Wie wählen Sie Aktien aus? Am besten mit Strategie! Als Growth-Investorin ziehen Sie wachstumsstarke Branchen und Titel vor.

Keinen Plan bei der Aktienauswahl zu haben, ist kein guter Plan! Profis folgen beim Aktienkauf meistens klar definierten Kriterien. Die einen picken Dividendenperlen, also Unternehmen, die regelmäßig Gewinne erwirtschaften und einen Teil davon als Dividende an die Aktionäre ausschütten. Andere suchen nach Unternehmen, die an der Börse unter Wert gehandelt werden – sie folgen damit der sogenannten Value-Strategie. Die Investment-Legende Warren Buffett, Chef der Beteiligungsgesellschaft Berkshire Hathaway, ist wohl der bekannteste und auch erfolgreichste Vertreter dieses Investment-Stils.

Das Orakel von Omaha, wie er ehrfürchtig genannt wird, gehört mit einem geschätzten Vermögen von 84 Milliarden US-Dollar zu den reichsten Menschen der Welt. Trotz seiner Erfolge hat der 88jährige zuletzt eingestehen müssen, den Tech-Trend verschlafen zu haben. Unternehmen wie Apple, Facebook, Amazon und Co. haben es in der Wachstumsphase nicht in Buffetts Depot geschafft, weil sie nicht den Value-Kriterien entsprachen: Sie wurden gemessen an den Unternehmensergebnissen zu teuer gehandelt. Von den starken Kurssteigerungen dieser Unternehmen in den vergangenen Jahren konnte der Erfolgs-Investor damit nicht profitieren.

Mit Growth setzen Sie auf zukünftige Gewinne

Anhänger der Growth-Strategie investieren in zukünftiges Wachstum. Das suchen sie zum Beispiel bei Unternehmen bzw. Branchen, die viel in Forschung und Entwicklung investieren, neue Geschäftsmodelle entwickeln und damit hohes Wachstumspotenzial bieten. Hohen zweistelligen Umsatzzuwächsen sollten später dann entsprechende Gewinnzuwächse folgen. Paradebeispiele für solche Wachstumsbranchen waren in der Vergangenheit Telekommunikations- und Internetanbieter, aktuell zählen vor allem Biotechnologie, Robotik, Künstliche Intelligenz, Elektromobilität sowie mobile Bezahlverfahren dazu. Der Manager eines Growth-Fonds wählt in diesen Branchen dann die Titel mit besonders hoher Wachstumsdynamik aus.

Starke Gewinnsteigerungen möglich

Als Growth-Investor ordern Sie die Aktien oft bereits schon dann, wenn die Unternehmen noch kaum Gewinne abwerfen oder sogar noch in der Verlustzone sind. Denn sie spekulieren darauf, dass die Gewinne zukünftig überproportional steigen, wenn sich die Technologie oder Entwicklung einmal durchgesetzt hat. Beispiel Facebook: 2011 hat das Zuckerberg-Imperium gerade einmal einen Gewinn von einer Milliarde US-Dollar erwirtschaften können. Beim Börsengang 2012 war Investoren das Unternehmen insgesamt aber bereits 104 Milliarden US-Dollar wert. Die sogenannte Marktkapitalisierung war also so hoch, wie die der gestandenen deutschen Traditionsunternehmen Daimler, BMW und Lufthansa zusammen! Während Facebook seitdem aber stark gewachsen ist und die Aktie in der Spitze fast 400 Prozent zugelegt hat, konnte sich beispielsweise Daimler kaum von der Stelle bewegen. Die Aktie hat im gleichen Zeitraum unter dem Strich gerade einmal um rund 20 Prozent gewonnen.

Wann zündet welche Strategie?

In der zweiten Hälfte der 90er Jahre entwickelten sich Growth-Aktien besonders gut. Damals liefen Telemedien- und Internet-Aktien heiß, und die Wachstumshoffnungen der Investoren überschlugen sich fast. Das Platzen der Dot.Com-Blase im Jahr 2000 offenbarte dann, dass die Wachstumshoffnungen teilweise heftig übertrieben waren. Danach gab es eine Periode, in der sich Value-Aktien besonders gut entwickelten, und in den letzten Jahren waren es wieder die Growth-Titel, die die Value-Titel bei weitem übertrafen.

Trau schau wem!

Die Grenzen zwischen Growth und Value sind oft fließend. Aus früheren Wachstumswerten wie Microsoft oder Apple etwa sind längst gestandene Substanzwerte geworden, die ihren Investoren kontinuierliche Erträge bieten. Andere, wie etwa Yahoo, sind von der Börse verschwunden – der einstige Internet-Highflyer wurde nach Jahren der Talfahrt an den US-Telekommunikationsanbieter Verizon verkauft. Setzt sich eine Technologie bzw. ein Unternehmen durch? Das ist für Laien nur schwer zu beurteilen. Im Vergleich zur Value-Strategie ist die Growth –Strategie daher etwas riskanter – es bietet sich daher an, hier über einen Fonds statt auf eigene Faust zu investieren.

Wachstum ohne Dividende

Als Growth-Investorin müssen Sie eine Pille schlucken: Eine attraktive Dividendenrendite werden Sie wahrscheinlich nicht kassieren. Denn die meisten Unternehmen schütten Gewinne nicht aus, sondern investieren sie in die Weiterentwicklung und in das Wachstum. Bei dieser Strategie setzen Sie in erster Linie auf dynamisches Wachstum und auf künftige Boom-Märkte: also auf Aktienkurs-Steigerungen.

herMoney-Tipp:

Es lässt sich nicht generell sagen, ob Growth oder Value die bessere Strategie ist. Beide Strategien habe ihre Berechtigung, aber im Regelfall gibt es gute Perioden für Growth-Titel und andere Perioden, die eher gut für Value-Titel sind. Wie immer gilt: Es ist gefährlich, alle Eier in einen Korb zu legen. Falls Sie auf bestimmte Aktienstrategien setzen wollen, achten Sie am besten auch hier auf ein ausgewogenes Verhältnis – oder Sie riskieren eben bewusst, dass Sie auch falsch liegen können.

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