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Frauen sind weniger risikofreudig als Männer. Deswegen scheuen sie die Börse, auch wenn sich die Anlagen dort verdreifachen könnten.

Tatsächlich könnten viele Frauen das Geld gut gebrauchen. Prognosen zufolge wird 2036 jede dritte allein lebende Frau auf staatliche Zuwendungen angewiesen sein. Wir erklären, woher die Risikoaversion von uns Frauen kommt und was wir tun können.

Ein Mann, ein Bier. Eine Frau, tausend Möglichkeiten.

Frau hat es nicht leicht. Eine Verabredung zum Drink am Abend und schon startet das Programm: Hose oder Rock? T-Shirt oder Bluse? High Heels oder Sneakers? Jacke oder Mantel? Hunderte von Möglichkeiten rauschen durch den Kopf. Einmal in der Bar, hört es nicht auf – die komplette Getränkekarte wird gecheckt: Wasser oder Wein? Bier oder Apérol Spritz? Rhabarber-Schorle, Milchkaffee?

Hans-Georg Häusel lacht vergnügt. Der Diplom-Psychologe aus München mag in solchen Momenten erleichtert sein, dass er männlichen Geschlechts ist. Denn Männer sind bei solchen Themen hormonell im Vorteil. „Testosteron macht Entscheidungsfindung einfach“, sagt Häusel, der über neuropsychologische Aspekte des Geld- und Konsumverhaltens promovierte. Die Gedankenkette des Mannes ist schlicht: Ein Mann – ein Bier.

Ein abgedroschenes Klischee? Schließlich leben wir in einer modernen Gesellschaft. Wir Frauen sind emanzipiert. Stimmt, aber gegen die Biologie sind wir bei allem Fortschritt nicht gefeit. Hormone lenken uns, mehr als es uns manchmal lieb ist.

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Testosteron erhöht die Risikobereitschaft

Das Männlichkeitshormon Testosteron etwa erhöht die Risikofreude: Erfolgreiche Geschäftsfrauen haben oft einen höheren Testosteronspiegel als der Durchschnitt. Es beeinflusst auch die Entscheidungsfindung, wie aktuelle Studien belegen. Danach sorgt ein erhöhter Testosteronspiegel dafür, dass Entscheidungen spontan getroffen und nicht mehr in Zweifel gezogen werden. Egal, ob sie am Ende richtig oder falsch waren.

Welche Hormone und Botenstoffe wir produzieren und wie sie im Körper aufgenommen werden, ist genetisch bestimmt. Die Folge: Die meisten Entscheidungen werden unbewusst getroffen oder durch Emotionssysteme gelenkt.

Bauch schlägt Kopf

Die Ratio hat also einen schweren Stand – meist trotz besseren Wissens. So haben wir Angst vorm Fliegen, obwohl die Fahrt mit dem Auto zum Flughafen statistisch gesehen weitaus gefährlicher ist als der Flug. Aber mit der Hand am Steuer fühlen wir uns sicher, denn wir haben die Sache vermeintlich im Griff.

Gefühlte und tatsächliche Risiken sind oft zwei paar Schuhe. Würden Sie in einen Flieger steigen, der zu 99,9 Prozent Sicherheit garantiert? Ein Großteil der Befragten antwortet spontan mit „ja“, weil die Zahl in anderen Kontexten Sicherheit suggeriert.

Beim Fliegen aber wäre das nahezu Selbstmord: Allein in Frankfurt würden bei knapp 1.300 Starts und Landungen am Tag statistisch knapp neun Flugzeuge pro Woche vom Himmel fallen.

Auch beim Geld setzt der Verstand aus. „Geld aktiviert Bereiche im Gehirn, die auch durch Nahrung, Drogen oder Sexualpartner angeregt werden“, weiß Neuroökonom Bernd Weber, Professor am Center for Economics and Neuroscience (CENs) der Universität Bonn. Neuroökonomen nutzen naturwissenschaftliche Methoden, um das Entscheidungsverhalten von Menschen nachzuvollziehen.

