Vor der Hochzeit an die gemeinsamen Finanzen denken? Ja, rät Familienanwältin Dr. Elisabeth Unger. Und sagt, worauf zu achten ist!

Klingt unromantisch: Da plant man die Hochzeit und soll bereits an die Scheidung denken? Das fühlt sich für viele Frauen nicht richtig an – ist die Ehe doch ein Bund für´s Leben. Das sollte sie sein, doch 4 von zehn Ehen werden geschieden, in den Großstädten geht sogar jede zweite Ehe in die Brüche. Durch den emotionalen Schmerz muss man durch, so oder so. Aber vor dem Risiko, dann auch noch finanziell vor dem Nichts zu stehen, können Sie sich schützen. Gesetzliche Regelungen sorgen in vielen Fällen für einen gerechten Ausgleich, aber eben nicht immer. Darauf verlassen sollten Sie sich jedenfalls nicht. Ist ein Partner selbständig oder bleibt zum Beispiel aufgrund der Kinderbetreuung zuhause, ist es ratsam, über einen Ehevertrag nachzudenken. Dr. Elisabeth Unger, Fachanwältin für Familienrecht und Partnerin der Kanzlei Rose & Partner in Hamburg, sagt, wann ein Ehevertrag Sinn macht und worauf Sie achten sollten:

1. Rechtzeitig informieren: Ehevertrag ja oder nein? Pauschal lässt sich das nicht sagen. „Es kommt auf die Lebensplanung und auch auf das Arbeitsverhältnis an“, sagt Unger. Die Fachanwältin für Familienrecht rät, sich in guten Zeiten Gedanken über die gemeinsame finanzielle Zukunft zu machen. „Beide Partner sollten wissen, was auf sie zukommt, falls die Ehe geschieden wird.“

2. Was regelt das Gesetz? Vor dem Gesetz ist eine Ehe eine Zugewinngemeinschaft, wenn kein Ehevertrag abgeschlossen wurde. Das heißt: Alles, was während der Ehe an Vermögen erwirtschaftet wird – von welchem der Partner auch immer – wird hälftig geteilt, wenn die Ehe in die Brüche geht. Das Vermögen, das mit in die Ehe eingebracht wurde, sowie Schenkungen oder Erbe fallen nicht unter „Zugewinn“. Wohl aber die während der Ehe erzielte Wertsteigerung, zum Beispiel einer Immobilie. Hat sich der Wert einer geerbten Immobilie also während der Ehe von 700.000 auf 800.000 Euro erhöht, hat der Ehepartner nach einer Scheidung Anrecht auf den halben Zugewinn, also 50.000 Euro. Geteilt werden auch die während der Ehe erworbenen Rentenanwartschaften. Das gilt für die Gesetzliche Rente, aber auch für mögliche Zusatzrenten, etwa aus der betrieblichen Altersversorgung.

3. Einkommensverzicht wegen der Kinder? Jede 2. Frau arbeitet in Deutschland in Teilzeit. Häufigstes Motiv: Die Betreuung von Kindern. Wenn Sie und Ihr Mann sich darauf einigen, dass Sie für die Familie im Job kürzer treten, sollten Sie über einen Ehevertrag nachdenken. Denn Sie verzichten dadurch nicht nur auf Einkommen, sondern auch auf Karrierechancen. Geht die Ehe in die Brüche, werden Sie – je nach Qualifikation und Länge der familienbedingten Auszeit – schlechtere Chancen am Arbeitsmarkt haben. Großzügige Unterhaltszahlungen erwarten sollten Sie nach dem Eheaus allerdings nicht. Denn das Unterhaltsrecht folgt seit 2008 dem Grundsatz, dass jeder der Partner allein für seinen Lebensunterhalt aufkommen muss. Es gibt zahlreiche Ausnahmen – etwa für die Betreuung von Kindern unter 3 oder langfristig pflegebedürftigen Kindern. Auch dann, wenn Sie gar keine Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben, dürfen Sie eventuell auf Unterhalt hoffen. Verlassen sollten Sie sich darauf aber nicht. „Zwar urteilten die Gerichte zuletzt wieder tendenziell zugunsten der Frauen, Rechtssicherheit besteht hingegen nicht“, so die Fachanwältin. Bisher obliegt die Auslegung des Rechts dem jeweiligen Gericht und die Entscheidungen fallen von Gerichtssitz zu Gerichtssitz und von Richter zu Richter unterschiedlich aus. Frauen, die wegen der Kinderbetreuung im Job kürzer treten oder pausieren, rät Dr. Unger, bereits vor der Ehe aktiv zu werden und per Ehevertrag vorzusorgen. Mögliche unterhaltsrelevante Regelungen: Sie bekommen Unterhalt, bis das gemeinsame Kind (die Kinder) ein bestimmtes Alter hat (haben). Oder aber Sie definieren ein Einkommen in der Höhe x: Können Sie es mit Wiedereinstieg in den Beruf nicht verdienen, stockt der geschiedene Ehepartner den Betrag bis zur vereinbarten Höchstgrenze auf. Neben unterhaltsrelevanten Regelungen macht es auch Sinn, einen Beitrag zur Altersversorgung zu vereinbaren – zum Beispiel per Sparvertrag. Werden Kinder von einem Elternteil betreut, erwirbt der betreuende Elternteil in der Regel jedenfalls weniger Rentenanwartschaften.

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