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Von alleine passiert nichts. Mutige Frauen haben gegen erhebliche Widerstände für Gleichberechtigung gekämpft. Eine Würdigung.

Mutig muss frau sein, kompetent und selbstbewusst, um das zu erreichen, was für Männer selbstverständlich ist. Sie habe die Ungleichbehandlung sehr früh erlebt, erinnert sich beispielsweise Helma Sick, die Grande Dame der Frauenfinanzen. In ihrem neuen Buch „Aufgeben kam nie in Frage“ beschreibt sie, wie ihr acht Jahre älterer Bruder gelobt und gefördert wurde, während sie selbst nicht nur Kränkungen, sondern auch Misshandlungen erfuhr. Eine gute Schulausbildung oder gar ein Studium? Unnütz – Du heiratest doch eh! So erging es vielen Frauen ihrer Generation. Die meisten haben sich damit abgefunden, nicht aber Helma Sick. Sie hat ein Abendstudium zur Betriebswirtin absolviert, gegen alle Widerstände Karriere gemacht und sich zeitlebens für Frauen engagiert.

Frauen wurden lange Zeit von Bildung ferngehalten. Ab 1899 durften Frauen Universitäten besuchen, allerdings zunächst nur als Gasthörerinnen. Ein Jahr später, im Jahre 1900, ließen mit Freiburg und Heidelberg nur zwei Universitäten Frauen zu. Erst 1908 wurden sie dann in Preußen offiziell zum Studium mit Abschluss zugelassen. Aussicht auf eine Professur hatten sie dennoch nicht. Es sollten weitere 15 Jahre vergehen, bevor Margarete von Wrangell 1923 zur ersten Professorin in Deutschland berufen wurde – als Chemikerin und Professorin für Pflanzenernährung an der Universität Hohenheim.

Rechte im Rückwärtsgang

Bis 1908 war es Frauen auch im Grunde verwehrt, am politischen Leben teilzuhaben. Mitgliedschaften in politischen Vereinen oder Parteien waren tabu, an ein Wahlrecht und Mitbestimmung gar war nicht zu denken. Feministinnen wie Anita Augsburg mussten Deutschland verlassen, um zu studieren. Augsburg, in Verden als Tochter eines Anwalts geboren, studierte in Zürich Jura und machte sich für ein Wahlrecht von Frauen stark. Dafür gründete sie 1902 den ersten „Frauenstimmrechtsverein“. Doch erst 1918 wurde Frauen das Wahlrecht gewährt, knapp 90 Prozent der wahlberechtigten Damen machten am 19. Januar 2019 bei der Wahl zur Verfassungsgebenden Nationalversammlung davon Gebrauch!

Einmal errungene Rechte gilt es immer wieder auf´s Neue zu verteidigen. Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten wurde Frauen das passive Wahlrecht wieder entzogen, auch in Sachen Bildung und Arbeit verschlechterte die Position der Frau: Studiermöglichkeiten wurden eingeschränkt und Beamtinnen mit Führungsfunktion aus dem Staatsdienst entlassen. Frauenverbände wurden wie andere zivilgesellschaftliche Organisationen „gleichgeschaltet“, also verboten.

Entmachtete Ehefrauen

Um die Rechte von Frauen war es de jure schlecht bestellt – vor allem Ehefrauen waren komplett entmachtet. Im Jahre 1900 wurde das von den Herren im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) manifestiert. „Dem Manne steht die Entscheidung in allen das gemeinschaftliche Leben betreffenden Angelegenheiten zu”, so Paragraph 1354. Der Ehemann hatte das alleinige Bestimmungsrecht über Frau und Kinder; Frauen durften ohne Erlaubnis nicht arbeiten, sie durften kein eigenes Konto eröffnen und immobil waren sie auch – einen Führerschein gab es bis 1958 nur für Männer. Durfte die Gattin arbeiten, verwaltete der Ehemann das Geld. Und er verfügte auch über jenes Vermögen, das die Ehefrau mit in die Ehe gebracht hatte. 

