Sicher soll das Geld sein. Und möglichst Sinn stiften. Geht das überhaupt? Wir fragen Finanzplanerin Annika Peters.

herMoney: Frauen tun sich bei der Geldanlage schwer. Vorurteil oder Realität?

Annika Peters: Leider Realität. Frauen verharren häufig im Nichtstun, weil sie sich nicht trauen…

Woran liegt´s?

Ich schätze, das ist wie beim leidigen Thema „Du kannst kein Mathe“. Das bekommen Mädchen immer wieder zu hören und am Ende glauben sie es selbst. Bei der Geldanlage spielen sicher auch alte Rollenbilder eine Rolle, die tiefer verankert sind, als wir denken. Dabei können Frauen sehr gut mit Geld umgehen. Sie sparen zum Teil extrem viel!

Frauen sind zunehmend gut ausgebildet und erwerbstätig. Steigt das Interesse an Geldanlage?

Ja, es ändert sich etwas. Es gibt mehr weibliche Vorbilder in Wirtschaft und Politik. Dennoch: Wenn es mit der Finanzanlage konkret wird, tun sich viele Frauen noch  erstaunlich schwer. Sie beschäftigen sich damit, kommen aber nicht ins Handeln. Mein Eindruck: Sie wollen vor dem Start oft jedes Detail verstehen.

Macht das nicht auch Sinn?

Ein gewisses Grundwissen sollte jeder haben, der Geld anlegen will. Aber wenn die Detailliebe das Handel blockiert und der Wert des Geldes derweil auf dem Girokonto durch Inflation weniger wird, ist das kontraproduktiv. Da wäre es besser, sich Unterstützung zu suchen. Ich gehe ja auch zum Friseur, weil ich mir nicht selbst die Haare schneiden kann. Genauso fahre ich Auto, ohne zu wissen, wie genau der Motor funktioniert.

Viel Geld sparen, aber kaum etwas anlegen: Ist „Spekulation“ bei Frauen negativ besetzt?

Definitiv. Männer spekulieren gerne und gehen Risiken ein. Frauen mögen das in der Regel nicht. Sie wollen jedes Risiko vermeiden, was bei Paaren manchmal zu Differenzen führt. Selbst für ihre Kinder, die ja einen extrem langen Anlagehorizont haben, wünschen manche Mütter vermeintlich sichere Anleihenfonds.

Anleihenfonds gelten als sicher, bringen aber kaum Rendite, Aktienfonds dagegen bergen Renditechancen und auf lange Sicht kaum Risiken. Verzweifeln Sie manchmal?

Ja, doch, das kommt vor. Aber Frauen sind einfach emotionaler. Sie legen weniger Wert auf Zahlen, sondern wünschen sich Sicherheit. Und wenn sie Geld investieren, möchten sie ihre Werte wahren – sie suchen nach einem Sinn. Wenn ich erkläre, dass es zahlreiche Möglichkeiten gibt, nach ökologischen und sozialen Kriterien zu investieren, erleichtert das den Einstieg in die Geldanlage.

Gutes tun und (sicher) Geld verdienen –  geht das?

Wie sicher eine Anlage ist, hängt auch vom Anlagehorizont ab: Je langfristiger, desto geringer die Risiken. Wer langfristig plant, kann mit Investments nach ökologischen und sozialen Kriterien dann sogar höhere oder zumindest ähnliche Renditen erzielen als mit klassischen Investments, das haben zahlreiche Studien belegt. Und im Grunde ist das ja auch nicht erstaunlich, weil nachhaltig wirtschaftende Unternehmen besser für zukünftige Herausforderungen gewappnet sind. Die Risiken werden also reduziert.

Was genau verstehen Sie unter Nachhaltigkeit?

Der Begriff kommt ja aus der Forstwirtschaft und heißt: Man darf nur soviel ernten, wie nachwachsen kann. Wie müssen wir wirtschaften, wenn wir unseren Planeten langfristig erhalten und soziale Konflikte vermeiden wollen? Nachhaltigkeit bezieht sich also nicht nur auf ökologische, sondern auch auf soziale und ethische Kriterien. Eine gute Unternehmensführung, Achtung der Menschenrechte, Gender-Themen und Diversity: Das zählt genauso dazu, wie ein sparsamer Umgang mit Ressourcen.

Und wie berücksichtigen Sie das bei der Geldanlage?

Es gibt ja sehr unterschiedliche Ansätze, nach denen man nachhaltig investieren kann. Wir berücksichtigen im ersten Schritt Ausschlusskriterien – viele Frauen wollen ihr Geld nicht in Waffen- oder Tabakproduzenten investieren und auch nicht in Unternehmen, die von Kinderarbeit profitieren. Für Anleger ist es leider oft sehr mühsam, die einzelnen Unternehmen zu bewerten. Beispiel Apple: Bewerte ich nur das US-Unternehmen oder auch die Zulieferkette?

…was meinen Sie?

100 Prozent gibt es nach meiner Einschätzung bei ökologischen Investments nicht, aber alles ist besser als nichts!. Ich verdeutliche das gerne am Beispiel einer Bio-Gurke: Die ist oft mit Plastik überzogen, während konventionelle Gurken im Supermarkt ohne auskommen. Dafür wurde sie mit weniger Wasserverbrauch und ohne Dünger produziert. Was ist also wichtiger? Da muss man abwägen.

Klingt kompliziert. Woran kann ich mich orientieren?

Es gibt Anbieter, die Unternehmen nach sehr unterschiedlichen Kriterien bewerten und am Ende ein Rating erstellen oder Güte-Siegel vergeben. Morningstar etwa macht ein Nachhaltigkeits-Rating, wir nutzen in erster Linie  die Plattform „yourSRI“. Die arbeiten nach ESG-Kriterien – das heißt, ökologische und soziale Kriterien werden berücksichtigt, aber auch Governance, also die Art der Unternehmensführung. Dann gibt es noch spezielle Klima-Ratings, die den CO2-Abdruck im Vergleich zu den Wettbewerbern messen. Fakt ist: Wer nachhaltig investieren möchte, kommt nicht umhin, sich eigene Ziele zu definieren und sich dann mit der Materie zu beschäftigen. Wem das zu aufwändig ist, der sollte sich gut beraten lassen.

Welchen Rat können Sie Anlegerinnen geben?

Definieren Sie eigene Möglichkeiten und Ziele und fangen Sie an! Bei der Auswahl der Investments sollten Sie Klumpenrisiken vermeiden. Wer etwa in einen Themenfonds investiert, der ausschließlich Unternehmen aus der Solar- oder Wasserbranche bündelt, setzt alles auf eine Karte. Das ist nicht zu empfehlen!  Als Beimischung kann man diese Investments wählen. Aber unter dem Strich lassen sich die Risiken nur über eine breite Streuung reduzieren.

 

Annika Peters

Annika Peters, Geschäftsführerin bei der Frauen­Finanz­Beratung Barbara Rojahn in Stuttgart, ist zertifizierte Finanz­planerin und verfügt über vielfältige Erfahrungen in der ganzheitlichen Beratung und Vermögens­anlage. Gerade junge Frauen, die sich im Studium befinden oder in den Beruf starten, unterstützt sie mit Leidenschaft bei der Absicherung von Existenz­risiken sowie beim Aufbau von Alters­vorsorge und Vermögen.

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