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Mit einem Freistellungsauftrag oder einer NV-Bescheinigung können Sie sich vor einem direkten Steuerabzug schützen. 

Wenn Sie Ihr Depot oder Konto bei einer Bank in Deutschland führen, werden Ihnen auf jeden Cent Zinsen, Dividenden und Kursgewinne Steuern abgezwackt. Diese „Kapitalertragsteuer“ ist eine sogenannte „Abgeltungsteuer“. Das heißt, mit ihr ist die Steuerschuld beglichen und Sie brauchen die Früchte Ihres Geldes nicht mehr in Ihrer Steuererklärung anzugeben. Der Steuersatz beträgt 25 %; Solidaritätszuschlag und eventuell Kirchensteuer kommen noch hinzu, so dass man bei 26,4 bis 27,8 % Steuerabzug landet.

Pauschale Besteuerung gilt seit 1.1.2009

Ihre Bank oder Sparkasse weiß am besten darüber Bescheid, was Sie an Kapitaleinkünften erhalten haben. Deshalb hat der Gesetzgeber den in Deutschland ansässigen Kreditinstituten aufs Auge gedrückt, dass sie die Abgeltungsteuer berechnen, einbehalten und ans Finanzamt abführen müssen. Das gilt für alle Wertpapiere, die Sie nach dem 31. Dezember 2008 gekauft haben, denn an diesem Datum wurde die heute geltende Steuerregelung scharf.

Wenn Sie einen Steuersatz haben, der unter 25  % liegt, können Sie sich die durch die Abgeltungsteuer zu viel einbehaltene Steuer zurückholen, was aber mit Arbeit verbunden ist. Sie müssen dazu eine Steuererklärung anfertigen und Nachweise über die einbehaltene Abgeltungsteuer mit einreichen. Wenn Sie einen Steuersatz haben, der darüber liegt, können Sie sich darüber freuen, dass Ihre Kapitaleinkünfte mit nur 25% plus Soli abgegolten sind.

Vielleicht fragen Sie sich, ob Sie etwas gegen den Steuerabzug tun können. Ja, Sie können! Zwei Möglichkeiten gibt es, wie Sie den Abzug der Abgeltungsteuer auf Ihre Kapitaleinkünfte vermeiden können:

  1. Sie stellen einen Freistellungsauftrag
  2. Sie lassen sich eine Nichtveranlagungsbescheinigung (NV-Bescheinigung) ausstellen.

Freistellungsauftrag sichert Steuerfreibetrag

Sie haben einen gesetzlichen Freibetrag – auch bei Kapitalerträgen. 801 Euro an Kapitalerträgen dürfen Sie ganz für sich allein nutzen, müssen bis zu dieser Summe also nichts an den Fiskus zahlen. Den Freibetrag erhält jeder, auch Kinder können Kapitalerträge bis zu einer Höhe von 801 Euro steuerfrei vereinnahmen. Wenn Sie verheiratet sind, haben Sie zu zweit den doppelten Betrag, nämlich 1.602 Euro. Bis zu diesem Betrag fällt keine Abgeltungsteuer an. Allerdings müssen Sie dafür einen Freistellungsauftrag erteilen. Wenn Sie dies versäumt haben, können Sie mit Ihrer Steuererklärung wieder alles regeln, aber dazu müssen alle Nachweise über die bereits abgeführten Steuern gebracht werden, was umständlich ist. Wenn Sie Konten bei verschiedenen Banken, Sparkassen, Bausparkassen oder Versicherungen haben, können Sie den Betrag auch aufteilen. Bei einer Bank stellen Sie vielleicht 300 Euro frei, und bei der anderen 501 Euro.

Dabei müssen sie allerdings darauf achten, dass Sie insgesamt bei allen Ihren Bankverbindungen nicht mehr als 801 bzw. 1.602 Euro pro Jahr freistellen. Sie geben nämlich auf den von Ihnen erteilten Freistellungsaufträgen nicht nur den jeweils dort freigestellten Betrag an, sondern auch Ihre Steueridentifikationsnummer. Die Institute melden den freigestellten Betrag und Ihre persönlichen Daten an eine zentrale Stelle, und dadurch fällt es auf, wenn Sie mehr freistellen.

NV-Bescheinigung für Geringverdiener

Praktischer als das Jonglieren mit Freistellungsaufträgen ist es, sich vom Finanzamt eine NV-Bescheinigung ausstellen zu lassen. Das geht aber nur, wenn Sie so wenig steuerbare Einkünfte haben, dass Sie voraussichtlich gar keine Einkommensteuer zahlen müssen. Die Grenze dafür ist der jährliche steuerfreie Grundfreibetrag; er ist das notwendige Existenzminimum, das der Fiskus unberührt lässt. Der Grundfreibetrag wird jährlich angepasst. 2018 betrug er 9.000 Euro, 2019 liegt er bei 9.168 Euro und im Jahr 2020 steigt er auf 9.408 Euro. Wenn Sie verheiratet sind und sich zusammen veranlagen lassen, verdoppelt sich der jährliche Grundfreibetrag.

Verdienen Sie so wenig, können Sie bei Ihrem Finanzamt eine NV-Bescheinigung beantragen. Wenn Sie mehrere Bank-Verbindungen haben, beantragen Sie so viele Ausfertigungen, dass Sie bei jeder Ihrer Banken, Bausparkassen und Versicherungen ein Original abgeben können. Solange sich an Ihrer finanziellen Situation nichts ändert, gilt die NV-Bescheinigung für drei Jahre und muss dann erneut beantragt und bei der Bank abgegeben werden. Sie denken vielleicht, dass niemand, der so wenig verdient, großartige Kapitaleinkünfte haben wird. Das ist nicht unbedingt der Fall. Denken Sie an die Studentin, die ein kleines Wertpapier-Depot von ihren Großeltern geerbt hat, und gleichzeitig auf 450-Euro-Basis jobbt oder an die Rentnerin, deren Rente nur zu bestimmten Teilen steuerpflichtig ist.

Liegt Ihrer Bank eine NV-Bescheinigung vor, zieht sie keine Abgeltungsteuer auf Ihre Kapitaleinkünfte ab, sondern schreibt Ihnen Ihre Zinsen, Dividenden und Kursgewinne zu 100 % gut. Gleichzeitig informiert die Bank das Finanzamt über die Höhe der gutgeschriebenen Beträge.

herMoney-Tipp

Da sich kaum jemand daran erinnern kann, wann er wo einen Freistellungsauftrag in welcher Höhe erteilt hat, richten Sie am besten eine Abteilung in Ihrem Finanzen-Ordner ein, wo Sie Kopien von allen erteilten Freistellungsaufträgen einheften. So behalten Sie den Überblick! Außerdem bietet es sich an, von Zeit zu Zeit zu überprüfen, ob die Freistellungsaufträge noch passen, oder ob es sinnvoll ist, sie anders auf seine verschiedenen Bankverbindungen aufzuteilen. Denn es macht einfach sehr viel Arbeit, einmal abgezogene Abgeltungsteuer beim Finanzamt zurückzuholen.

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