Geben Frauen die Verantwortung für ihre Finanzen zu schnell ab?

Sie verlassen sich in Gelddingen gerne auf Männer. Aber nach meiner Einschätzung ist da gerade einiges im Umbruch. Frauen wollen ihre Finanzen zunehmend selbst in die Hand nehmen.

Muss denn jede und jeder immer alles allein erledigen können? Das Auto bringe ich doch auch zur Reparatur in die Werkstatt. Warum sind Sie bei der Geldanlage gegen Berater?

Ich bin nicht prinzipiell gegen Berater. Honorarberater etwa machen oft einen guten Job und wer ihre Expertise in Anspruch nehmen möchte: bitte sehr! Viele tun sich jedoch schwer, für die Beratung Geld zu investieren, weil es die ja vermeintlich auch kostenlos gibt. Die „kostenlose“ Beratung ist am Ende häufig teuer – denn wenn ein Berater am Tropf von Provisionen hängt, handelt er wahrscheinlich nicht in meinem, sondern in seinem eigenen Interesse. Das ist ein Interessenkonflikt, ein Fehler im System. Zudem bin ich überzeugt, man kann es gut auch selber machen. Aktieninvestments sind nicht so kompliziert. Zu Anfang ist etwas Arbeit erforderlich – quasi die Anfangsinvestition – aber auf lange Sicht sollte sich das rechnen.

Investieren Frauen und Männer unterschiedlich bzw. gehen sie unterschiedlich an Investments ran?

Von meinen Lesern sind 20 Prozent männlich und 80 Prozent weiblich. Mein Eindruck ist, dass Männer schneller kaufen – und Frauen erst einmal Umwege gehen. Das liegt vielleicht am weiblichen Perfektionismus: Frauen wollen immer auch alle Details verstehen. Sie haben mehr Angst vor Fehlern und kommen schlechter ins Handeln.

Welchen Rat können Sie Frauen geben?

Ich persönlich investiere in ETFs und achte auf breite Streuung – das heißt, ich berücksichtige Aktien aus den Industrienationen, aus Schwellenländern sowie Rohstoffe und Immobilien.

ETFs sind nicht in allen Marktsegmenten überlegen. Warum setzen Sie ausschließlich auf ETFs?

Ich möchte mich nicht auf das Geschick eines Fondsmanagers verlassen und dafür dann auch noch Geld bezahlen. Für mich sind ETFs die einfachste und effizienteste Form der Geldanlage – sie sind transparent und kostengünstig.

Haben Sie keine Angst vor der Wut und Enttäuschung Ihrer Leser/innen, wenn die Börsen einbrechen?

Nein, ich verkaufe ja keine heißen Aktientipps, sondern motiviere, eigene Entscheidungen zu treffen. Und ich weise immer wieder darauf hin, dass Rückschläge dazugehören. Darauf sollte jeder Investor vorbereitet sein und dann nicht in Panik verkaufen…

Verluste an der Börse tun weh, zumal, wenn nur wenig finanzieller Spielraum vorhanden ist….

…und deshalb rate ich dringend, vor jeder Investition ein Notfallbudget aufzubauen – mindestens drei Monate sollte man mit den Rücklagen auf dem Tagesgeldkonto gut über die Runden kommen. Und natürlich ist es wichtig, die eigene Risikobereitschaft zu überprüfen: Man sollte nachts auch dann gut schlafen können, wenn es an der Börse mal nicht so gut läuft.

Sie sprachen eingangs von dem Wert der Zeit, die man sich mit Geld erkauft. Wie sieht es bei Ihnen persönlich aus? Sie haben zwei Fulltime-Jobs. Keine Lust, sich mit dem Geld etwas Zeit zu kaufen?

Ich arbeite tatsächlich viel, rund 40 Stunden für WG-Suche und 30 Stunden als Moneypenny. Aber für mich ist diese unternehmerische Arbeit Teil meines Lebens, solange sie mir Spaß macht, es keine Routine gibt und ich mich weiterentwickeln kann.

 

Madame Moneypenny

Copyright: Jacqueline Häußler

Natascha Wegelin ist 32 Jahre alt und lebt in Berlin. Nach kurzen Festanstellungen bei Google und Parship gründete sie 2012 und mit 26 Jahren ihr eigenes Unternehmen „wg-suche.de“. Anfang 2017 verkaufte sie einen Teil des Unternehmens an ImmobilienScout24. Seit Anfang 2016 betreibt Natascha Wegelin den Finanzblog „madamemoneypenny.de“.

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