sich in guten Zeiten auf den Worst Case vor! Tritt er nicht ein, umso besser. Falls doch, stehen Sie finanziell eventuell besser da und können sich eine Menge Ärger sparen. Also bitte rechtzeitig informieren oder beraten lassen!

 

Dr. Elisabeth Unger

Frau Dr. Elisabeth Unger ist Rechtsanwältin und Fachanwältin für Familienrecht in der Kanzlei Rose & Partner. Ehevertragliche Gestaltungsmöglichkeiten vor, während der Ehe und nach der Trennung gehören zu einem ihrer Tätigkeitsschwerpunkte. Sie berät und vertritt Personen im Trennungs- und Scheidungsfall – auch im internationalen Kontext. Seit Jahren veröffentlicht sie regelmäßig Beiträge zum Familienrecht. 

 

 

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