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Ratenzahlung ohne Zinsen klingt verlockend. Doch hier lauern oft Fallen. Welche das sind, erklärt Verbraucherschützerin Stephanie Heise.

Es klingt nach einem Schnäppchen, das das Budget schont und das man locker mitnehmen kann: den Riesen-Flachbildschirm, das schicke Handy oder das neue Auto sofort kaufen, kreditfinanziert zu null Prozent Zinsen. Aber so attraktiv solche Angebote in der Werbung klingen: Durch die Hintertür können sie teuer werden und versteckte Nachteile mit sich bringen.

Inhalt:

Finanzierung zu null Prozent, was bedeutet das überhaupt? Wie kann sich das überhaupt rechnen für einen Elektronikhändler, ein Auto- oder Möbelhaus? Händler wollen damit ihre Verkäufe ankurbeln, gerade für hochpreisige Produkte. Verbraucher, die mangels größerer Ersparnisse zögern, sind so leichter zu überzeugen. Aber hüten Sie sich vor typischen Fallen der Null-Prozent-Finanzierung!

Nachteil: Produkte mit Null-Prozent-Finanzierung häufig teurer

Zudem bieten manche Geschäfte mit Null-Prozent-Finanzierung ihre Produkte teurer an. Daher lohnt sich immer ein Preisvergleich. Oft ist ein Elektronikgerät ohne Finanzierung andernorts billiger zu haben. Und beim Autokauf kann ich besser über Rabatte verhandeln, wenn ich nicht auf einen günstigen oder kostenlosen Kredit angewiesen bin.

Nun könnte der um Käufer werbende Händler auch ganz simpel eine kostenlose Ratenzahlung anbieten. Warum also arbeitet er mit einer Bank zusammen? Weil er damit das Ausfallrisiko abwälzen kann. Würde er einem Kunden direkt Ratenzahlung einräumen und könnte der irgendwann nicht mehr zahlen, bliebe der Händler auf dem Restbetrag sitzen. Bei der Null-Prozent-Finanzierung erhält er den gesamten Kaufpreis sofort über das Kreditinstitut. Damit ist sein Ausfallrisiko gleich Null.

Zudem gibt es manchmal auch Vereinbarungen zwischen Händler und Kreditinstitut, dass für die Vermittlung von Null-Prozent-Finanzierungen Provisionen an den Händler fließen. Das erklärt, warum Verkäufer teilweise Überredungskunst anwenden, um barzahlungswilligen Kaufinteressenten eine Finanzierung schmackhaft zu machen. Um dafür keine Anreize zu geben, fordert die Verbraucherzentrale NRW, dass es keine direkten Kreditvermittlungsprovisionen für Verkäufer geben darf.

Lassen Sie sich keine teuren Zusatzprodukte andrehen

Ist die Null-Prozent-Finanzierung also quasi ein Geschenk des Kreditinstituts? Nein, auch Geldhäuser haben handfeste Interessen an einer solchen Finanzierung. Sie dient vor allem der Gewinnung geldwerter Daten von Neukunden. Ihnen können Banken dann weitere Produkte anbieten.

Manchmal kombinieren Banken auch kostenpflichtige Angebote mit der vorgeblich kostenfreien Finanzierung, so dass sich die null Prozent über das Zusatzprodukt rechnen. So wundern sich manche Kunden, warum sie nach Abschluss einer Null-Prozent-Finanzierung eine Kreditkarte zugeschickt bekommen.

In solchen Fällen wird mit dem Kredit, versteckt im Kleingedruckten, automatisch ein weiterer Rahmenkredit vereinbart: Ähnlich einem Dispokredit, nur getrennt vom Girokonto, stellt die Bank einen Kreditrahmen zur Verfügung, den der Verbraucher – meist über eine Kreditkarte – in Anspruch nehmen kann.

Für diesen zusätzlichen Rahmenkredit gelten die null Prozent allerdings nicht: Die Zinsen sind oft ebenso teuer wie beim Dispo oder sogar noch höher. Nimmt man den Kredit in Anspruch, indem man zum Beispiel mit der zugeschickten Karte einkauft, kann sich die Rückzahlung zudem teuer in die Länge ziehen. Da regelmäßig nur ein monatlicher Mindestbetrag vom Konto eingezogen wird, der kaum die Zinsbelastung tilgt, muss der Kreditnehmer die Rückzahlung aktiv erhöhen, wenn er keinen Schuldenberg auftürmen will.

Bei dieser Kreditform besteht ein besonders hohes Risiko, den finanziellen Überblick zu verlieren. Verbraucher sollten daher den Abschluss des zusätzlichen Kreditrahmens ablehnen. Mehr über Kreditkarten erfahren Sie in unserem Artikel „Kreditkarten im Vergleich: Das sollten Sie über Sicherheit, Gebühren und Arten wissen“.

Oft bekommen Kunden mit einer Null-Prozent-Finanzierung auch eine Ratenschutz- oder Restschuldversicherung aufgeschwatzt. Unter diesen und ähnlichen Begriffen wird vermeintlich unverzichtbarer Schutz verkauft, der Probleme bei der Ratenzahlung absichern soll. Es handelt sich um Risiko-Lebensversicherungen, die oft mit ergänzenden Zusatzversicherungen zum Beispiel für Arbeitsunfähigkeit, Unfall oder Arbeitslosigkeit verbunden werden. Häufig ist der Abschluss dieser Verträge durch das finanzierende Kreditinstitut im Finanzierungsvertrag bereits voreingestellt.

Versteckte Kostenfallen vermeiden

Da die Versicherungen wegen zahlreicher vertraglicher Ausnahmen oft gerade dann nicht leisten, wenn sie benötigt werden, gleichzeitig aber teuer sind, ist ihr Abschluss in der Regel nicht zu empfehlen. Kreditnehmer sollten die Vereinbarung direkt im Vertragsvordruck streichen oder die ungewollt abgeschlossene Versicherung widerrufen.

Auch im eigentlichen Kaufvertrag können Kostenfallen bei der Null-Prozent-Finanzierung lauern. Denn Kauf und Kredit laufen über zwei getrennte Verträge. Der Verkäufer kann also einen Null-Prozent-Kreditvertrag anbieten und zugleich im Kaufvertrag für irgendwelche Leistungen zusätzliches Geld verlangen, zum Beispiel für die Bearbeitung eines Autokaufs. Das ist erlaubt und darf sich trotzdem Null-Prozent-Finanzierung nennen, so lange die Extra-Entgelte nicht Kosten der Finanzierung sind.

herMoney-Tipp

Es lohnt sich immer, das Kleingedruckte im Kredit- und Kaufvertrag genau zu lesen, damit man sich bei der vermeintlich kostenfreien Finanzierung keiner Gefahr aussetzt und nicht doch draufzahlt. Und auch wenn alles sauber ist: Kaufen Sie nicht auf Pump, wenn Sie nicht ganz sicher sind, die Raten über die gesamte Laufzeit problemlos zahlen zu können. Denn muss man dafür den Dispokredit in Anspruch nehmen, wird aus den null Prozent ganz schnell ein teurer Spaß: Die Dispo-Zinsen liegen oft bei über zehn Prozent.

 

Stephanie Heise leitet den Bereich Verbraucherfinanzen bei der Verbraucherzentrale NRW.

 

 

 

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