Melanie Fulcyk ist Bankerin und hat einen ungewöhnlichen Zweitjob auf den Wiesn. Was sie antreibt, erzählt sie im Interview.

herMoney: Frau Fulczyk, Sie sind Bankerin und betreiben nebenbei eine Gulaschkanone auf dem Oktoberfest. Bezahlt die Finanzindustrie so schlecht, dass Sie einen Zweitjob brauchen?

Melanie Fulcyk (lacht): Nein! Das ist bei uns Familientradition. Schon meine Uroma, Oma und meine Mutter hatten einen Stand mit Brezn auf dem Oktoberfest. Als ich 18 wurde, habe ich nicht etwa den Führerschein von meinen Eltern geschenkt bekommen, wie viele andere aus meiner Klasse, sondern ich konnte mir das Geld dafür auf unserem Breznstand auf dem Oktoberfest verdienen. Und mit der Gulaschkanone haben wir uns vor fünf Jahren für den Stand beworben. Das Konzept hat überzeugt – zu unserer großen Überraschung haben wir dann eine Zusage bekommen.

Was genau machen Sie auf Ihrem Stand auf dem Münchener Oktoberfest?

Wir haben dort einen Stand, in dem wir Suppen und Eintöpfe anbieten – vom Gulasch mit Nudeln oder einer veganen Karotten-Ingwer-Suppe bis hin zur traditionellen Fischsemmel haben wir sehr vieles im Angebot. Ich mache dort alles: vom Standaufbau, über den Einkauf und Verkauf bis zum Kassieren und zum Unterhalten mit den Kunden. Wir achten dabei besonders auf qualitativ hochwertige Zutaten, die überwiegend aus der Region kommen. Die Brotlaibe, die wir als Suppenschüsseln verwenden, backt z.B. ein Bäcker, dessen Familie ich seit meiner Kinderzeit kenne.

Wie lange stehen Sie da auf dem Oktoberfest?

Das Oktoberfest geht zwei Wochen lang. In der 1. Woche bin ich immer auf dem Oktoberfest und in der 2. Woche bin ich tagsüber regulär im Büro und abends schwinge ich den Kochlöffel an der Gulaschkanone. Die Tage sind immer sehr lang- teilweise 12 bis 14 Stunden. Wir teilen uns das auf: Meine Mutter, meine Schwester und ich.

Das hört sich anstrengend, aber auch witzig an! Wie kamen Sie auf die Idee, eine Gulaschkanone auf dem Oktoberfest zu betreiben?

Das ist bei uns Familientradition. Schon meine Uroma, Oma und meine Mutter hatten einen Stand mit Brezn auf dem Oktoberfest. Als ich 18 wurde, habe ich nicht etwa den Führerschein von meinen Eltern geschenkt bekommen, wie viele andere aus meiner Klasse, sondern ich konnte mir das Geld dafür auf unserem Breznstand auf dem Oktoberfest verdienen. Und mit der Gulaschkanone, da haben wir uns vor fünf Jahren für den Stand beworben. Das Konzept hat überzeugt – zu unserer großen Überraschung haben wir dann eine Zusage bekommen.

Ich habe gehört, Ihre Gulaschkanone ist auch ein beliebter Treffpunkt unter Kolleginnen und Kollegen. Gibt es Berührungspunkte zwischen Ihren beiden Jobs?

Ja, das ist wirklich so! Viele Kunden und Kollegen aus der Branche wissen von unserer Gulaschkanone. Die Leute schätzen die angenehme und ungezwungene Atmosphäre – viele kommen zum Plaudern vorbei, essen bei uns und nutzen den Stand als Treffpunkt. Bei uns findet wirklich ein reger Austausch statt und oft habe ich dort schon zwei Vermögensverwalter einander vorgestellt und es haben sich interessante Möglichkeiten für die Beiden ergeben. Das freut mich dann ganz besonders!

Sie haben sicher nicht zu wenig zu tun. Was reizt Sie daran, neben Ihrem Beruf in der Bank auch die Gulaschkanone zu organisieren? Zusatz-Verdienst? Spaß? Ein zweites Standbein? Oder was sonst?

Die Gulaschkanone erdet mich sehr. Da muss ich alles machen: Wenn der Wind das Dach von unserem Stand beschädigt, muss ich es reparieren, wenn es regnet wie aus Eimern, muss ich dort auch stehen und einfach das Beste aus der Situation machen. Die Tätigkeit als „Unternehmerin“ auf Zeit – eben während des Oktoberfestes – gibt mir Einblick in die Welt meiner Kunden, wenn ich mit den Vermögensverwaltern über deren Geschäftsmodelle spreche. Neben der Erdung, die mir der Job an der Gulaschkanone gibt, hilft er mir auch kreativ zu sein, das nehme ich dann natürlich auch in meinen Job in der Finanzbranche mit.

Gibt Ihnen dieses 2. Standbein ein Gefühl von „Freiheit“ oder „Weniger Festgelegtsein“?

Die Gulaschkanone macht mir Spaß – dort zu arbeiten ist einfach etwas ganz anderes als in der Finanzbranche. Es ist schön, wenn man noch ein weiteres Standbein hat, aber darüber denke ich nicht laufend nach, dafür macht mir die Zusammenarbeit mit Vermögensverwaltern zu viel Freude.

Haben Sie vielleicht eine denkwürdige oder lustige Geschichte an der Gulaschkanone erlebt, die Sie uns erzählen können?

Ja: Es hatte fürchterlich geregnet, so sehr, dass die Straßen überschwemmt waren und sich dort kleine Flüsse gebildet haben. Anstatt das schlechte Wetter zu beklagen haben sich die Leute auf die überschwemmten Straßen gesetzt und zur Erheiterung aller anderen Gäste eine Art Ruder-Regatta veranstaltet. Ich fand es toll, dass sie die missliche Situation so humorvoll genommen haben.

Vielen Dank für das Interview! Und viel Erfolg und Spaß mit Ihrer Gulaschkanone auf dem diesjährigen Oktoberfest! 

Melanie FulczykNeben ihrem „eigentlichen“ Beruf als Relationshipmanagerin beim Berenberg Vermögensverwalter Office arbeitet Melanie Fulczyk  im Familienunternehmen an der Gulaschkanone auf dem Münchener Oktoberfest. „Unser Stand ist direkt vor dem Haupteingang vom Löwenbräu-Zelt. Gleich dort, wo der Löwe brüllt. Man findet uns auch auf Facebook oder kann uns auf Instagram folgen“, erklärt die Unternehmerin.

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