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Crowdfunding oder Crowdinvesting? Jede kann von der Schwarmfinanzierung profitieren. herMoney sagt, was es zu beachten gilt. 

Sie haben vielleicht schon einmal gelesen: „Junge Firma XYZ sammelte in nur 52 Minuten 100.000 Euro ein“. Ganz so viel war es bei Ann-Sophie Claus und Sinja Stadelmaier nicht; auch ging es nicht ganz so schnell. Aber die beiden Gründerinnen der „The Female Company“ bekamen per Crowdfunding für ihr Startup immerhin 40.000 Euro in nur 1,5 Monaten zusammen. Klasse, wenn Unternehmensgründer in so kurzer Zeit so viel Geld einsammeln können. Aber was genau spielt sich hier ab?

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Beim Crowdfunding – zu Deutsch „Schwarmfinanzierung“ – steuert eine Vielzahl von Internetnutzern jeweils mit überschaubaren Beträgen Geld zur Finanzierung von Geschäftsideen, Produkten und Projekten bei. Der Begriff wird oft als Oberbegriff für „kleine“ Beteiligungen verstanden. Streng genommen muss man allerdings zwischen Crowdfunding und Crowdinvesting unterscheiden.  Während Crowdfunding eher als eine Art Spende angelegt ist – Sie zahlen Geld zur Finanzierung eines bestimmten Projektes und erhalten entweder keine oder nur eine kleine Gegenleistung – handelt es sich bei Crowdinvesting um eine Form der Kapitalanlage. Mit Ihrem Geld beteiligen Sie sich an einem Unternehmen oder Projekt. Ist das Projekt erfolgreich, steigt der Wert Ihrer Beteiligung. Auch partizipieren Sie anteilig an möglichen Gewinnen. Beim Crowdinvesting haben Sie also die Chance, eine Rendite zu erzielen. In Deutschland bekannt geworden ist Crowdinvesting vor allem durch die Finanzierung von „Stromberg“. Die Produktionsfirma hatte für die Filmproduktion eine Million Euro eingesammelt. Die Investoren waren im Gegenzug am Gewinn beteiligt.

Ähnlich wie bei der Gründer-Show „Höhle der Löwen“ kann sich jeder – auch Du und ich – wie Judith Williams, Frank Thelen und die anderen Jurymitglieder an den spannenden Geschäftsideen von ambitionierten Jungunternehmern beteiligen. Wir brauchen uns dabei aber nicht mit so großen Beträgen wie Judith Williams & Co. ins Zeug zu legen, sondern es geht los ab 250 Euro pro Projekt.

Beteiligungen mit Höchstgrenze

Wie das geht? Man begibt sich auf eine der Crowdfunding-Plattformen, von denen es mittlerweile mehrere gibt: Seedmatch, Companisto, Innovestment, Startnext sind einige davon, eine Übersicht über Crowdfunding- und Crowdinvesting-Plattformen finden Sie hier. Auf den Plattformen finden Jungunternehmer und Kapitalgeber zusammen: Die Projekt-Idee wird vorab geprüft durch die Crowdfunding-Plattform, wobei das leider keinerlei Garantie dafür ist, dass das Projekt später auch gut läuft! Dann präsentieren die Start-up-Unternehmer ihre Geschäftsidee, ihre Umsatzzahlen und ihre Wachstumsaussichten; meistens tun sie das in einem kleinen Video. Sie sagen auch, wieviel neues Kapital sie in der jetzigen Finanzierungsrunde einsammeln wollen und erklären wofür sie es ausgeben wollen. Das kann die Entwicklung eines neuen Modell-Typs sein, oder die Anschaffung einer Firmen-Software, der Neu-Aufbau einer Website, die Expansion in einen weiteren Markt oder ähnliches. Dann heißt es: Bahn frei für die Investoren und Investorinnen!

Wenn Sie bei der jeweiligen Plattform angemeldet sind, können Sie gleich loslegen und „klick!“ haben Sie in das junge Unternehmen investiert! Das geht los mit Summen ab ca. 250 Euro pro Investment.

Nach dem 2015 eingeführten Kleinanlegerschutzgesetz darf eine Privatperson maximal 1.000 Euro bei einem solchen Projekt investieren – mit ausführlicher Selbstauskunft können es bis zu 10.000 Euro sein. Für ein Start-up-Unternehmen wurde ein maximales Gesamtvolumen von 2,5 Millionen Euro eingeführt, ab dann beginnt eine umfangreiche Prospektpflicht.

