Endlich Student! Mit der Immatrikulation sollten angehende Akademiker auch ihren Versicherungsschutz überprüfen.

Nach Schulzeit oder Ausbildung beginnt oft mit dem Studium noch einmal ein völlig neuer Lebensabschnitt. Plötzlich ist vieles neu und unbekannt und nicht selten muss man sich um eigene Wohnung, Stundenplan und einfach ums Leben kümmern. Bisher haben sich junge Menschen über Versicherungen und Finanzen oft noch keine Gedanken machen müssen. Um Krankenkasse, Haftpflicht & Co haben sich Mama oder Papa gekümmert. Und auch im Studium macht man keinen Schein in „Lebenspraxis“ – das Proseminar „Auf eigenen Füßen“ sucht man im Vorlesungsverzeichnis vergeblich.

Aber keine Angst: In den meisten Bereichen brauchen Studis auch weiterhin noch keine eigenen Versicherungen, da sind sie oft noch über ihre Eltern mitversichert. Und wird doch ein eigener Schutz benötigt, heißt es Angebote zu vergleichen und auch das Kleingedruckte zu studieren!

Krankenversicherung

Ist Pflicht für jeden! Die meisten Studenten sind zu Beginn des Studiums noch beitragsfrei über ihre Eltern in deren gesetzlicher Krankenversicherung (GKV) krankenversichert – und zwar bis zum 25. Lebensjahr. Aber Achtung: Wer beim Studentenjob mehr als 450 Euro verdient, muss sich auch selber versichern, in den Semesterferien darf aber auch mal mehr verdient werden.

Hat man das Vierteljahrhundert dann schon voll, muss sich der Student selbst und auch beitragspflichtig kranken- und pflegeversichern. Bis zum 30. Lebensjahr oder dem 14. Fachsemester können ‚ältere Semester‘ immer noch von dem vergünstigten Beitrag für Studierende profitieren, der je nach Zusatzbeitrag der Krankenkasse bei rund 90 € pro Monat liegt. Danach wird es teurer.

Privat oder gesetzlich?

Erstsemester, die bisher über ihre Eltern privat krankenversichert sind, stehen bei der Einschreibung vor der Wahl, ob sie während des Studiums dort bleiben oder in die GKV wechseln wollen. Anders als in der GKV fallen in der Privaten Krankenversicherung (PKV) ab dem 1. Semester Beiträge an, da es dort keine beitragsfreie Familienversicherung gibt. GKV und PKV haben beide ihre Vor- und Nachteile während des Studiums. Die GKV ist meist günstiger und einfacher in der Handhabung, da der Arzt oder das Krankenhaus direkt mit der Kasse abrechnen. Wer später in den Staatsdienst möchte, also beispielsweise Lehramtsstudenten, sollte über einen Verbleib in der PKV oder zumindest über eine sogenannte Anwartschaftsversicherung für die spätere Rückkehr in die PKV nachdenken. Wer unsicher ist, sollte sich hierzu beraten lassen. Spätestens aber zur Immatrikulation muss ein Versicherungsschutz vorliegen.

Auslandsreise-Krankenversicherung

Wer ein Auslandssemester oder einen Urlaub im Ausland plant, sollte zusätzlich eine Auslandskrankenversicherung abschließen. Die ist meist preiswert zu haben. Hier gilt es sich je nach Zielland über den dortigen Schutz zu informieren – und das bitte vor dem Abflug! Denn die gesetzliche Krankenkasse zahlt nur für erforderliche Behandlungen in europäischen und einigen fernen Ländern, und auch das nicht immer in voller Höhe. Die private Zusatzversicherung hingegen übernimmt die Kosten weltweit – also etwa in den USA, Asien und Australien – und dann auch für den Rücktransport.

Haftpflichtversicherung

Für die Privat-Haftpflichtversicherung besteht zwar keine gesetzliche Pflicht, sie sollte aber so behandelt werden. Die Privat-Haftpflichtversicherung springt ein, wenn der Versicherte einem Dritten aus Versehen einen Schaden zufügt. Der Rotweinfleck auf dem Teppich des Freundes oder der Lackschaden am Auto des Nachbarn durch das umgefallene Fahrrad sind vielleicht noch aus eigener Tasche zu bezahlen. Spätestens aber wenn Personen zu Schaden kommen, können die Schadenersatzforderung schnell in die Hundertausende gehen – und darüber hinaus.

