Sie möchten beruflich auf eigenen Beinen stehen? Lassen Sie sich professionell beraten, um die Weichen von Beginn an richtig zu stellen.

Selbstständig arbeiten? Heißt selbst und ständig! Das ist die eine Seite der Medaille. Die andere: Als Unternehmerin haben Sie Gestaltungsmöglichkeiten und können viele Freiheiten genießen. Am Anfang steht die Geschäftsidee. Und dann stellt sich schnell die Frage, ob Sie gewerblich oder freiberuflich tätig sind. Soviel vorweg: Das hängt von Ihrer Geschäftsidee und Ihrer Ausbildung ab.

Wenn Sie es schaffen als Freiberuflerin durchzugehen, genießen Sie einige Vorteile. Als Freiberuflerin brauchen Sie keine Bilanz zu erstellen, zahlen keine Gewerbesteuer und müssen nicht Zwangsmitglied bei der Industrie- und Handelskammer werden. Allerdings haben einige freie Berufe berufsständische Kammern, in denen man dann Mitglied werden muss.

Wer ist Freiberufler?

Wer aber ist Freiberuflerin? Freiberuflich tätig sind Sie im Regelfall mit einer akademischen Bildung, z.B. als Steuerberaterin, Rechtsanwältin, Architektin, freie Journalistin oder beratende Volkswirtin, aber auch als Künstlerin – dieser Begriff ist natürlich dehnbar. Grundsätzlich gilt: Eine selbständig ausgeübte wissenschaftliche, künstlerische, schriftstellerische, unterrichtende oder erzieherische Tätigkeit wird als freiberuflich angesehen. In § 18 Einkommensteuergesetz gibt es einen Katalog der Freiberufler, aber er enthält nicht alle freien Berufe, da es immer neue Berufe gibt. Für Yogalehrerinnen oder Coaches etwa ist das nicht eindeutig geregelt. Die Arbeit kann als lehrende Tätigkeit eingestuft werden, dann wären Sie Freiberuflerin. Ein Wermutstropfen: Lehrer sind grundsätzlich rentenversicherungspflichtig. Rufen Sie im Zweifel beim Finanzamt an, um den individuellen Fall zu klären.

Lange war es beispielsweise auch umstritten, ob eine Informatikerin als Freiberuflerin oder Gewerbetreibende einzustufen ist. Die Rechtsprechung orientiert sich hier am Ausbildungsniveau: Je breiter und tiefer die Ausbildung einer Informatikerin war, umso höher ist ihre Chance, als Freiberuflerin eingestuft zu werden. Diplom-Informatikerinnen sind aus dem Schneider: Sie gehören mittlerweile unumstritten zu den freien Berufen, auch wenn sie nicht im Katalog der Freiberufler aufgeführt sind.

In der Fachliteratur werden die freien Berufe folgendermaßen beschrieben: Freiberuflerinnen üben ihren Beruf

  • auf der Grundlage besonderer beruflicher Qualifikation oder schöpferischer Begabung,
  • persönlich,
  • leitend und eigenverantwortlich,
  • und fachlich unabhängig

aus, wobei sie Dienstleistungen höherer Art erbringen. Bei Freiberuflerinnen steht die persönliche Arbeitsleistung im Vordergrund und nicht der Kapitaleinsatz. Ein hoher Kapitaleinsatz spricht eher für einen Gewerbebetrieb.

Besser nicht mischen!

Wenn Sie sowohl freiberufliche als auch gewerbliche Tätigkeiten anbieten – beispielsweise selbst Buchautorin sind und auch Bücher verkaufen – sprechen Sie mit Ihrer Steuerberaterin. Eventuell ist es dann sinnvoll, die beiden Themenbereiche zu separieren und jeweils ein separates Geschäftskonto und/oder eine separate Steuernummer zu besorgen. Sonst laufen Sie Gefahr, dass Ihre gewerblichen Tätigkeiten die freiberuflichen „anstecken“. Vieles spielt hier eine Rolle, aber ein wichtiges Kriterium ist, dass der Gewerbebetrieb untergeordnet bleibt – sonst laufen Sie Gefahr, dass Ihr Status als Freiberuflerin verloren geht. Für Frauen, die künstlerisch tätig sind: Auch die Künstlersozialkasse prüft übrigens genau, ob Sie freiberuflich oder gewerbetreibend sind.

Lassen Sie sich professionell beraten!

Auf dem Weg in die Selbständigkeit sind viele Dinge zu klären. Beispielsweise die geeignete Rechtsform, die Positionierung im Markt, Art und Form der Kundenansprache und so weiter. Gute Informationen zu allen Themen rund um die Selbständigkeit bieten die Industrie- und Handelskammern bzw. die berufsständischen Kammern, aber auch die Arbeitsämter und Volkshochschulen. Sie bieten beispielsweise Seminare zu einzelnen Bereichen, wie z.B. Marketing oder Buchhaltung an. Ein paar hilfreiche Webseiten sind: Für GründerGründerlounge oder Selbständig.

Am Anfang benötigen Sie viel professionellen Rat: Von einer Anwältin über die geeignete Rechtsform, von einer IT-Fachkraft über passende Computer- und Softwaresysteme inklusive Datensicherung sowie eine Steuerberaterin für Buchhaltung und Steuererklärung. Diese Entourage kostet natürlich Geld, aber gerade am Anfang ist es wichtig, dass Sie sich von erfahrenen und professionellen Beratern helfen lassen. Grundlegende Fehler am Anfang können am Ende sehr teuer werden.

herMoney-Tipp:

Wenn es Ihrer Tätigkeit entspricht, versuchen Sie als Freiberuflerin tätig zu sein – das ist günstiger! Es gibt einen gewissen Argumentations-Spielraum, insbesondere für Künstlerinnen. Wenn Sie sowohl gewerblich als auch freiberuflich arbeiten, separieren Sie die beiden Tätigkeiten, um späteren Ärger zu vermeiden!

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