Welches Konto für welchen Zweck? herMoney sagt, wann Ihr Geld auf dem Tagesgeldkonto gut aufgehoben ist. Und wann nicht!

Mit Konten kennen Sie sich aus? Wahrscheinlich haben Sie mit einem Girokonto ein „Arbeitskonto“, das Sie für den täglichen Geldverkehr nutzen. Das Girokonto zahlt in der Regel keine Zinsen – es ist also nicht der richtige Ort, um Geld anzusparen. Wer Geld für Anschaffungen zurücklegt, es vorübergehend parkt oder einen Notgroschen anspart, sollte über ein Tagesgeldkonto nachdenken. Konto Nummer drei ist dann das Depot zur Vermögensbildung.

Einfach und flexibel

Tagesgeld trotz Zinsflaute? Ja! Für die Einlage – ab einem Euro – gibt es immerhin zwischen 0,4% und 1,0% Zinsen. Mehr Zinsen als auf jedem normalen Sparbuch, das übrigens hierzulande noch immer zu den beliebtesten Geldanlagen zählt. Zudem hat der Sparer jederzeit Zugriff auf die Einlage auf dem Tagesgeldkonto, egal ob Komplett- oder Teilbeträge. Es gibt keine Kündigungsfristen. Kaum eine Bank verlangt eine Mindestanlage, es funktioniert ab einem Euro.

Hohe Sicherheit

Tagesgeld schwankt nicht im Wert, wie etwa das in Aktien oder Fonds investierte Vermögen. Das Geld, das eingezahlt ist, gibt es – bestenfalls mit Zins und Zinseszins – zurück. Allerdings verliert Tagesgeld nach Inflation unter Umständen an Wert. Die Summe bleibt gleich, aber je nach Preisentwicklung und Laufzeit bekommen Sie weniger Waren für Ihr Geld.

Zudem wird Tagesgeld variabel verzinst. Bitte nicht erschrecken, Kreditinstitute können je nach Marktentwicklung die Zinsen anpassen, bis zu null Prozent…

Was wäre, wenn… Nach Negativ-Meldungen über Bankencrashs und -pleiten der letzten Jahre zögern viele, ihr Geld einer Bank anzuvertrauen. Zur Beruhigung: Einlagen von Tagesgeld, Spar- und Girokonten privater Bankkunden bei deutschen Banken sind durch den gesetzlichen Einlagensicherungsfonds bis maximal 100.000 Euro pro Konto und Kunde geschützt. Darüber hinaus bieten viele Banken zusätzlichen Schutz über freiwillige Einlagensicherungsfonds des Bundesverbandes deutscher Banken (BdB). Fragen Sie bei Ihrer Bank nach!

Günstig und ohne Karten

Großer Pluspunkt: Tagesgeldkonten sind gebührenfrei. Es fallen weder Kontoführungsgebühren, Kosten für Online-Kontoauszug oder Kosten bei Eröffnung oder Schließung an. Selbst wenn es einige Zeit ruht, tut es dem Geldbeutel nicht weh.

Dafür gibt es zu diesem Konto auch keine Karten. Wie bitte, keine EC- oder Kreditkarte zur Eröffnung? Das schaut auf den ersten Blick nicht nach Riesen-Vorteil aus – ist es aber. Denn so ist selbst das Geld von weniger disziplinierten Sparer*innen vor Spontankäufen sicher.

Nichts für den Vermögensaufbau

Fünf- zehn oder Fünfzigtausend – wieviel Tagesgeld macht Sinn? Eine Mindestanlage gibt es nicht, für hohe Summen eignet sich das Tagesgeldkonto kaum. Zinsen gibt es kaum – auch kommt es vor, dass Banken Tagesgelder über 500.000 Euro schlechter verzinsen oder sogar Negativzinsen vom Kontoinhaber fordern.

Wer auf dem Tagesgeldkonto seinen Notgroschen ansparen möchte, orientiert sich am besten an der Notgroschen-Formel: „Nettogehalt mal drei“. Mit dem dreifachen Nettomonatseinkommen ist in schlechten Zeiten jeder erstmal auf der sicheren Seite. Die wichtigsten laufenden Kosten dürften vorübergehend gedeckt sein.

Tagesgeld ansparen?