Verluste bereiten massive Schmerzen

Galt das Gehirn lange Zeit als Black Box, helfen moderne bildgebende Verfahren seit einigen Jahren, Licht in die Dunkelheit zu bringen. Weber legt seine Probanden in die Röhre und setzt sie unterschiedlichen Reizen aus. Mittels Magnetresonanztomografie (MRT) zeigt sich, welche Hirnareale bei welchen Signalen wie stark durchblutet sind, also arbeiten. „Schon die Erwartung eines Gewinns löst regelrechte Glücksgefühle aus“, sagt Weber.

Das Glückshormon Dopamin sorgt für ein Feuerwerk – und macht uns gierig. Bleibt die erwartete Belohnung jedoch aus oder entstehen gar Verluste, wird das Schmerzzentrum im Hirn aktiviert. „Wie bei Zahnweh“, sagt Psychologe Häusel.

Der Schmerz ist so stark, dass ein Verlust jeden Gewinn in den Schatten stellt. Selbst ein Gewinn von 1.000 Euro wird als schmerzhafte Niederlage wahrgenommen, wenn ihm neunmal 100 Euro Verlust gegenüberstehen. Daniel Kahneman, der Psychologie und Ökonomie zusammenführte und 2002 den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften erhielt, hat dafür den Begriff der „Verlustaversion“ geprägt. Wirklich rational ist das alles nicht. Aber die Programme laufen – und sie unterscheiden sich bei Mann und Frau.

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Frauen haben eine größere Risikoaversion als Männer

Im MRT zeigt sich, dass es unterschiedliche Grunddispositionen für den Umgang mit Risiken gibt. „Frauen sind unter dem Strich weniger risikofreudig als Männer“, sagt Neuroökonom Weber. Ob das ein Manko in Gelddingen ist? Ja und nein!

„Gier frisst Hirn“, heißt es traditionell an der (von Männern dominierten) Börse: Wer gierig wird, riskiert Verluste. Vor allem Männer würden dazu neigen, sich selbst zu überschätzen und Risiken zu unterschätzen, so Häusel. Bei Frauen verhalte es sich genau umgekehrt: „Sie unterschätzen sich und überschätzen die Risiken“, weiß Häusel. Auch das kann in Gelddingen zur Falle werden. Denn aus Angst vor Verlusten wird das Ersparte gar nicht erst investiert.

Safety first, sagt der Bauch: Das Ersparte bleibt auf Spar- und Girokonten liegen, obwohl es sich dort nicht vermehrt. Im Gegenteil: Sein Wert schmilzt dahin, weil die Preise steigen und es keine Zinsen gibt. Die als „riskant“ wahrgenommenen Börsen dagegen zuckeln seit 2009 munter nach oben.

Mit Investments in den DAX, in dem die 30 deutschen Unternehmensschwergewichte gebündelt sind, wären seitdem aus 10.000 Euro rund 30.000 Euro geworden. Sicher oder riskant? Es kommt auf den Zeitraum der Betrachtung an! Bei langfristigen Geldanlagen reduzieren sich die Anlagerisiken erheblich. Doch wir Frauen legen laut Studien des Flossbach von Storch Research Instituts sogar monatliche Sparraten für unsere Kinder bevorzugt aufs Sparbuch, obwohl es dort keine Zinsen gibt und 18 Jahre für den Vermögensaufbau bleiben.

Der Wohlfühlfaktor spielt bei Finanz-Entscheidungen eine wichtige Rolle. Sagt der Bauch aus Angst vor Verlusten „nein!“, stecken viele Frauen den Kopf in den Sand. Fast jede dritte Frau, so eine Studie der Postbank, kümmert sich überhaupt nicht um die eigenen Finanzen. Die Quittung dürfte dann im Alter folgen. Im Jahr 2036 werde fast jede dritte alleine lebende Frau auf staatliche Zuwendungen angewiesen sein, so eine Prognose der Bertelsmann-Stiftung.

herMoney-Tipp für Frauen mit Risikoaversion:

Den Kopf in den Sand zu stecken, hilft nicht weiter: Kümmern Sie sich um Ihr Geld! Wenn Sie jung sind, können Sie mit einem simplen (und kostengünstigen) ETF-Sparplan ein kleines Vermögen aufbauen. Falls Sie gar keine Lust haben, die Dinge selbst in die Hand zu nehmen: Nutzen Sie das Angebot einer digitalen Vermögensverwaltung (Robo-Advisor) oder lassen Sie sich von einer Fachfrau (oder einem Fachmann) beraten!

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