Unsere Kolumne handelt von Geldgeschichten, die wir Frauen erleben. Heute: Börse als skrupelloses Geschäft?

Susanne ist richtig sauer. Wie ein Rohrspatz schimpft sie vor sich hin, während sie die Tagesschau sieht. „Das ist eine Riesen-Sauerei“, entfährt es ihr. „Die stecken sich das Geld einfach untereinander zu.“ Anlass für ihren Ärger sind neueste Meldungen der Deutschen Bank, die mehr als zwei Milliarden Euro Boni an ihre Mitarbeiter verteilt, obwohl im vergangenen Jahr ein dickes Minus erwirtschaftet worden ist. „Wo gibt´s denn so was – Belohnung für einen Misserfolg?“

Tiefer eintauchen mag Susanne nicht. Die Meldung bestätigt nur, was sie schon immer wusste: „Börse ist ein skrupelloses, unmoralisches Geschäft. Daran beteilige ich mich nie und nimmer!“

Als ich interessiert nachfrage, was das denn mit Börse zu tun habe, guckt sie irritiert. Ob ich die Frage ernst meine – ob ich schon vollkommen blind auf beiden Augen sei, naja, bei Deinem Job – das verwundert mich nicht… Und dann holt sie aus: Unternehmen verdienten Milliarden und es sei noch immer nicht genug. Für ein „mehr“ an Gewinn machten sie alles – sie produzierten unter unwürdigen Bedingungen und zu Dumping-Preisen am anderen Ende der Welt, zahlten dann auf die Milliarden-Gewinne nicht mal Steuern, sondern nutzten Briefkastenfirmen in den Steuerparadiesen dieser Welt. Und von den Umweltsünden ganz zu schweigen. Geld um jeden Preis verdienen, so ihr Resümee, das will ich nicht!

Alles für die Aktionäre?

Ich fühle mich etwas in die Ecke gedrängt. Klar ist es schlimm, was manche Unternehmen sich so leisten – daran beteiligen möchte auch ich mich nicht. Und klar ist es zunächst einmal verstörend, dass etwa Aktienkurse von Unternehmen regelmäßig dann steigen, wenn Standorte geschlossen und Mitarbeiter entlassen werden. Aber schließen die Standorte wegen der Aktionäre? Oder vielleicht eher deshalb, weil Unternehmen im Stillstand gar keine Chance haben, langfristig zu bestehen? Wie schnell ein Weltmarktführer ohne Anpassung scheitern kann, hat der Foto-Pionier Kodak gezeigt, der nach 131 Jahren Firmengeschichte an der Digitalisierung gescheitert ist. Oder auch Nokia, ehemals weltgrößter Handy-Anbieter, der den Sprung zum Smartphone verschlief. Tausende Arbeitsplätze gingen so verloren.

Aber eigentlich geht es mir um etwas ganz anderes. „Was machst Du denn mit deinem Geld“, will ich wissen. „Gar nichts“, sagt Susanne. „Ich lass es einfach auf meinem Konto liegen.“ Hm, und was meinst Du, was da mit deinem Geld passiert? Susanne guckt fragend – wie meinst Du das? Na ja, Dein Geld arbeitet auf jeden Fall, aber wenn es auf der Bank liegt, hast Du gar keinen Einfluss darauf, was mit Deinem Geld geschieht. Als Aktionärin dagegen entscheidest Du! Niemand zwingt Dich dazu, Dich an Unternehmen zu beteiligen, deren Geschäfte oder Geschäftspraktiken Du nicht vertreten kannst. Aber es gibt ja vielleicht auch Unternehmen, die Deine Werte vertreten. Die keine Skandale produzieren, sondern Gutes bewirken – die etwa Menschen den Zugang zu Wasser ermöglichen oder Technologien für erneuerbare Energien entwickeln. Als Aktionärin kannst Du das unterstützen und dank Deines Stimmrechts auch noch über die Unternehmenspolitik mitbestimmen!

Mit Geld abstimmen

Ist das nicht alles Augenwischerei, will Susanne wissen. Finde ich nicht. Wir haben viel mehr Einfluss, als wir glauben. Zum Beispiel als Konsumenten – wenn regionale oder biologisch angebaute Lebensmittel nachgefragt werden, kann es sich nicht mal ein Discounter leisten, das zu ignorieren. Auch Investoren stimmen mit ihrem Geld über zukünftige Entwicklungen ab. Anbieter von Streubomben etwa werden aus immer mehr Fonds verbannt, ganz einfach, weil sich daran niemand beteiligen möchte. Augenwischerei? Ein wenig vielleicht – möglich, dass vieles nicht aus Überzeugung, sondern aus Gründen des Images umgesetzt wird. Aber ist es am Ende nicht das Ergebnis, das zählt?

 

 

 

 

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