Unsere Kolumne handelt von Geldgeschichten, die wir erleben. Ein Gespräch mit den Kindern!

Bald feiert meine Tochter ihren 16. Geburtstag. Wie vermutlich alle Teenager träumt sie davon, endlich mobil zu sein, ohne dass sie auf den Fahrdienst der Eltern oder öffentliche Verkehrsmittel angewiesen ist. Aber da gibt es natürlich zwei Punkte: 1. die Gefahren im heute so dichten Straßenverkehr, und 2. die Kosten für Führerschein und Equipment. Zum Glück haben wir festgestellt, dass wir beides im Griff haben.

Punkt 1: Da meine Tochter sehr umsichtig und vorsichtig ist, habe ich bei ihr keine allzu große Angst, wenn sie sich auf einem Zweirad durch den Verkehr bewegt – also Haken dran! Punkt 2 war bei uns wie vermutlich in allen Familien: „Mama, ich will den A1-Führerschein machen. Ich darf ja, wenn ich bald 16 bin, eine 125-er fahren. Das will ich unbedingt!“ – „Hast Du Dir schon Gedanken gemacht, was so ein Führerschein kostet?“ Ich hatte ehrlich gesagt keine Ahnung, wie hoch heutzutage die Kosten sein würden, und das entsprechende Equipment und natürlich die Maschine müssten ja auch noch gekauft werden. Die Kosten für alles würden mit Sicherheit das übliche Budget für ein Geburtstags- oder Weihnachtsgeschenk übersteigen, selbst wenn die ganze Familie zusammenlegt.

Aber meine Tochter hatte sich schon gedacht, dass die Kostenfrage gestellt würde und war vorbereitet: „Also, der Führerschein kostet etwa 1.200 Euro, je nachdem, wie viele Fahrstunden ich brauche. Nach Lederklamotten habe ich schon geschaut, und natürlich auch nach einem Helm. Beides zusammen kostet um die 800 Euro. Und nach einer Maschine habe ich schon zusammen mit Papa geschaut. Also die, die mit gefällt, ist gebraucht und kostet 1.500 Euro.“ Bevor ich mich über meinen Ex-Mann ärgern konnte, dass er mit unserer Tochter schon nach Motorrädern geschaut hatte, ohne mit mir darüber zu sprechen, fügte sie gleich an: „Ich hab doch dieses Fonds-Depot, wo Du und Oma und alle immer Geld eingezahlt haben. Davon will ich das Geld nehmen.“

Ein hübsches Sümmchen

Ja, das erweist sich jetzt tatsächlich als sehr praktisch. Zur Geburt unserer Tochter wollte meine Mutter – es war ihr 1. Enkelkind – ihr eine größere Summe schenken. „Du kennst Dich doch mit Finanzen aus, und wenn Du das Geld gut anlegst, kann sie sich später mal, wenn sie groß ist, einen Wunsch damit erfüllen“, sagte sie. Ich hatte damals mit anderen Müttern bei der Schwangerschafts-Gymnastik auch über Geldanlage für Kinder gesprochen. Eine wollte für ihr Kind unbedingt eine Ausbildungsversicherung abschließen, eine andere einen Bauspar-Vertrag, und den Abschluss einer Lebensversicherung hatten gleich mehrere in Erwägung gezogen.

Eine Ausbildungsversicherung ist nichts anderes als eine kleine Lebensversicherung, die in dem Alter fällig wird, wenn man normalerweise eine Ausbildung beginnt. Aber Ausbildungs- und Lebensversicherungen kamen mir zu gering rentierlich vor. Schon damals war die Rendite – bezogen auf die eingezahlten Prämien – niedriger als 3 %, und heute müsste man sich mit weniger als 1% begnügen. Bei Versicherungen geht viel Geld für Vertrieb, interne Kosten und die Absicherung des Todesfallrisikos drauf. Auch die Zinsen für einen Bausparvertrag kamen mir viel zu niedrig vor. Ich wollte das Geld für mein Kind in einen global investierenden Aktienfonds anlegen, oder gleich in mehrere. „Mensch, das kannst Du nicht machen, das ist ja viel zu riskant!“, sagte eine der anderen Mütter. „Na, die Kleine soll doch erst an das Geld dran, wenn sie 18 ist. Wenn zwischendrin mal ein Börsencrash passiert, hat sich das Depot bis zu ihrem 18. Lebensjahr sicher wieder erholt.“ – „Und was ist, wenn ausgerechnet kurz vor ihrem 18. Lebensjahr ein Crash kommt?“ – „Dann muss sie eben ein paar Jahre warten, bis sie an das Geld geht. So lange, bis sich alles wieder erholt hat“, antwortete ich.

