Geld leihen kostet – selbst im Zinstief ist Konsum auf Kredit nicht zu empfehlen. Über den leichtfertigen Umgang mit geliehenem Geld.

Das Angebot eines Kreditgebers klingt  verlockend: Ein „Sofortkredit ohne Stress“ wird offeriert – binnen zehn Minuten kann man online 3.000 Euro klar machen und sich so einen kleinen Traum erfüllen. Einfach mal über die Stränge schlagen und eine teure Urlaubsreise machen? Eine neue Küche, ein neues Sofa? Oder einfach nur etwas mehr Spielraum zum shoppen? Wer wollte das nicht! Doch Obacht: Geschenkt wird hier nichts. Die finanzielle Freiheit müssen Sie als Kreditnehmerin über 84 Monate mit einer monatlichen Rate von 44 Euro abbezahlen. Für 3.000 Euro werden also 3.696 Euro fällig.

Geld hat seinen Preis, auch im Zinstief. Beispiel Dispositionskredit: Der Kreditrahmen wird einmal vereinbart, dann können Sie das Geld ohne Antrag in Anspruch nehmen. Für diese Flexibilität zahlen Sie aber einen Zinssatz, der deutlich über dem aktuellen Zinsniveau liegt. Aktuell etwa müssen Sie je nach Anbieter zwischen sechs und zwölf Prozent pro Jahr für einen Dispokredit zahlen – während Ihr Guthaben sich  nahe Null verzinst.

Geld zu verschenken?

„Ein Dispositionskredit darf nicht zum Dauerkredit werden“, mahnt Christoph Zerhusen, Experte für Verbraucherinsolvenz und Entschuldung   bei der Verbraucherzentrale NRW. Doch selbst manch ein Gutverdiener schöpfe den Kreditrahmen dauerhaft aus. „Dass das teuer ist, ist den meisten bekannt“, so der Verbraucherschützer. Wie teurer es aber konkret werden kann, mache sich kaum jemand bewusst. Ein Beispiel gefällig? Schöpfen Sie Ihren Dispokredit über beispielsweise 7.000 Euro regelmäßig aus, addieren sich die Zinskosten bei den teuersten Anbietern auf bis zu 840 Euro im Jahr! Noch teuerer kann es werden, wenn Sie das Dispo-Limit überschreiten: Dann zahlen sie bei einigen Banken mehr als 15 Prozent pro Jahr!

Das Perfide am Dauerdispo: Den finanziellen Spielraum erhöht er nicht – der Vorteil der finanziellen Flexibilität ist bereits ausgeschöpft. Werden gar mehrere Dispositionskredite bei unterschiedlichen Banken genutzt, verschlingen die Zinskosten leicht das Budgets eines ausgedehnten Jahresurlaubs. Zeit also, die Notbremse zu ziehen und die Schulden abzubauen.

Haushaltsführung überprüfen!

„Es ist kann wirtschaftlicher  sein, mögliche Dispo-Schulden zusammenzuführen und in einen günstigeren Konsumentenkredit umzuschulden“, weiß Verbraucherschützer Zerhusen. Eine Umschuldung macht jedoch nur dann Sinn, wenn die Zinsen des Umschuldungsdarlehens deutlich günstiger sind und der Rahmen des Dispositionskredites weitgehend reduziert wird. „Man sollte sich auf jeden Fall gut informieren und im Einzelfall beraten lassen“, so Zerhusen.

Der Sofortmaßnahme sollte dann ein Kassensturz folgen. Nehmen Sie sich Zeit, um Ihren Umgang mit Geld und Ihre Haushaltsführung auf den Prüfstand zu stellen. „Wer Einnahmen und Ausgaben überblickt,  kann meistens sehr schnell Einsparpotenzial entdecken“, weiß der Verbraucherschützer. Ob Überversicherungen, Mitgliedschaften in Vereinen, deren Angebote Sie womöglich  gar nicht nutzen, oder der regelmäßig gekaufte Coffee to go: Sizen Sie down, um die Schulden zu tilgen. Dann können Sie beginnen, ein Vermögen aufzubauen!

Schulden sind natürlich nicht gleich Schulden – als Immobilienbesitzerin kommen Sie kaum ohne aus! „Verschuldet ist also fast jeder, der eine Immobilie gekauft hat“, sagt Zerhusen. Dennoch ist ein Investment in eine Immobilie oft sinnvoll, weil Vermögen aufgebaut wird – vorausgesetzt, Preis und Lage stimmen und der Kauf ist solide finanziert. „Zudem steht Hypothekenschulden auch ein Wert gegenüber“, so der Experte für Entschuldung. Ändern sich die finanziellen Rahmendaten, können Sie Ihre Immobilie eventuell zu einem guten Preis verkaufen, wenn Sie rechtzeitig reagieren und nicht warten, bis eine Zwangsversteigerung droht.

Es kann jeden treffen!

Anders sieht es aus, wenn das geliehene Geld einfach „verfrühstückt“ wird und keine Werte bleiben. Mögen die 44 Euro im Monat des „Kredites ohne Stress“ unter normalen Umständen finanziell zu stemmen sein, stellen sie bei Krankheit oder bei Arbeitslosigkeit eventuell eine hohe Belastung dar. Flattern dann weitere Rechnungen – etwa Nebenkostennachzahlungen – ins Haus oder gibt die Waschmaschine den Geist auf, droht schnell ein Strudel der Überschuldung. Überschuldung heißt, dass fällige Zahlungsverpflichtungen nicht mehr aus den laufenden Einkommen gezahlt werden können.

„Das kann jeden treffen“, weiß  Verbraucherschützer Zerhusen. „Die meisten Betroffenen versuchen dann zunächst, die finanziellen Probleme alleine zu lösen und sie vor der Außenwelt zu verbergen.“ Den Kopf in den Sand zu stecken ist jedoch ganz sicher die falsche Strategie. „Handeln Sie sofort, wenn Sie eine Rechnung nicht mehr bezahlen können“, so der Schuldnerberater. „Es gibt fast immer eine Lösung, vor allem wenn man sich rechtzeitig beraten lässt.“

herMoney Tipp:

Schulen Sie Ihren Umgang mit Geld und leben Sie nicht über Ihre Verhältnisse! Denn das ist am Ende nicht nur teuer, sondern birgt auch Risiken. Deshalb: Wenn Sie Zahlungsschwierigkeiten haben, zögern Sie nicht, sondern lassen sich schnellstens beraten. Wie Sie aus einer Überschuldung rauskommen und wieder finanziell sicheren Boden unter den Füßen bekommen, lesen Sie in Kürze bei herMoney.

 

 

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