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Ob Job oder Finanzen: Mütter sind die Verliererinnen, beklagt Katrin Wilkens. Wie Sie gegensteuern können, verrät sie im Interview.

herMoney: Sind Sie als emanzipierte Frau eher der Typ Verona (Feldbusch) Pooth oder Alice Schwarzer?

Katrin Wilkens: Wie bitte?

herMoney: Erinnern Sie sich an das legendäre Interview, das 2001 die Damenwelt spaltete? „Body trifft Brain“ titelte damals der Spiegel. Wo finden Sie sich wieder?

Katrin Wilkens: Gute Frage, ich erinnere mich (lacht). Ich bin zwar Feministin, aber ich gehöre keinem dieser „Lager“ an. Ich muss jedoch anerkennen, dass Alice Schwarzer einiges für uns durchgeboxt hat. Sie hat auch mir den Weg bereitet, auf dem ich heute gehe. Ich bekenne freimütig: Ich wäre nicht so konfliktbereit gewesen wie sie.

herMoney: Wie weiblich darf eine emanzipierte Frau sein? Und was ist das überhaupt?

Katrin Wilkens: Das Äußere spielt für mich gar keine Rolle. Für mich ist entscheidend, mit welcher Haltung eine Frau für ihre Rechte eintritt. Es geht also nicht um eine wie auch immer geartete Inszenierung. Und auch nicht darum, Männer nachzuäffen. Für meinen Geschmack geht auch die #Metoo-Bewegung an vielen Frauen vorbei – sie kann sogar ein echtes Distanzierungswerkzeug sein.

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herMoney: Wieso das?

Katrin Wilkens: Wenn sich Hollywood-Stars schwarz kleiden, hat das mit meiner Gesamtwirklichkeit als Frau, Mutter, Geldverdienerin und Lernentwicklungsgesprächsteilnehmerin in der Regel herzlich wenig zu tun.

Wenn es um Gender-Wording geht, haben wir immer noch nicht die 50 Prozent weniger Rente thematisiert, die Frauen in Deutschland bekommen.

Wenn schicke, junge Berlin-Mitte-Hipster #metoo schreien, haben sie immer noch keine Gleichberechtigung. Die findet nämlich meist hinter verschlossenen Türen statt.

herMoney: Sie haben ein Buch über den beruflichen Wiedereinstieg von Müttern geschrieben. Darin erläutern Sie sehr unterhaltsam, wie unmöglich es ist, ein angemessenes Buch zu schreiben. Warum machen Sie es dennoch?

Katrin Wilkens: Weil wir auf diesem Gebiet noch nicht zu Ende gekämpft haben. Betrachtet man die Rentenungleichheit oder die Ungleichheit bei den Löhnen, dann liegt noch etwas Wegstrecke vor uns. Vor 100 Jahren haben Frauen für eine Teilhabe am öffentlichen Leben gekämpft, vor 50 Jahren ging es um die Befreiung des Körpers. Jetzt geht es ums Geld.

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herMoney: Sie schreiben vor allem über Mütter …

Katrin Wilkens: … weil es vor allem Mütter betrifft. Sie sind die großen Verliererinnen in unserem Verdienstkosmos. Vor allem dann, wenn sie zugunsten der Kinder im Job kürzertreten. Fast jede zweite Frau in Deutschland arbeitet heute Teilzeit.

herMoney: Wie viel von der „Frau von heute“ steckt in Ihnen?

Katrin Wilkens: Ich bin eine typische Frau, was die Selbstzweifel, den Perfektionismus und die hohen Ansprüche betrifft. Ansonsten habe ich aber eher eine ungewöhnliche Biografie – weil ich aufgrund einer Erkrankung meines Mannes Alleinverdienerin bin.

Dass die Frau für das Familieneinkommen verantwortlich ist, ist noch immer ungewöhnlich. Frauen sind gut ausgebildet, haben tolle Karrierechancen. Aber wenn Kinder da sind, stecken sie zugunsten der Familie zurück. Die Mechanismen sind sehr subtil.

Zwar „dürfen“ Frauen – anders als früher – heute erwerbstätig sein, aber dann heißt es: „Meinst Du nicht, dass Marie mehr Ruhe braucht und es besser für sie wäre, wenn sie schon nachmittags nach Hause kommen könnte?“ Welche Mutter steckt das ohne schlechtes Gewissen weg?

herMoney: Sie haben drei Kinder. Wie haben Sie es geschafft, Familie und Job zu vereinbaren?

Katrin Wilkens: Ich habe gelernt, Hilfe anzunehmen. Wir haben hilfsbereite Nachbarn, einen tollen Freundeskreis und zusätzlich noch einen Studenten, der mietfrei bei uns wohnt und uns dafür unterstützt. Ohne ein großes und gut funktionierendes Netzwerk ginge es nicht. Und natürlich muss man auch Abstriche bei den eigenen Ansprüchen machen.

Mir hat ganz sicher auch meine wilde Entschlossenheit geholfen, niemals aufzugeben. Arbeit war für mich schon immer mehr als bloßes Geldverdienen. Es ist ein wichtiger Teil meiner Identität

herMoney: Sie haben sehr erfolgreich als Journalistin gearbeitet. Warum haben Sie sich dann als Wiedereinstiegsberaterin selbständig gemacht?

