Im Pflegeheim oder zuhause – die Versorgung im Alter wird für Familien schnell zum finanziellen Risiko. Drei Leitsätze erklären, wer welche Kosten trägt.

Zwischen 2.000 und 4.000 Euro im Monat kostet in Deutschland im Schnitt ein Platz im Pflegeheim – für Unterkunft, Mahlzeiten, Betreuung und pflegerische Versorgung. Wer Luxus wünscht, muss noch tiefer in die Tasche greifen. Einen Teil der Kosten übernimmt die gesetzliche Pflegeversicherung. Je nach Pflegegrad steuert sie zwischen 125 und 2005 Euro bei. Den Rest müssen die Betroffenen selbst finanzieren.

Noch deutlich teurer kann die Pflege werden, wenn der Pflegedienst nach Hause kommt. Stellt sich die Frage: Wer bezahlt, wenn sich Mutter und Vater nicht mehr alleine versorgen können und professionelle Hilfe nötig ist?

Quelle: https://www.bundesgesundheitsministerium.de/themen/pflege/online-ratgeber-pflege/leistungen-der-pflegeversicherung/leistungen-im-ueberblick.html

Leitsatz 1: Pflegegeld, Rente, Vermögen – zuerst geht es ans Geld der Eltern

Erstmal steht ein Kassensturz an: Kinder sollten mit ihren Eltern herausfinden, wie weit sich die Pflegebedürftigen selbst finanzieren können. Das heißt: Wie hoch ist die Rente? Gibt es Vermögen? Und wie viel Geld schießen Versicherungen zu?

Ein Blick auf die gesetzliche Pflegeversicherung: Sie springt im Pflegefall für alle ein, denn jeder Deutsche ist mit der Krankenversicherung auch automatisch bei einer Pflegekasse pflegeversichert. Auf Antrag prüft die Kasse oder der Medizinische Dienst, ob Mutti oder Vati – oder eben eine andere betroffene Person – über mindestens sechs Monate pflegerische Hilfe braucht. Denn erst dann gibt es einen Zuschuss zu den Kosten, abhängig vom sogenannten Pflegegrad. Finanziell unterstützt die Pflegekasse sowohl eine Versorgung im Heim als auch den Einsatz eines ambulanten Pflegedienstes. Auch Hilfe durch Angehörige zuhause wird bezuschusst. Die Wahl trifft die pflegebedürftige Person.

Allerdings bevorzugt der Gesetzgeber einen Weg: Ältere Menschen sollten optimalerweise von ihren Kindern, Enkeln oder anderen Angehörigen zuhause versorgt werden. Deshalb bezahlt die Pflegekasse zur finanziellen Unterstützung monatlich ein sogenanntes Pflegegeld – darauf hat der versicherte Pflegebedürftige einen gesetzlichen Anspruch. Die Höhe hängt vom Pflegegrad ab.

Pflegegeld steigt mit dem Pflegegrad

Die Beträge sind mit dem Zweiten Pflegestärkungsgesetz angehoben worden und liegen seit Anfang 2017 zwischen knapp 320 und 900 Euro im Monat (siehe Tabelle). Obendrauf gibt es die Möglichkeit, einen Antrag auf zusätzliche 125 Euro pro Monat zu stellen – als Entlastung für die pflegenden Angehörigen. Das Geld fließt aber erst nach Vorlage von Quittungen.

Einen ambulanten Pflegedienst bezuschusst die gesetzliche Versicherung mit den sogenannten ambulanten Pflegesachleistungen. Hier variieren die Beträge je nach Pflegegrad zwischen knapp 690 und 2.005 Euro. Für die stationäre Versorgung im Heim schießt die Kasse 125 bis maximal 2.005 Euro im Monat zu. Haben die Eltern darüber hinaus eine private Pflege-Zusatzversicherung abgeschlossen? Dann fließen auch diese Leistungen in den Kassensturz ein.

Übersteigen die Kosten der Pflege den Betrag, den die Versicherung bzw. die Versicherungen zahlen, müssen die Betroffenen die Lücke zunächst selber schließen – über ihre Rente und auch über ihr Vermögen.

