Ob es die Wohnraumsituation verbessert, ist fraglich. Wer aber jetzt kaufen oder bauen möchte, sollte die Förderung mitnehmen!

Wohnraum ist knapp und teuer – vor allem Familien mit Kindern bekommen das zu spüren. In Stadtlagen sind die Mieten in den vergangenen Jahren kräftig nach oben gezogen und für „Normalverdiener“ kaum noch zu bezahlen. Der Kauf von Wohnraum scheidet als Alternative meistens aus. Zwar ist die Finanzierung von Immobilien durch die Zins-Politik der Europäischen Zentralbank deutlich günstiger geworden. So sind Hypothekendarlehen mit einer Laufzeit von zehn Jahren schon für unter zwei Prozent zu haben – gute Bonität vorausgesetzt. Doch die Kehrseite der Medaille: Aufgrund der günstigen Zinsen werden Immobilien so stark nachgefragt, dass die Preise in Stadtlage regelrecht explodiert sind. Gerade Familien mit einem oder mehreren kleinen Kindern können die Finanzierung nur schwer stemmen, weil ein Elternteil oft gar nicht oder nur in Teilzeit arbeitet, um sich um den Nachwuchs kümmern zu können. Das Geld ist nach Familiengründung potenziell knapp, so dass es an Eigenkapital für den Kauf einer Immobilie fehlt.

Die Bundesregierung hat deshalb beschlossen, Familien mit Kindern bei der Finanzierung der eigenen Vier Wände zu unterstützen. Noch vor der Sommerpause hat die Koalition das sogenannte „Baukindergeld“ verabschiedet. HerMoney erklärt, was genau das ist, wer Anspruch hat und wie Sie die staatliche Zulage beantragen können.

Was genau ist das Baukindergeld?

Mit dem Baukindergeld unterstützt die Bundesregierung Familien mit Kindern, die erstmals Wohnraum bauen oder kaufen möchten. Pro Kind steuert der Bund 1.200 Euro pro Jahr bei, die Förderung läuft über zehn Jahre. Familien mit zwei Kindern können insgesamt 24.000 Euro erhalten, Familien mit drei Kindern bis zu 36.000 Euro. Der Zuschuss ist kein Kredit; er muss also nicht zurückgezahlt werden.

Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein?

Die Förderung ist an mehrere Bedingungen geknüpft:

  • Sie haben Kinder, die im Haushalt leben und für die Sie Kindergeld beziehen. Im Regelfall erlischt der Anspruch mit der Volljährigkeit, je nach Ausbildung oder Studium bleibt er bis zum 25. Lebensjahr bestehen. Leistungen gibt es aber nur für die Kinder, die zum Zeitpunkt der Antragstellung im Haushalt lebten. Ziehen etwa Kinder Ihres Ehepartners später zu Ihnen, gibt es für sie kein zusätzliches Geld.
  • Sie besitzen noch kein Wohneigentum (Ausnahme: Sie haben mal eine Single-Wohnung gekauft, die Sie jetzt vermieten)
  • Sie nutzen die Immobilie selbst
  • Der Bauantrag oder der Kaufvertrag muss zwischen dem 1. Januar 2018 und 31. Dezember 2020 eingereicht bzw. unterschrieben sein. Sie können das Baulindergeld also auch rückwirkend beantragen.
  • Ihr Haushaltseinkommen übersteigt nicht die Fördergrenze

Welche Einkommensgrenzen gibt es?

Als Familie mit einem Kind haben Sie Anspruch auf Unterstützung, wenn Ihr zu versteuerndes Haushaltseinkommen 90.000 Euro im Jahr nicht übersteigt. Für jedes weitere Kind gibt es einen Freibetrag in Höhe von 15.000 Euro. Mit drei Kindern haben Sie also bis zu einem zu versteuernden Einkommen von 120.000 Euro Anspruch auf Baukindergeld! Achtung: Das zu versteuernde Einkommen entspricht nicht Ihrem Brutto-Einkommen! Werbungskosten und Freibeträge können vom Brutto abgezogen werden. Ihr Jahresbrutto kann also deutlich oberhalb der Fördergrenze liegen! Wie hoch Ihr zu versteuerndes Einkommen ist, entnehmen Sie Ihrem Steuerbescheid.

Wie beantrage ich das Baukindergeld?

Die Förderung wird über die KfW abgewickelt – seit dem 18. September können Sie die Zuschüsse dort online beantragen. Achtung: Wenn Sie zwischen dem 1. Januar und dem 17. September in Ihre Immobilie eingezogen sind, können Sie den Antrag bis zum 31.12.2018 stellen. Ab Einzug zum Stichtag 18. September (laut Meldebescheinigung der Gemeinde) muss der Antrag dagegen binnen drei Monaten eingegangen sein. Wenn Sie Beratung wünschen, können Sie den Antrag auch über einen Baufinanzierer bzw. Vermittler stellen. Der Vorteil: Die Spezialisten kennen sich mit Förderanträgen aus und können die Finanzmittel aus dem Baukindergeld gleich in die gesamte Baufinanzierung integrieren. Als Nachweis müssen Sie Ihre Steuerbescheide der vergangenen zwei Jahre einreichen.

Löst das Baukindergeld Wohnraum-Probleme?

Die Förderung könnte sich langfristig zum Boomerang entwickeln. Der Mieterbund etwa befürchtet, dass Wohnraum in den Großstädten noch knapper und teurer werden könnte, da Immobilienbesitzer die Zuschüsse auf die Immobilienpreise draufschlagen dürften. Auch die Mieten in den Großstädten dürften dann kräftig steigen.

herMoney-Tipp:

Wenn Sie die Voraussetzungen erfüllen und planen, mit Ihrer Familie in die eigenen Vier Wände zu ziehen, sollten Sie die Förderung beantragen: Es rechnet sich auf jeden Fall! Doch Obacht: Lassen Sie sich durch das Baukindergeld nicht zu Leichtsinn verführen. Prüfen Sie sehr genau, ob Sie die Belastungen auch langfristig tragen können!

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