Das wichtigste vorab: Die Frage ob Sie eine Krankenversicherung abschließen, stellt sich nicht: Sie sind dazu verpflichtet. Interessanter ist die Frage, wie und wo Sie sich versichern.

Stand: Februar 2018

Sie sind „pflichtversichert“?

In Deutschland gibt es zwei höchst unterschiedliche Systeme: das gesetzliche und das private. Sind Sie angestellt und liegt Ihr Einkommen unter 4.800 Euro im Monat (2017), dann brauchen Sie sich über die private Krankenversicherung (PKV) erst einmal keine Gedanken zu machen. Denn dann sind Sie automatisch Mitglied der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). Aber innerhalb der GKV können Sie zwischen mehr als 100 Krankenkassen wählen. Zwar ist der „allgemeine Beitragssatz“ bei allen Kassen mit 14,6 Prozent Ihres Bruttolohnes gleich hoch. Aber die Kassen erheben sogenannte Zusatzbeiträge, die in der Höhe variieren. Zudem unterscheiden sie sich im Leistungsangebot. Ob professionelle Zahnreinigung, Homöopathie oder Osteopathen: Prüfen Sie neben den Kosten auch, welche Leistungen Ihnen wichtig sind.

Sie haben die Wahl?

Sie verdienen mehr als 4.800 Euro im Monat, sind verbeamtet oder selbständig? Dann haben Sie die Wahl – zwischen der gesetzlichen und der privaten Krankenversicherung. Beide haben Vor- und Nachteile. herMoney hat die wichtigsten Besonderheiten der beiden Lager für Sie zusammengestellt.

Was gesetzlichen Kassen auszeichnet

  • Bei AOK & Co. hängen die Beiträge vom Einkommen ab. Wer gut verdient, zahlt mehr, wer wenig verdient, weniger. Die Kosten, die ein Mitglied verursacht, spielen für den Beitrag keine Rolle. Alte und Junge, Kranke und Gesunde sind bei gleichem Einkommen zu den gleichen Konditionen versichert. Zudem dürfen die Kassen keinen Interessenten ablehnen. Ausnahme: Ein Privatversicherter will in die GKV zurück. Aber dazu unten mehr.
  •  Alle Kassenmitglieder haben Anspruch auf dieselben Leistungen – egal was sie zahlen. Übermäßigen Luxus sollte aber niemand erwarten. Das Gesetz schreibt vor, dass die Kassen nur Behandlungen bezahlen dürfen, die ausreichend, notwendig und wirtschaftlich sind und „das Maß des medizinisch Notwendigen nicht überschreiten.“
  • In der gesetzlichen Versicherung sind die Familienangehörigen eines Mitglieds kostenlos mitversichert, wenn sie kein eigenes Einkommen haben.
  • Ein Wechsel zwischen verschiedenen gesetzlichen Kassen ist ohne Probleme möglich. Wer die Voraussetzungen erfüllt, darf jederzeit ins private Lager wechseln.

Was die privaten Versicherungen leisten

  • Allianz & Co. bieten eine Vielzahl unterschiedlicher Tarife zu unterschiedlichen Preisen. Erlaubt ist, was gefällt – und was der Kunde bezahlen kann. Verbindliche Leistungs-Limits wie in der gesetzlichen Kasse gibt es nicht. In (teuren) Top-Tarifen profitieren Kunden daher oft von deutlich besseren Leistungen, als die Kassen sie bieten.
  • Anders als gesetzliche Kassen müssen private Versicherungen nicht jeden Kunden akzeptieren. Vor Vertragsschluss führen sie einen sogenannten Risikocheck durch. Wer alt oder krank ist (und deshalb voraussichtlich höhere Kosten verursacht) kommt oft nicht unter – oder zahlt hohe Risikoaufschläge.
  • Private Krankenversicherer kennen keine kostenlose Familienversicherung. Jeder Kunde zahlt daher seinen eigenen Beitrag. Das kann für Familien sehr teuer werden.
  • Wenn Sie einmal privat versichert sind, kommen Sie nur schwer zurück in die GKV – es sei denn, über ein Angestelltenverhältnis mit weniger als 4.800 Euro Gehalt. Dann sind Sie automatisch (wieder) „pflichtversichert“.  Auch ein Wechsel zu einem anderen privaten Anbieter ist vielfach teuer. Die Entscheidung für eine Private ist daher oft eine Entscheidung fürs Leben – und sollte reiflich überlegt sein.

herMoney Tipp:

Sie sind topfit, nicht „pflichtversichert“ und Sie legen Wert auf umfangreiche medizinische Leistungen? Dann sollten Sie sich jetzt mit der privaten Krankenversicherung beschäftigen. Denn es gilt: je früher, desto besser. Mit zunehmendem Alter kommen Krankheiten dazu und ergo wird der Versicherungsschutz teurer. Mitunter werden einzelne Vorerkrankungen dann auch aus dem Paket ausgeschlossen. Überlegen Sie, welche Leistungen für Sie wichtig sind und vergleichen Sie das Angebot – am besten mit Hilfe eines unabhängigen Beraters. Und bedenken Sie: Heute mag Ihnen ein Tarif günstig erscheinen, aber die Versicherungsprämien steigen im Alter. Fragen Sie deshalb nach, wie sich die Altverträge des Anbieters Ihrer Wahl entwickelt haben. Sonst droht Ihnen später – wenn Sie wahrscheinlich mehr Leistungen benötigen als heute – die Rückstufung in einen Basistarif.

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