Eine Hochzeit für 5000 Euro? Klappt nicht ganz, wissen die „Beziehungs-Investoren“. Aber fast! Ein Interview.

herMoney: Als Beziehungs-Investoren beschäftigt Ihr Euch mit der Geldanlage. Im vergangenen Jahr habt Ihr geheiratet. War Geld auch bei der Planung der Hochzeit ein Thema?

Marielle: Aber klar! Zwar habe ich mir schon als Kind eine Traumhochzeit ausgemalt – wie eine Prinzessin wollte ich mich fühlen, mit großer Feier und im weißen Kleid. Aber Träume sind Träume. Nachdem wir mit den Planungen begonnen hatten, zog Realismus ein…

Also Holzklasse statt Plüsch?

Mike: So nun auch wieder nicht! Aber es gibt Brautpaare, die nehmen einen Kredit für ihre Hochzeit auf oder leihen sich bei Eltern oder Freunden Geld. Uns war aber von Anfang an klar, dass wir nach der Hochzeit nicht noch Monate oder sogar Jahre lang irgendetwas abbezahlen wollten. Denn das schien uns kein guter Start in die gemeinsame Zukunft!

Hochzeits-Messen, aufwändiger Junggesell(inn)en-Abschied, Hochzeit auf einem Schloss – am besten mit Wedding-Planer: Um das Thema Hochzeit hat sich eine ganze Industrie entwickelt. Braucht man das?

Marielle: Wir haben auch ohne Wedding-Planer eine wunderschöne Hochzeit gefeiert, aber das setzt gute Planung voraus. Nach sieben Jahren Beziehung haben wir uns entschlossen zu heiraten. Ein Jahr später war es dann soweit.

…ein Jahr für die Planung?

Marielle: Es klingt vielleicht kitschig, aber für uns ist die Hochzeit ein ganz besonderer Tag. Uns war klar, dass wir die letzten sieben Jahre mit unseren Freunden und Familien feiern wollten. Am Anfang hatten wir jedoch gar keine Vorstellungen davon, was das alles kosten würde. Ich habe dann mal recherchiert und erfahren, dass eine Hochzeit auch mal 30.000 Euro oder mehr kosten kann…

Mike: …und ich hatte eher an ein Gesamtbudget von maximal von 5.000 Euro gedacht. Da gab es also eine große Diskrepanz.

Und wie seid Ihr es dann schließlich angegangen?

Marielle: Erst einmal machte sich leichte Panik breit. Wir sind ja beide eher sparsame Menschen. Aber andererseits wollten wir richtig schön feiern – Motto: Wir heiraten ja hoffentlich nur das eine Mal! Und dieses eine Mal sollte eben besonders werden. Es sollte den Träumereien nahekommen und dabei zu uns passen.
Mike: Wir haben dann erst einmal Fakten gesammelt und uns dann eine Liste gemacht – mit Dingen, die uns wichtig waren, auf die wir auf keinen Fall verzichten wollten. Und mit Dingen, auf die wir verzichten können ohne, dass es uns stört.

Und was war Euch wichtig?

Marielle: …dass alle Leute dabei sind, die uns etwas bedeuten. Dass es persönlich ist und das Essen schmeckt. Und natürlich wollten wir uns schöne Kleidung leisten. Ich gebe ja zu, dass das vor allem mir wichtig war!

Und wo habt Ihr Abstriche gemacht?

Mike: Wir waren uns einig, dass wir weder ein teures Feinschmecker-Mehrgang-Menü, noch Live-Musik, DJ oder eine aufwändige Dekoration benötigen. Das sind Posten, die ins Geld gehen können – hier kann man viel Geld sparen!

Eine Hochzeitsparty ohne Band oder DJ?

Marielle: Das mag seltsam klingen, aber wir waren in sieben Jahren Beziehung nicht einmal zusammen feiern. Und da wir selbst keine Party-Liebhaber sind, haben wir uns gegen einen DJ oder eine Band am Abend entschieden. Wir haben für die Hintergrundmusik einfach eine Spotify-Playliste erstellt – das reichte völlig aus! Aber natürlich muss jeder für sich selbst entscheiden, was unabkömmlich bzw. verzichtbar ist.

Wo gibt es denn noch Sparpotenzial bei der Hochzeit?

Marielle: Wichtig ist die Wahl der Location, da kann man sehr viel Geld sparen. Wir haben ein Vereinsheim gemietet und dafür nur 100 Euro bezahlt. Mit Zeit und Fantasie kann man viel selbst erledigen – wir haben den Raum dekoriert und Einladungen und Danksagungen selbst gebastelt. Das hat nicht nur Spaß gemacht, sondern auch viel Geld gespart!

Mike: Und dann haben wir viel Unterstützung von Freunden bekommen. Die Hochzeitstorte hat zum Beispiel eine Freundin von Marielles Mutter gebacken, andere Freunde haben Kuchen für den Sektempfang mitgebracht. Das sorgt auch für ein sehr persönliches Flair.

Habt Ihr Euer Ziel, nicht mehr als 5.000 Euro auszugeben, denn am Ende auch erreicht?

Mike (lacht): Ich hatte anfangs wohl etwas konservativ geschätzt. Wir sind am Ende unter 10.000 Euro geblieben, was unsere Wohlfühl-Obergrenze war. Dafür hatten wir eine wunderschöne Hochzeit mit mehr als 70 Gästen. Und wir haben unser Ziel erreicht, nur eins zu bezahlen: unsere Hochzeit oder die Flitterwochen in Australien und Neuseeland. Das hat Dank der großzügigen Geschenke bestens geklappt.

Welchen Rat möchtet Ihr Heiratswilligen geben?

Marielle: Eine gute Planung halte ich für extrem wichtig, wir haben eine Hochzeits-Checkliste erstellt, die einem hilft, den Überblick zu behalten. Und so ganz nebenbei steigt die Vorfreude enorm, wenn man sich selbst mit der Vorbereitung beschäftigt und sich nicht alles servieren lässt.

Mike: Hinterfragt Traditionen. Kirche? Ringe? Jungesellinnenabschied? Passen diese Dinge zu Euch oder ist es Ballast, der unnötiges Geld verschwendet? Am Ende ist es Eure Hochzeit und Euer Tag – gestaltet ihn nach Euren Vorstellungen. Das spart oft sehr viel Geld.

 

Foto: Beziehungs-Investoren
Marielle (Personalentwicklerin in der Frankfurter Finanzbranche) und Mike Schäfer (Psychologe im schulischen Kontext) bloggen seit 2016 gemeinsam auf www.beziehungs-investoren.de über Geld und Liebe. Die beiden sind seit 2010 ein Paar, seit 2017 verheiratet und investieren seit einigen Jahren gemeinsam. Ihr Anliegen ist es, Paare dabei zu unterstützen, erfolgreich zu investieren – sowohl in ihre Beziehung als auch und ihre finanzielle Zukunft – und sich als Individuen und Paar stetig weiterzuentwickeln.

 

 

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