Drei Monatsgehälter sollten Sie als finanzielle Reserve auf dem Konto haben, bevor Sie mit dem Vermögensaufbau beginnen. Klar, solche Beträge hat kaum jemand mal eben im Portemonnaie. Effektive und einfache Möglichkeit, einen Liquiditätspuffer zu schaffen, ist der monatliche Dauerauftrag, direkt vom Gehaltskonto aufs Tagesgeldkonto. Konsequent und stur, Monat für Monat, bis das finanzielle Backup aufgebaut ist.

„Tagesgeldhopping“: Rechnet sich das?

Mittlerweile ein beliebter Sport unter Sparfüchsen ist das sogenannte Tagesgeldhopping. Hier hoppen Anleger von einem Konto zum nächsten, um immer den besten Zins zu erhaschen. Hintergrund: Um an Neukunden zu gelangen, gehen Banken mit attraktiven Angeboten auf Kundenfang. Sie bieten einen über mehrere Monate festgeschriebenen guten Aktionszins. Nach Ablauf zählt man zu den Bestandskunden und erhält circa 0,1 bis 0,4 Prozentpunkte weniger.

Ob sich Zinshopping für Sie lohnt? Dazu eine einfache Überschlags-Rechnung: Ein Vergleichsrechner berechnet für einen Betrag von 10.000 Euro über drei Monate rund 25,00 Euro Zinsen für den Neukunden. Der Bestandskunde erhält für den gleichen Betrag und Zeitraum rund 15.00 Euro. Vor Steuer! Denn 25 Prozent Kapitalertragssteuer und Soli gehen noch weg. Gewinn also unter 10 Euro. Möchten Sie also alle drei bis sechs Monate ein Konto schließen, ein anderes neu eröffnen, Freistellungsaufträge hin und herschicken? Für weniger als zehn Euro?

herMoney-Tipp:

Lassen Sie Ihr Vermögen nicht auf einem Tagesgeldkonto versauern. Dagegen macht es Sinn, Ihren Notgroschen in Höhe von drei Monatseinkommen dort zu parken. Ein Vergleich der Konditionen lohnt, aufwändiges Zinshopping jedoch macht wenig Sinn. Die Zeit nutzen Sie besser mit der Lektüre eines Buches zur richtigen Geldanlage!

In sechs Schritten zum Tagesgeld-Konto:

Ein Tagesgeldkonto können Sie bei Ihrer Hausbank oder bei einer Direktbank eröffnen. Vorteil Hausbank: Man kennt sich, und der Antrag wird gleich am Schalter eröffnet. Vorteil Direktbank: Hier gibt es in der Regel die besseren Konditionen und wirklich kompliziert ist die Eröffnung nicht.

  1. Für einen guten Überblick in einem Online-Rechner Anlagebetrag und Laufzeit eingeben und vergleichen. Dabei nicht nur auf den Zins schauen, sondern zusätzlich einen Blick auf Sicherheit und Kundenbewertungen werfen.
  2. Kreditinstitut auswählen und Kontoeröffnungsformular online ausfüllen und abschicken.
  3. Der Eröffnungsantrag kommt wenige Tage später auf dem Postweg. Lesen, eventuell ergänzen und das Original eigenhändig unterschreiben.
  4. Mit Briefumschlag, Kontoeröffnungsformular, Freistellungsauftrag (falls der Sparerfreibetrag nicht aufgebraucht ist, gleich mitschicken) und Personalausweis zur nächsten Postfiliale gehen. Hier schnell und einfach die Legitimation mit Postident Verfahren durchführen.
  5. Nach ein paar Tagen kommen mindestens zwei Briefe mit Zugangsdaten, Pin, TANs und der Kundenausfertigung vom Vertrag.
  6. Geld auf Tagesgeldkonto überweisen oder gegebenenfalls Dauerauftrag einrichten.

 

Ines BaurInes Baur hat ihre journalistische Karriere beim Fernsehen begonnen. Nach der Geburt ihres dritten Sohnes hat sich die gelernte Bankkauffrau auf Print- und Online-Medien spezialisiert. Schwerpunktmäßig schreibt sie zu den Themen Frauen und Finanzen, Frauen und Alters-Vorsorge, Frauen und finanzielle Selbständigkeit.

 

 

 

 

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