Arbeitszeiten, die zu Familie und Leben passen? Ab 2019 wird der Wiedereinstieg in Vollzeit erleichtert.

Spätestens nach Geburt des ersten Kindes ist klar: Job, Baby und Haushalt – wow – was für eine Herausforderung! Und jede Frau versucht, den richtigen Weg für sich zu finden und die neue Aufgabe zu meistern. Die Job-Frage kommt als erstes auf: Arbeite ich weiter Vollzeit, arbeite ich Teilzeit, oder bleibe ich ganz zuhause?

Klingt nach Klischee? Laut einer Studie der Hans-Böckler-Stiftung aus dem Jahr 2017 zu Erwerbskonstellationen in Paarhaushalten  ist die traditionelle Rollenverteilung weiterhin Realität. Bei sieben von zehn Paaren arbeitet der Mann Vollzeit und die Frau Teilzeit. Frauen verharren dann häufig in der Teilzeit und finden nicht zurück in eine Vollzeitbeschäftigung – selbst dann nicht, wenn die Kinder längst aus dem Haus sind. Entsprechend mager fällt ihre Rente aus. Deshalb ist es wichtig, erst gar nicht in die Teilzeitfalle zu tappen und das „Zurück in die Vollzeit“ nicht aus den Augen zu verlieren. Ein neues Gesetz ermöglicht die Rückkehr zur Vollzeit.

Neues Rückkehrrecht

Die Rede ist vom Brückenteilzeitgesetz. Ab 01. Januar 2019 haben Arbeitnehmer*innen die Möglichkeit, ihre Arbeitszeit für einen Zeitraum von ein bis maximal fünf Jahren ohne Angabe von Gründen zu reduzieren. Danach ist eine Rückkehr in Vollzeit garantiert. Beispiel: Eine Frau bekommt ein Baby und geht für beispielsweise drei Jahre in Teilzeit. Danach geht´s automatisch zurück in das alte Arbeitszeitmodell. Um wie viele Stunden sie die Arbeitszeit reduzieren möchte, spielt dabei keine Rolle. Der Gesetzentenentwurf sieht keine Mindestarbeitszeit für die Brückenteilzeit vor.

Ob Teilzeit oder Brückenteilzeit: Alle Ansprüche aus dem Arbeitsvertrag richten sich nach dem vereinbarten Arbeitsvolumen. Das heißt: Mit der Arbeitszeit reduziert sich der Anspruch auf Urlaub, Gehalt, Sozialabgaben und Rentenpunkte. Kurz und knapp: Weniger Arbeit, weniger Geld!

Voraussetzungen für die Brückenteilzeit

Wer die Brückenarbeitszeit möchte, sollte allerdings einige Spielregeln kennen. Einen Anspruch auf befristete Teilzeit haben Sie erst, wenn Sie seit mindestens einem halben Jahr angestellt sind und Ihr Arbeitgeber mindestens 46 Beschäftigte zählt. Allerdings gilt bis zu 200 Mitarbeitern die sogenannte „Zumutbarkeitsgrenze“: Ihr Arbeitgeber muss pro 15 Beschäftigten nur jeweils einem Antrag auf befristete Teilzeit zustimmen.

Möchten Sie Brückenteilzeit, können Sie dies beim Arbeitgeber beantragen. Stellen Sie die Anfrage auf Arbeitszeitverringerung schriftlich mit Ihren Vorstellungen zu Zeitraum und neuen Arbeitszeiten mindestens drei Monate vor dem gewünschten Beginn. Jetzt liegt es an Ihrem Arbeitgeber, mit Ihnen den Plan zu diskutieren, zu ändern oder Ihrem Vorschlag zuzustimmen. Spätestens einen Monat vor dem gewünschten Beginn muss er Ihnen seine Entscheidung – ebenfalls ­– schriftlich mitteilen. Wichtig: Sagt der Chef bis spätestens einen Monat vor Beginn gar nichts, gilt die Brückenteilzeit als angenommen.

Abgemacht ist abgemacht

Haben Sie sich mit Ihrem Chef auf ein Arbeitszeitmodell während der Brückenzeit geeinigt, sind Sie an die neu vereinbarte Arbeitszeit gebunden. Sie können nicht nach einem halben Jahr überlegen: „Oh, das ist dann doch nichts für mich.“ Ein rechtlicher Anspruch auf vorzeitige Rückkehr zur früheren Arbeitszeit während der Brückenteilzeit besteht nicht. Auf einem anderen Blatt stehen wie immer freiwillige Vereinbarungen.

Die Neuregelung kann Angestellten zugute kommen, die bis dato in Teilzeit arbeiten und ihre Arbeitszeit aufstocken, sprich mehr Stunden arbeiten wollen. Neu ist, dass der Arbeitgeber künftig beweisen muss, dass er keinen entsprechenden freien Arbeitsplatz hat. Oder dass die oder der Teilzeitbeschäftigte nicht genauso gut geeignet ist wie mögliche andere Bewerber. Bisher lag die Beweislast auf der Seite der Arbeitnehmer.

Wie sich die Brückenteilzeit in der Praxis einführt, wird sich zeigen. Beispielsweise kann ein Arbeitgeber die Verringerung der Arbeitszeit aus betrieblichen Gründen ablehnen. Da Millionen Arbeitnehmer in Betrieben bis 45 Beschäftigte arbeiten, können längst nicht alle von der gesetzlichen Neuregelung profitieren. Viele andere Arbeitnehmer, die in Unternehmen zwischen 46 und 200 Mitarbeitern angestellt sind, müssen wohl würfeln, wer die Arbeitszeit mit Rückfahrschein reduzieren darf. Bleibt abzuwarten, wie viel betroffene Frauen tatsächlich aus der Teilzeitfalle herauskommen.

herMoney-Tipp: 

Egal, wer in der Familie von der Brückenteilzeit profitiert hat: Besprechen Sie unbedingt vor der Rückkehr in den Arbeitsalltag die Neuverteilung aller anstehenden Tätigkeiten: Wer kauft ein? Wer kocht, wer putzt? Wer bringt die Kinder in Kita, wer holt sie ab? Oft führt ein Zurück in den Fulltime-Job zu einer Doppelbelastung und Überforderung eines Partners. Mögliche Folgen: Frust und Familienkrise. Denken Sie daran: Eine Familie gründet man in der Regel zu zweit. Also sind auch zwei für die Familie und deren Belange zuständig.

 

Ines BaurInes Baur hat ihre journalistische Karriere beim Fernsehen begonnen. Nach der Geburt ihres dritten Sohnes hat sich die gelernte Bankkauffrau auf Print- und Online-Medien spezialisiert. Schwerpunktmäßig schreibt sie zu den Themen Frauen und Finanzen, Frauen und Alters-Vorsorge, Frauen und finanzielle Selbständigkeit.

 

 

 

 

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