Die Fonds-Anlage kam mir auch viel flexibler vor als eine Lebensversicherung oder ein Bausparplan. Wenn ihr jemand einmal Geld schenken würde, könnten wir jederzeit aufstocken. Oder Geld entnehmen, wenn mal eine Ausgabe für etwas Besonderes anfällt.

So machten wir es auch, und die Lösung erwies sich als ganz hervorragend. Der erste Betrag, den meine Mutter ihr zur Geburt schenkte, war die Grundlage. Ich richtete meiner Tochter ein Depot bei einer Fonds-Plattform ein, die wir in der Zwischenzeit einmal wechseln mussten, was aber unproblematisch war. Zeichnungsberechtigt sind – solange die Tochter noch keine 18 ist – wir Eltern gemeinsam. Das ist auch nach der Scheidung von meinem Mann so geblieben. So muss meine Tochter mit uns beiden sprechen, wenn sie an das Geld möchte. Meine Tochter ist Jahrgang 2001, es gab in der Zwischenzeit tatsächlich zwei Börsencrashs, aber das Depot steht mittlerweile ganz prächtig da.

Interesse bei den Kindern wecken!

Die Verwandten und engen Freunde wissen, dass es dieses Depot gibt. Einer der Taufpaten hat nach der Taufe ein Jahr lang regelmäßig monatlich eine bestimmte Summe eingezahlt. Andere Beträge kommen hier und dort mal zu Weihnachten, Geburtstag oder zu anderen Anlässen. Meine Tochter hat auch schon selbst in ihr Depot eingezahlt, als sie sich Geld durch Babysitting verdient hat, und gerade keine größeren Ausgaben hatte. Hin und wieder schauen wir das Depot an und überlegen, ob wir etwas tun müssen. Gewechselt haben wir glaube ich noch nie, aber es kamen mittlerweile weitere Fonds dazu, auf die jetzt die neuen Beträge fließen. So ist die Streuung breiter.

Meine Tochter hat bisher noch kein Geld von ihrem Depot entnommen. Mein zwei Jahre jüngerer Sohn ist da schon anders. Er braucht immer mal Geld und will dann an sein Depot. Mit ihm habe ich eine Abmachung getroffen: Der Kapitalstamm muss erhalten bleiben, aber wenn die Fonds gut laufen, darf er sich die Rendite abschöpfen, wenn er Geldbedarf hat. „Mama, wie laufen meine Fonds eigentlich?“ fragt er öfter. Wir schauen dann nach, wie die Börsen allgemein und seine Fonds im Speziellen gelaufen sind. So wurde in ihm automatisch ein gewisses Interesse am Börsengeschehen geweckt. Mittlerweile verwaltet mein Sohn ein eigenes Musterdepot bei Wikifolio, was ich klasse finde.

Eine Sache steht uns noch bevor: Wenn meine Tochter 18 wird, darf sie frei über das Depot verfügen, und wir beiden Eltern haben nichts mehr zu sagen. Die Tochter ist vernünftig, da nehme ich an, dass das kein Problem darstellen wir. Und mein Sohn? Da müssen wir sehen – zumindest glänzt er derzeit nicht mit übertriebener Vernunft. Vielleicht vereinbaren wir, wenn er 18 wird, lieber eine Und-Vollmacht, so dass er und ich gemeinsam unterschreiben müssen, wenn er Geld abhebt. Aber ob er sich darauf einlassen wird, weiß ich nicht. Womöglich soll man die Probleme angehen, wie sie anfallen. Er ist erst 15, also ist das Zukunftsmusik; vielleicht wird er bis dahin ja auch vernünftig!

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