Unsere Kolumne handelt von Geldgeschichten, die wir Frauen erleben. Ein Gespräch mit und über Frauen, die ihren Mann stehen.

Vorurteile beim Rollentausch?

Ein Facebook-Kommentar zu einem Artikel hat mich nachdenklich gestimmt. Da ging es um Eheverträge. Daniela hatte per Facebook moniert, dass mein Text ein „traditionelles Rollenbild suggeriere“. Ja, denke ich. Recht hat sie. Aber ist das nicht auch Realität? Dann fuhr ich zu meiner lieben Freundin Susanne nach Hamburg. Sie ist Managerin in einem Konzern, verdient gutes Geld – mehr als genug, um ihre Familie zu ernähren. Ihr Mann ist Künstler, ein begnadeter Maler würde ich sagen. Zwar bin ich kulturell minderbemittelt, im Kunstbetrieb kenne ich mich gar nicht aus. Aber das, was ich an den Wänden oder auch gestapelt im Atelierzimmer sehe, finde ich toll. Klaus hat Kunst studiert und kann was, ohne Zweifel. Nur vermarkten kann oder will er sich nicht. Deshalb haben Susanne und Klaus vereinbart: Klaus bleibt zuhause.

Das rechnet sich – für Susanne!

Susanne strahlt. „Das ist doch super so – er macht es uns schön zuhause und wenn ich abends von der Arbeit komme, muss ich mich weder ums Essen noch um den Haushalt kümmern.“ Klaus hat auch die Kinder versorgt, als sie klein waren – für sie gekocht und mit ihnen Hausaufgaben gemacht. Für Susanne eine ideale Lösung. Und finanziell, sagt sie, rechne sich das. „Warum sollte er irgendeinen Job machen, wenn am Ende nichts übrig bleibt“, sagt Susanne. Dem Ehegattensplitting sei Dank zahlt sie trotz ihres guten Einkommens kaum Steuern. Auch muss Klaus nichts für die Krankenversicherung bezahlen – er profitiert von der Familienversicherung der Gesetzlichen Krankenkassen, in der Ehegatten ohne eigenes Einkommen sowie Kinder keine eigenen Beiträge zahlen. Dann rechnet sie mir vor, was sie zudem für die Kinderbetreuung hätte bezahlen müssen. „Da ist es doch deutlich besser, er bleibt zuhause und hat Zeit, um zu malen.“

Ein Traum, denke ich erst. Oder nicht? Da schreiben wir lang und breit: Frauen, bleibt nicht ohne finanzielle Absicherung zuhause! Seht zu, dass ihr finanziell auf eigenen Beinen steht! Und wenn die Rollen dann getauscht werden klingt das, was eben noch konservativ war, plötzlich irre progressiv! Kann ja nicht sein, ich bohre nach. „Hast Du Klaus denn auch finanziell abgesichert – nur so für den Fall, dass ihr mal getrennte Wege geht?“, frage ich etwas unbeholfen. Susanne guckt irritiert. Ehevertrag – ne, wofür braucht man das denn? Ausgleich für den Einkommensverlust? So ganz leer ausgehen solle er nicht – vielleicht würde sie ihm im Fall der Fälle ihr Ferienhaus schenken. Schenken – klingt in meinen Ohren nach „mal sehen, wonach mir dann ist“. Eine auch für Klaus verlässliche Planung ist das jedenfalls nicht.

Gleiches Recht für alle!

Gleiches Recht für alle, denke ich. Mein Eindruck: Wenn wir Frauen mehr als unsere Partner verdienen, fällt uns das Teilen schwer. Als ich mich nach sechs Jahren Beziehung vom Vater unseres Sohnes getrennt habe, bekam ich oft zu hören: Gut, dass ihr nicht verheiratet ward, sonst hättest Du Unterhalt zahlen müssen! Hätte ich wohl nicht, weil ich in den ersten Jahren nach Ende des Studiums nur sehr wenig verdient habe. Aber ganz ehrlich: Die Möglichkeit, dass ein geschiedener Ex eventuell Anrecht auf Unterstützung hätte haben können, kam mir nicht einmal in den Sinn!

Gleichberechtigung ist so eine Sache. Da wird oft – und nicht nur in Gelddingen – mit zweierlei Maß gemessen. Bleibt die Frau zuhause, sind wir kritisch, aber großzügig – das wird als freie Wahl und zum Wohle der Kinder akzeptiert. Und nach einer Trennung sind wir im Zweifel die Opfer. Andersherum habe ich schon manch bösen Kommentar gehört. Ein Mann, der den Haushalt führt? „Die hält sich ein Schoß-Hündchen“, heißt es da. Und das ist dann schon die freundliche Formulierung. Kann das? Sind wir so in Klischees gefangen? Auch Susanne kam neulich aufgelöst von der Arbeit. Ihre Kollegen aus der Führungsetage würden ihren Mann ja eh nicht akzeptieren, die alte Leier mit dem Blick von außen. Bei geschäftlichen Empfängen der Rechtfertigungsdruck – ah ja, Künstler, so, so – wo stellen Sie denn aus? Ohne (bezahlten) Job ist ein Mann kein Mann, so scheint es. Ich merke, wie auch bei Susanne zuhause manchmal die Stimmung kippt und Klaus um Anerkennung buhlt. Von Susanne, aber auch von außen. Wenn ein Partner beruflich erfolgreich und eingebunden und der andere „nur“ zuhause ist, droht meistens ein Gefälle. Und Hausmänner haben es dann doppelt schwer.

Sie haben Geschichten zu Frauen und Geld erlebt, die andere wissen sollten? Dann melden Sie sich unter kontakt@hermoney.de. Wir erzählen es weiter!

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