Studenten sind in der Regel während des Studiums bei ihren Eltern in deren Privat-Haftpflichtversicherung mitversichert. Es ist ratsam, sich den Versicherungsschutz noch einmal vom Versicherer bestätigen zu lassen. Denn bei einigen Anbietern endet der Versicherungsschutz für die Kinder, wenn sie ein eines bestimmtes Alter erreicht haben.

Berufsunfähigkeit

Als junger Mensch denkt man kaum über die Folgen möglicher Unfälle oder Krankheiten nach. Und über ein nennenswertes Arbeitseinkommen verfügt man als Student auch noch nicht. Dennoch ist es sinnvoll, die Arbeitskraft schon zu Studienzeiten finanziell abzusichern: Die Beiträge sind dann noch niedrig und ein Zugang in jungen und gesunden Jahren ist oft leicht möglich, weil vor Abschluss eine Gesundheitsprüfung erforderlich ist.

Die Berufsunfähigkeits-Versicherung (BU) ist zwar auch dann nicht ganz preiswert, aber das Geld ist gut investiert. Vielleicht können Eltern oder Großeltern hier zu Beginn etwas beisteuern. Beim Vertragsabschluss sollte auf eine “Nachversicherungsgarantie” geachtet werden, um auch nachträglich und ohne erneute Gesundheitsprüfung die Versicherungsleistung dem späteren Bedarf entsprechend erhöhen zu können. Der Teufel bei den BU-Versicherungen steckt oft im Detail. Für Durchblick im Tarifdschungel und eine maßgeschneiderte Absicherung ist es sinnvoll, sich ausführlich von einem unabhängigen Experten beraten zu lassen.

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Hausrat-Versicherung

Auch hier gilt: Der Hausrat in der Studentenbude im Wohnheim oder im WG-Zimmer ist oft während des Studiums noch über die Eltern mitversichert. Die versicherte Summe ist abhängig vom Tarif der Eltern und reicht meistens für das Billyregal und Omas alten Kleiderschrank aus. Wer teure Laptops oder anderen teuren Hausrat hat, solltet über einen eigenen Schutz nachdenken. Ein Blick in die Bedingungen und gute Beratungen helfen bei der Tarifwahl weiter.

Risiko-Lebensversicherung

Wer noch keine Kinder oder Angehörigen hat, der braucht auch keine Absicherung für den eigenen Todesfall treffen. Wer aber zwischen Vorlesung und Seminar schon Windeln wechselt oder den eigenen Nachwuchs in der Uni-Kita betreuen lässt, der sollte auch für den Fall der Fälle eine Risiko-Lebensversicherung abschließen. Diese leistet dann im Todesfall die vereinbarte Summe an die Hinterbliebenen und da sollten es schon sechsstellige Beträge sein.

Altersvorsorge

Meist ist das Geld während des Studiums knapp. Wer aber noch etwas Geld übrig hat, der sollte mit ersten Bausteinen fürs Alter vorsorgen. Hier bieten sich beispielsweise kostengünstige und flexible Lösungen wie ETFSparpläne oder andere Formen an. Achtung vor selbsternannten Vermögensoptimierern und Beratern mit oft teuren Versicherungspolicen, die gerne auch schon ihre Produkte in Hörsälen und auf Abschlussfeiern anbieten.

Überflüssige Policen

Auch wenn das Handy das Ein und Alles ist, der Verlust schmerzlich und vielleicht auch teuer ist: Eine Handyversicherung braucht man dafür nicht und auch die Reisegepäckversicherung deckt meist kein existentielles Risiko ab. Auch Kapital-Lebensversicherungen sind meist nicht sinnvoll. Das Todesfallrisiko sichert man weit günstiger über eine Risiko-Lebensversicherung ab und für die Altersvorsorge gibt es bessere Produkte.

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Philipp Opfermann ist Versicherungsexperte bei der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen, die in ihren 61 Beratungsstellen neutral und unabhängig jährlich rund 8000 Versicherungsberatungen durchführt. Infos zur Beratung der Verbraucherzentralen bundesweit gibt es unter www.verbraucherzentrale.de/beratung.

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