Immer wieder ist davon zu hören, dass Lebensversicherungs-Bestände verkauft werden sollen – was sollten Kunden tun?

Sind Sie Kundin einer Gesellschaft, über die in der Presse steht, dass sie ihren Versicherungsbestand bald verkaufen will? Dann fragen Sie sich vielleicht, was das für Sie bedeutet. herMoney gibt Ihnen die Antwort!

An die Vereinbarungen gebunden

Lebensversicherungsgesellschaften haben es zurzeit schwer. In der Vergangenheit hatten sie in ihren Verträgen hohe Zinsversprechen abgegeben, an die sie sich nun halten müssen. Als die Versicherer die Zusagen gemacht haben, fiel es ihnen nicht schwer, drei oder vier Prozent zu erwirtschaften, denn die Zinsen lagen damals etwa doppelt so hoch. Aber jetzt verzinsen sich 10-jährige deutsche Staatsanleihen, die als besonders sicher gelten, nur noch mit 0,63 Prozent. Die Unternehmen haben zwar noch Anleihen von früher im Bestand, die entsprechend höhere Zinsen zahlen. Aber alle Gelder, die sie jetzt neu investieren, verzinsen sich nur noch mickrig. Je länger die Niedrigzins-Phase anhält, desto schwerer fällt es den Versicherungsunternehmen, ihre damals abgegebenen Versprechen von 3,0,  3,5 oder sogar 4,0 Prozent zu halten.

Die Versicherer sehen der Problematik natürlich nicht tatenlos zu, sondern sie haben neue Produkte kreiert, die besser zur aktuellen Zins-Situation passen. Diese sind mit weniger Garantien und mehr Beteiligung an der Kapitalmarkt-Entwicklung ausgestattet. Dafür haben die Häuser zum Teil den Vertrieb der alten Produkte eingestellt.

„Run Off“: Ausläppernde Verträge

So kommt es, dass bestimmte Versicherungstarife kein Neugeschäft mehr haben, weil die Versicherer ihr neues Geschäft in andere Tarife lenken. Hier spricht man von „Run Off“: Es kommen keine neuen Kunden mehr hinzu, aber nach und nach fallen die bestehenden Kunden weg – durch Fälligkeit oder Kündigung. Irgendwann wird ein solcher Tarif, der nur noch „ausläppert“, unattraktiv für den Versicherer. Er muss den immer kleiner werdenden Bestand schließlich verwalten, von einem Aktuar rechnen lassen und die Kapitalanlage bestreiten.

Versicherer haben zwei Möglichkeiten, wenn die Weiterführung eines Lebensversicherungs-Tarifs für das Unternehmen nicht mehr rentabel ist: Sie können die Bestände im eigenen Haus bis zur Fälligkeit weiterführen oder die Bestände an ein anderes Versicherungsunternehmen übertragen, das sie dann weiterführt. Denn anders als bei Sachversicherungen, wo die Unternehmen die Verträge meistens jährlich kündigen können, müssen Lebensversicherer die Verträge bis zum vertragsgemäßen Ende weiterführen, und das kann mitunter Jahrzehnte dauern. Eine einseitige Kündigung durch die Versicherungsgesellschaft ist in diesem Bereich nicht möglich – Vertrag ist Vertrag!

Im Frühjahr 2014 übertrug die Ergo Direkt ihre Riester-Bestände an die Hanse Merkur, und im März 2014 teilten Skandia Deutschland und Skandia Österreich mit, dass sie ihre Bestände an die Heidelberger Leben verkaufen würden. Anfang 2018 ließ die Axa verlauten, dass sie rund 260.000 Policen an die Frankfurter Leben übertragen wird – hier geht es allerdings nicht um private Versicherungsverträge, sondern um betriebliche Altersvorsorge. Auch von der Generali Leben ist bekannt, dass sie überlegt, bestimmte Bestände zu verkaufen. Der Versicherungs-Gigant Ergo hatte ebenfalls Pläne für einen externen Run Off der alten, klassischen Tarife, hat sich dann aber dazu entschlossen, die Bestände doch intern abzuwickeln.

Kein Drama

Was sollten Sie also tun, wenn Sie eine Lebensversicherungs-Police haben, die an einen anderen Versicherer übertragen werden soll? Zunächst einmal: Ruhe bewahren! Sie haben die Wahl: Bleiben oder Kündigen. Es ist kein Drama, wenn ein Versicherungs-Bestand verkauft wird. Das neue Versicherungsunternehmen, das den Bestand aufnimmt, muss alle zugesagten Versprechen einhalten – sonst würde die Versicherungsaufsicht der Übertragung nicht zustimmen. Bei den über die Garantie hinausgehenden Erträgen – der sogenannten Überschussbeteiligung – müssen Sie eventuell Abstriche machen. Während Ihr ursprünglicher Versicherer wahrscheinlich durchaus Neugeschäft machen möchte – wenn auch in anderen Tarifen. Um ein gutes Image zu haben, wird er sich womöglich bemühen, auch für die alten Tarife, die kein Neugeschäft mehr bringen, gute Überschüsse zu erzielen. Das Versicherungsunternehmen, das die Bestände übernimmt, hat hingegen nicht den Ansporn des Neugeschäfts, denn hier handelt es sich meistens um Gesellschaften, die sich auf externe Run Offs spezialisieren, also kein Neugeschäft anstreben. Allerdings arbeiten sie oft effizienter, weil sie moderne IT-Systeme haben und daher weniger Kosten produzieren als die abgebenden Unternehmen.

herMoney-Tipp

Prüfen Sie, welches Garantieversprechen Ihr bestehender Vertrag hat. Wenn es 3,0,  3,5 oder sogar 4,0 Prozent sind, dann ist das nicht schlecht, denn heute gibt es viel weniger. Bei Neuverträgen werden nur noch 0,9 % garantiert, und sie müssten bei Kündigung und Neu-Abschluss erneut Abschlusskosten zahlen. Der übernehmende Versicherer muss die alten Versprechen einhalten. Ob er darüber hinaus großartige Überschüsse verteilt, ist fraglich, aber das würde der ursprüngliche Versicherer angesichts der Zinssituation womöglich auch nicht. Tendenz also: eher bleiben!

 

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