Katrin Wilkens: Als Journalistin hatte ich mich auf Portraits spezialisiert. Nach der Hochzeit und der Geburt unserer drei Kinder war ich nicht mehr ad hoc verfügbar, was in diesem Job notwendig ist. Also habe ich zusammen mit einer befreundeten Kollegin überlegt, welche Fähigkeiten wir haben und was wir damit unter gegebenen Bedingungen anfangen können.

herMoney: Und welche Fähigkeiten sind das?

Katrin Wilkens: Journalisten können zuhören, die Themen verdichten, recherchieren. Und sie haben eine schnelle Auffassungsgabe. Das sind alles Fähigkeiten, die wir als Beraterinnen für den beruflichen Wiedereinstieg brauchen.

herMoney: Sie skizzieren in Ihrem Buch fünf Frauentypen, arbeiten also stark mit Stereotypen. Ist es wirklich so simpel?

Katrin Wilkens: Es ging mir darum zu zeigen, dass Frauen unterschiedlich sind und es auch sein dürfen. Klar musste ich das zuspitzen. Und klar gibt es mehr als fünf Archetypen. Aber die Erfahrung lehrt mich, dass diese Zuspitzungen der Realität recht nahekommen. Jede Leserin wird sich mit bestimmten Vorstellungen, Wünschen und Umständen identifizieren können.

herMoney: Sie schreiben in Ihrem Buch auch über das Ehrenamt, das wie ein Jungbrunnen wirke. Warum müssen immer Frauen die Welt retten?

Katrin Wilkens: Das ist nicht moralisch, sondern ganz pragmatisch gemeint: Wenn jemand Sinn im Ehrenamt findet, dann muss der Job vielleicht nicht immer der ganz große Wurf sein.

Manchmal bleibt man dann dem Beruf treu und wechselt nur die Branche. Vielleicht reicht auch schon ein Wechsel in ein Unternehmen anderer Größe, um sich von dem Druck zu befreien, man müsse etwas ganz besonders Sinnvolles machen.

herMoney: Haben Frauen zu naive Vorstellungen von der Selbständigkeit?

Katrin Wilkens: Viele Frauen träumen nach der Kinderpause davon, ein Müttercafé zu eröffnen. Das ist naheliegend. Männern ginge es vielleicht auch so, wenn sie sich über Jahre hauptberuflich um den Nachwuchs kümmerten.

Aber wirtschaftlich tragfähig ist das in den seltensten Fällen: Mütter brauchen in Cafés zuviel Platz, bitten darum, dass das Gläschen warm gemacht und die Windel entsorgt wird – und trinken über Stunden dann nur einen Kaffee. Das rechnet sich nicht.

herMoney: Mangelt es an strategischem Interesse oder an Affinität zu Geld?

Katrin Wilkens: An Affinität zu Geld und an Gelderziehung – und das ist nicht unwesentlich. Ich sage deshalb fast jeder Frau: Kümmern Sie sich, lassen Sie sich beraten. Konkrete Anlage-Empfehlungen geben wir nicht. Ich persönlich lege Geld zur Seite wie eine Knolle und gucke dann, was dabei herauskommt. Wenn man langfristig plant, macht es ja auch gar keinen Sinn, täglich auf die Rendite zu blicken.

herMoney: Wer sich nicht traut, Geld auszugeben, traut sich auch nicht, Geld einzunehmen – das hat Ihre Mutter Sie gelehrt. Entspricht das Ihrer Erfahrung?

Katrin Wilkens: Im Moment bin ich vorsichtig beim Geldausgeben. Aber meine Mutter hat das auch nicht in Bezug auf Konsum gemeint. Sie war Ostdeutsche und hat anders als Frauen im Westen lebenslang ganz selbstverständlich gearbeitet. Sie hat nicht eine Minute lang komisch geguckt, als ich mich selbständig gemacht und in unser Unternehmen investiert habe …

herMoney: Ist Ihnen das Investieren schwergefallen?

Katrin Wilkens: Nicht wirklich. Zum einen hat mein Mann damals noch gut verdient. Zum anderen haben wir alles sehr gut geplant und hatten die Kosten im Blick. In den ersten zwei, drei Jahren hatten wir beispielsweise kein eigenes Büro, sondern haben uns tageweise Büroraum gemietet.

herMoney: Wo müssen sich Frauen Kritik gefallen lassen? Wo stehen sie sich selbst im Weg?

Katrin Wilkens: Ich habe oft erlebt, dass Frauen sich nicht gut verkaufen. Schon die Bedeutung des Vertriebs wird meistens unterschätzt. Und dann steht dem hohen Anspruch an die eigene Arbeit oft eine seltsame Bescheidenheit in Gelddingen gegenüber. Das fängt damit an, dass mir studierte Mütter erzählen, ihnen würden 1.000 Euro im Monat reichen. Ich meine, eine Akademikerin darf nach der Babypause mehr als 1.000 Euro verdienen!

herMoney: Welchen Rat geben Sie Müttern?

Katrin Wilkens:  Etwas mehr Pragmatismus im Job, in der Familie und auch in Gelddingen. Und Obacht, dass bei wichtigen Entscheidungen nicht die Kinder vorgeschoben werden!

Katrin Wilkens hat Rhetorik studiert, beim Heidelberger Kress Report volontiert und sich 2000 als Journalistin selbstständig gemacht. 2011 hat sie denselben Schritt in die Selbstständigkeit ein zweites Mal mit i.do gewagt: Als Coach berät sie junge Frauen nach der Babypause und sucht ihnen innerhalb eines Tages einen neuen Job. Inzwischen hat sie mehr als 1000 Frauen beraten. Im März ist ihr neustes Buch erschienen: Mutter schafft. Westend Verlag.

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