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Je nach Umsatz kann es sein, dass Ihr Kleingewerbe steuerfrei ist. Ab wann welche Steuern fällig sind, erfahren Sie in diesem Artikel.

Inhalt:

Was ist ein Kleingewerbe? Wann ist es steuerfrei?

Wer gründet, startet oft mit einem Kleingewerbe. Nun können Sie nicht „Kleingewerbe“ bei Ihrer Gewerbeanmeldung ankreuzen. Doch Sie sind es als Einzelunternehmerin meist automatisch, es sei denn, Sie starten gleich mit einem siebenstelligen Umsatz. Kleingewerbetreibender ist man nämlich zum Beispiel dann, wenn der Umsatz einen gewissen Betrag nicht übersteigt. Der nicht zu unterschätzende Vorteil: Die Buchführung ist einfacher.

Die meisten Kleingewerbe sind nicht steuerfrei. Zumindest die Einkommenssteuer müssen die meisten Kleingewerbetreibenden bezahlen, da sie entsprechend verdienen und ihr Einkommen 9.408 Euro im Jahr übersteigt (Stand 2020). Die Chance, dass die Gewerbe- und die Umsatzsteuer wegfallen, ist dagegen etwas höher. Schauen wir uns im Detail an, welche Gewinngrenzen gelten und wer wann welche Steuer zu zahlen hat.

Übersicht: Die wichtigsten Steuern für Kleingewerbetreibende

Gewerbe, Kleingewerbe, Freiberufler. Jeder, der Geld verdient, muss seinen sozialen Verpflichtungen nachkommen und Steuern zahlen. Folgende Steuern können auf Sie zukommen, wenn Sie ein Kleingewerbe betreiben.

  1. Einkommensteuer: Den Gewinn Ihres Unternehmens versteuern Sie im Rahmen der Einkommensteuer. Im Jahr 2020 beträgt der Grundfreibetrag 9.408 Euro für Alleinstehende, für Verheiratete 18.816 Euro. Für ein jährliches Einkommen bis zu diesen Schwellenwerten müssen Sie keine Einkommenssteuer zahlen.
  2. Gewerbesteuer: Unternehmer sind grundsätzlich gewerbesteuerpflichtig. Ausnahme bilden Freiberufler und Personen, die in der Landwirtschaft tätig sind. Für die Gewerbesteuer gilt aktuell ein Freibetrag von 24.500 Euro jährlich.
  3. Umsatzsteuer: Die Umsatzsteuer, auch Mehrwertsteuer genannt, wird hierzulande auf die allermeisten Waren und Dienstleistungen. Der Satz liegt aktuell in Deutschland bei 19 Prozent, der ermäßigte bei sieben Prozent (etwa für Lebensmittel oder Bücher). Von der Umsatzsteuer befreit sind nur Unternehmer, auf die die Kleinunternehmerregelung zutrifft.
  4. Lohnsteuer: Sowohl Arbeitnehmer als auch Arbeitgeber kennen sie – die Lohnsteuer. Bei einem Arbeitnehmer wird sie vom Bruttolohn abgezogen und dann an das Finanzamt abführt. Sie ist für einen Kleingewerbetreibenden aber nur relevant, wenn er Angestellte hat.

Bis 9.408 Euro zahlen Alleinstehende keine Einkommenssteuer

Viele Gründer starten ihr Kleingewerbe als Nebenjob und haben meist in den ersten Jahren auch dementsprechend niedrige Einkommen aus ihrem Business. Das kann sich auf die Besteuerung auswirken. Der Grundfreibetrag liegt – wie bereits erwähnt – aktuell bei 9.408 Euro für Alleinstehende. Dieser Betrag bezieht sich auf das ganze jährliche Jahreseinkommen und ist steuerfrei. Alles, was Sie drüber an Einkommen haben, muss versteuert werden (außer, Sie können weitere Steuerfreibeträge geltend machen). Der Einkommenssteuersatz hängt unter anderem von der Höhe der Einkünfte ab.

Wer nun wenige Einnahmen aus seiner selbständigen Arbeit hat, beispielsweise 8.000 Euro, und auch sonst keine Einkünfte hat, ist von der Einkommensteuer befreit.

Achtung: Bei der Einkommensteuer zählt Ihr gesamtes zu versteuerndes Einkommen (selbständige Arbeit, nicht selbständige Arbeit, Dividenden, Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung…), nicht nur die Einkünfte aus der Selbständigkeit.

Der Freibetrag bei der Einkommenssteuer kann für Studenten interessant sein. Wer maximal 9.408 Euro als Student nebenher verdient (das sind durchschnittlich 784 Euro pro Monat), muss keine Einkommensteuer zahlen. Für Student*innen kann es sich also durchaus rentieren, eine Einkommenssteuererklärung zu machen und sich die eventuell zu viel gezahlten Steuern vom Finanzamt zurückzuholen.

Übrigens: Student*innen können sich hier über alle notwendige Versicherungen informieren. 