Leitsatz 2: Bei finanzieller Not springt das Sozialamt ein – zumindest vorläufig

Reicht die Rente nicht aus und gibt es kein Vermögen, das oberhalb der Freigrenze von 5.000 Euro liegt? Dann haben Betroffene Anspruch auf Unterstützung. Zum Beispiel vom Sozialamt. Pflegebedürftige oder ihre Angehörigen können beim Sozialamt ihrer Stadt oder ihres Kreises einen Antrag auf die sogenannte „Hilfe zur Pflege“ stellen. Um Unterstützung vom Staat zu erhalten, müssen sie nicht nur die monatlichen Kosten, sondern auch ihr Hab und Gut offenlegen: darunter das Einkommen zum Beispiel aus Vermietung und Verpachtung, monatliche Bezüge aus der Rentenkasse oder aus Versicherungen und auch das Vermögen. Darüber hinaus verlangt das Amt auch Auskunft über die Vermögensverhältnisse aller im Haushalt lebenden Personen – geprüft werden unter anderem Sparbücher, Kfz-Papiere und Lebensversicherungen.

Ist der Antrag auf finanzielle Unterstützung vom Staat erfolgreich, strecken die Sozialhilfeträger die Zahlungen zunächst vor. Das gilt auch in dem häufigen Fall, dass sich die Pflegebedürftigen gar nicht mehr selbst um einen Antrag kümmern können. Werden die Kosten für Unterbringung und Pflege nicht vollständig vom Betroffenen oder den Bevollmächtigten bezahlt, wendet sich die Pflegeeinrichtung automatisch an das Sozialamt, das die Kosten dann zunächst übernimmt. Im zweiten Schritt aber holen sich die Sozialhilfeträger das Geld zurück, wenn möglich bei den Kindern der Pflegebedürftigen. Die bekommen dann einen Brief mit der Aufforderung, ihre Einkünfte und das Vermögen offenzulegen. Dabei kann der Rat eines Rechtsanwalts nötig sein.

Leitsatz 3: Elternunterhalt – Kinder und Familienmitglieder müssen die Lücke schließen

Grundsätzlich müssen Kinder ihre Eltern finanziell unterstützen, wenn sie bei der Pflege in Geldnot geraten – auch, falls gar kein Kontakt mehr besteht. Das ist gesetzlich verankert. Doch das Kind muss natürlich auch in der Lage sein, Geld an die Eltern abzutreten. Daher berechnet sich die Unterhaltssumme nach dem monatlichen Nettoeinkommen.

Vom Nettoeinkommen dürfen Betroffene einen Teil für die eigene Altersvorsorge abzweigen sowie sonstige Aufwendungen – zum Beispiel Fahrtkosten für den Job. Außerdem fallen Unterhaltszahlungen an die eigenen Kinder aus der Berechnung. Ist das Nettoeinkommen nach den Abzügen höher als der monatliche Selbstbehalt von 1.800 Euro bei Alleinstehenden und 3.240 Euro bei Verheirateten, muss die betroffene Person für ihre Eltern aufkommen – allerdings nur mit der Hälfte des Einkommens, das über den Freibetrag hinausgeht.

Erzielen die Kinder gar kein Einkommen, kann das Sozialamt trotzdem noch das Vermögen für den Elternunterhalt heranziehen. Hier wird es kompliziert: Welche Werte davon genau verschont bleiben und damit zum sogenannten Schonvermögen der Kinder zählen, hängt vom Einzelfall ab.

herMoney-Tipp:

Machen Sie sich frühzeitig Gedanken darüber, wie Sie die Pflege im Alter stemmen können – die Ihrer Eltern, aber auch die eigene! Und wenn das Sozialamt bei Ihnen klingelt, um Sie zum Elternunterhalt heranzuziehen: Holen Sie sich im Zweifel juristischen Rat von einem Anwalt oder den Rechtsexperten der Verbraucherzentralen.

Lesen Sie in Teil 2, welche Ausnahmen und Fallstricke es beim Elternunterhalt gibt: Wer muss in welchen Fällen Elternunterhalt zahlen?

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