Das änderte sich im männlich dominierten Bundestag des Nachkriegs-Deutschlands nur langsam, obwohl mutige Frauen um die Sozialdemokratin Elisabeth Selbert es gegen den Widerstand vieler Männer durchgesetzt hatten, den Gleichheitsgrundsatz „Männer und Frauen sind gleichberechtigt” im Mai 1949 im Grundgesetz (Art. 3, Abs. 2) zu verankern. Dennoch: Erst 1962 durften Frauen ein eigenes Konto eröffnen; erst 1969 galten sie als „geschäftsfähig“. Und erst 1977 wurde der Passus im BGB gestrichen, nachdem Ehemänner den Job der Ehefrau kündigen können, wenn sie ihre häuslichen Pflichten nicht erfüllt.

Starke Frauen in der ehemaligen DDR?

Übrigens: Die „entmachtete“ Frau – das gab es nur in der Bundesrepublik. In der DDR war die Gleichberechtigung von Mann und Frau nicht nur in der Verfassung von 1949 verankert, sie wurde zumindest in puncto Ausbildung und Erwerbstätigkeit auch „gelebt“. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf – und eine umfassende Betreuung für Kinder – war ein wichtiges Anliegen der sozialistischen Regierung. Zum einen, weil Arbeit in der sozialistischen Theorie als individuelles Recht und menschliches Grundbedürfnis verstanden wurde, zum anderen aber auch, weil die sozialistische Wirtschaft auf die Arbeitskraft der Frauen angewiesen war. Die Frauenfrage, so die Stoßrichtung der Frauenpolitik, sei der Klassenfrage untergeordnet und löse sich mit ihr selbständig auf. Vor den Führungsebenen aus Politik und Wirtschaft jedoch machte die Gleichberechtigung Halt. In 40 Jahren war keine einzige Frau im Politbüro der SED vertreten!

Und wo stehen wir heute? „Früher durften Frauen nicht arbeiten, heute müssen sie arbeiten“, beklagt Finanzcoach Renate Kewenig im herMoney-Interview. Trotz aller Rechte: Es sind vor allem die Frauen, die die Risiken der Familiengründung tragen. Jede 2. Frau arbeitet Teilzeit, zum Teil selbst dann noch, wenn die Kinder längst selbständig. Dank Ehegattensplitting und der Familienversicherung in der Krankenversicherung macht das für die Familie Sinn – solange die Ehe hält. Doch jede 3. Ehe wird geschieden, in Großstädten sogar jede 2. Und dann können Frauen seit Ende des Unterhaltsrechts 2008 nur noch bedingt auf Unterhalt vom Ex hoffen. Wer zugunsten der Familie auf Einkommen und Karriere verzichtet, zahlt also unter Umständen lebenslang.

Gleicher Lohn für gleiche Arbeit?

Eine wichtige Voraussetzung für Freiheit ist finanzielle Unabhängigkeit. Gleicher Lohn für gleiche Arbeit: Das ist seit 1980 im Gesetz geregelt. Doch faktisch ist das noch heute, 39 Jahre später, nicht erreicht.

Sowieso: Geld gilt vielfach noch als „Männerdomäne“ – Wirtschaftsmagazine und Finanzseiten sind auf Männer zugeschnitten. Das ändert sich – wenn auch langsam. Engagierte Frauen wie Helma Sick oder auch Informationsplattformen wie herMoney möchten Frauen ermutigen, sich mit ihren Finanzen zu beschäftigen. Und sie dabei unterstützen, gute Entscheidungen zu treffen. Wir meinen: Geldanlage ist kein Hexenwerk. Und finanzielle Unabhängigkeit ist es wert, sich mit dem Thema zu beschäftigen.

Durchsetzungskraft ist bisweilen auch im Job gefragt. Nicht gleich klein beigeben, nicht persönlich betroffen sein, wenn es Widerstände gibt, sondern beharrlich und konsequent nach vorne schauen. Auch die Männer müssen ihre Rolle in modernen Gesellschaften ganz neu definieren. Christine Lagarde, Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), fasst es in einem simplen Tweet zusammen: „My message to girls: “Make sure to focus on your education. Make sure to train yourself and accumulate knowledge. This is going to serve you your entire life.” And to men I would say: “Don’t be afraid of women. Because when they come to the table, they will be inclusive. By bringing women to the table, you will make the table larger, not smaller.”

Weltfrauentag - Frauenrechte Zeitstrahl
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