Von der Umsatzsteuer befreit dank Kleinunternehmerregelung

Bei der Umsatzsteuer greift der Regelsteuersatz von 19 Prozent oder der ermäßigte Steuersatz von sieben Prozent (zum Beispiel für Lebensmittel). Den schlägt ein Unternehmer auf seine Ware oder Dienstleistung drauf und rechnet dann mit dem Finanzamt über die Umsatzsteuervoranmeldung ab.

Aber auch hier gibt es eine Ausnahme. Wenn nun etwa eine Gründerin – vor allem Nebenerwerbsgründerin – im Kleinen startet und die Umsätze schmal sind, trifft die Kleinunternehmerregelung auf sie zu. Sie kann auf die Umsatzsteuer verzichten und ihre Waren oder Dienstleistungen günstiger anbieten. Die monatliche oder quartalsmäßige Umsatzsteuervoranmeldung entfällt ebenfalls.

Kleinunternehmer*in sind Sie, wenn Ihr Jahresumsatz aus der umsatzsteuerpflichtigen Dienstleistung oder der Ware den Wert von 17.500 EUR nicht überschreitet (ab 2020 sind es 22.000 Euro) und im laufenden Jahr voraussichtlich nicht über 50.000 Euro liegt.

Tipp: Wenn ein Existenzgründer hohe Ausgaben für seine Investitionen und somit ordentliche Vorsteuerbeträge hat, sollte er gut nachrechnen, ob die Kleinunternehmerregelung für ihn Sinn macht. Es gilt hier: Wer keine Umsatzsteuer ausweist, kann sich diese Steuer auch nicht über die Vorsteuer zurückholen. Sollten Sie sich für die Kleinunternehmerregelung entscheiden, müssen Sie auf der Rechnung vermerken, dass Sie von der Umsatzsteuer befreit sind.

Beispiel für die Besteuerung eines Kleingewerbes

Die 32-jährige Coloristin Uschi arbeitet Vollzeit bei einem Friseur. Am Wochenende und in ihrer Freizeit schneidert sie liebend gerne Dirndl. Anfangs nur für Freundinnen, irgendwann auf Nachfrage auch für Kundinnen. Es kommen immer mehr Aufträge herein. Sie beschließt ihre Dirndl-Nach-Maß über eine Online-Plattform zu vertreiben und gründet nebenberuflich ein kleines Unternehmen. Sie meldet ein Gewerbe an und hat (automatisch) ein Kleingewerbe.

Da sie ihre Dirndl selbst schneidert und im ersten Jahr ihr Umsatz etwa nur um die 10.000 Euro betragen wird, entscheidet sie sich für die Kleinunternehmerregelung. Sie muss also keine Umsatzsteuer zahlen. Gewerbesteuer ist auch keine fällig, da ihr Gewerbe-Einkommen unter 24.500 Euro liegt. Einkommenssteuerpflichtig ist sie aber durchaus, weil ihr Jahreseinkommen über 9.408 Euro liegt.

Buchhaltung ist nicht Uschis Lieblingsbeschäftigung und ganz abgesehen davon möchte sie auch noch Zeit mit Freund und Familie verbringen. Also sammelt sie gewissenhaft die Rechnungen und Belege für Stoffe und Nähmaterial und gibt sie im Bündel mit den Einnahme-Rechnungen ihrer Steuerberaterin.

Steuererklärung selbst machen oder einen Steuerberater engagieren?

Buchhaltung empfinden nur ganz wenige als sexy. Weit mehr als lästiges Übel. Aber es hilft ja nichts – sie muss erledigt werden. Sie haben mehrere Optionen. Die eine ist, chronologisch und vollständig Belege zu sammeln und beim Steuerberater abzugeben. Die andere Option ist: „Do it yourself“. Es gibt diverse Rechnungs- und Buchhaltungsprogramme, die bei der Bewältigung unterstützen.

Tipp: Sammeln Sie von Anfang an fleißig Ihre Belege. Besser Sie werfen im Nachhinein einen weg, als dass Sie einen neu anfordern oder suchen, suchen, suchen …

herMoney-Tipp

Unterschätzen Sie bitte niemals die Wucht der Steuern. Behalten Sie im Hinterkopf, dass Sie gegebenenfalls doch irgendwann Steuern zahlen müssen. Entwickeln Sie rechtzeitig mit Ihrem Steuerberater eine Strategie, wie Sie die Steuerbelastung verteilen und sich für Nachforderungen rüsten. Etwa über die Vorauszahlungen, das regelmäßige Abführen der Umsatzsteuer und Rücklagen in passender Höhe. Der Steuerberater klärt Sie auch über alle Steuerfreigrenzen auf und berät Sie, wie lange Sie steuerfrei sind.

Zum Weiterlesen: Denken Sie als Selbstständige an Ihre Altersvorsorge! Ob die Rürup-Rente sinnvoll sein könnte, erfahren Sie hier.

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