Risiken beachten: am besten auf mehrere Pferde setzen!

Das Risiko bei Crowdinvesting ist sehr hoch, denn schließlich investieren Sie hier nicht in etablierte Unternehmen wie Siemens oder Beiersdorf, sondern in ein Start-up-Unternehmen. Viele dieser Unternehmen können sich trotz des eingesammelten Geldes nicht am Markt behaupten und müssen Insolvenz anmelden, wie Insolvenzlisten verraten. Sie sollten deshalb besser nicht nur in  e i n  Start-up investieren, sondern wenn, dann auf jeden Fall in mehrere! Andernfalls wäre das Einzelrisiko viel zu hoch! Die Crux ist: Startup-Investments sind sehr riskant, einige gehen pleite, einige so lala, aber einige entwickeln sich um ein Vielfaches. „In unserem Segment von Private Equity liegt die Wahrscheinlichkeit, dass die Investition ein Totalverlust wird, etwa bei 50 Prozent“, erklärte Soulemane-Jean Galadima, Partner der französischen Plattform WiSeed in einem Interview.

Der Trick ist: Es ist ausschlaggebend, dass Sie an mindestens einem Projekt beteiligt sind, das um ein Vielfaches in die Höhe schießt. Dazu sollten Sie sich ein individuelles Online-Portfolio aus zahlreichen Crowdfunding-Projekten zusammenstellen. Über das Gesetz der großen Zahl steigt so die Wahrscheinlichkeit, dass Sie auch eins dieser Super-Investments in Ihrem Portfolio haben. Ein einziges davon kann die Verluste mehrerer Flops und So-lala-Projekte ausgleichen.

Noch etwas: Startup-Finanzierungen sind im Regelfall extrem illiquide. Während Sie eine Aktie an jedem Börsentag verkaufen können, ist ein Ausstieg („Exit“) aus einem Crowdinvestment im Regelfall nicht vor fünf bis acht Jahren möglich.

Mit welcher Rendite ist zu rechnen?

Das hohe eingegangene Risiko und die geringe Liquidität werden – hoffentlich – belohnt: Während es auch sehr skeptische Medien-Artikel gibt, rechnet die Crowdfunding-Plattform Seedmatch mit einer Rendite von im Schnitt 15 Prozent pro Jahr. Zumindest ist das das Ergebnis einer Studie von Seedmatch zusammen mit der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg. Dazu wurde die Entwicklung der zwischen 2011 und 2014 auf Seedmatch finanzierten Startups und deren Auswirkung auf die Rendite der Kleinanleger bis zum 31.12.2017 untersucht. In die Analyse flossen 57 Unternehmen mit insgesamt 68 Finanzierungsrunden ein.

Soziale Projekte fördern mit Crowdfunding

Crowdfunding gibt es auch für Sozialunternehmen („Social Enterprises“). Ein gutes Beispiel ist Fairphone, das 2010 eine Bewegung für fair produzierte Elektrogeräte ins Leben gerufen hat. Was als Aufklärungskampagne über Konfliktmineralien begann, wurde zu einem alternativen Produktionsunternehmen. Fairphone sammelten über Crowdfunding Gelder ein, um ein fair produziertes Handy zu entwickeln, und mittlerweile gibt es über 100.000 Fairphone-Besitzer.

Auch viele Mikrofinanz-Plattformen funktionieren nach dem Crowdfunding-Prinzip. In dem Zusammenhang ist vielleicht interessant, dass schon 1883 der Sockel der Freiheitsstatue von New York durch Crowdfunding finanziert wurde. Auch damals ging es um die gute Sache, aber der Journalist Joseph Pulitzer musste diese Aktion damals ohne Internet initiieren.

herMoney-Tipp:

Crowdfunding und Crowdinvesting sind unglaublich hip! Es macht sicherlich Spaß, sich mit den kreativen Ideen von Jungunternehmern zu beschäftigen und ihre hochfliegenden Träume zu finanzieren. Aber es ist eben kein sicheres Investment, sondern man balanciert mit den meisten Crowdinvestments am obersten Risiko-Ende der Anlagemöglichkeiten, und zwar im kaum regulierten Raum. Wer schon Aktienfonds oder Einzel-Aktien für Risikopapiere hält, der ist bei Crowdfunding nicht gut aufgehoben. Wer sich aber gern als Business Angel fühlt, ein bisschen Risikokapital mitbringt und einen langfristigen Anlagehorizont hat: Bahn frei – wir drücken die Daumen!

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