Kalkulationssicherheit oder den günstigsten Zins? herMoney sagt, worauf Sie bei der Immobilien-Finanzierung achten sollten.

Für das Alter vorsorgen und heute schon davon profitieren: Bei den aktuellen Niedrigzinsen macht es tatsächlich Sinn, über den Kauf einer selbstgenutzten Immobilie nachzudenken – oft müssen Sie Ihrer Bank für den Kauf monatlich nicht mehr Geld überweisen als Ihrem Vermieter. Allerdings birgt ein Immobilienkauf auch Risiken und sollte gut überlegt sein. Eine Übersicht über relevante Aspekte finden Sie hier. Falls Sie sich für ein Investment entschlossen haben, müssen Sie im zweiten Schritt die Finanzierung auf sichere Beine stellen.

Wie bekomme ich den günstigsten Zins?

Ein Zinssatz von unter einem Prozent? Klingt verlockend! Aber verlassen Sie sich nicht darauf, dass Sie Ihre Immobilie auch zu diesem Satz finanzieren können. Denn wie teuer es am Ende wird, hängt von mehreren Kriterien ab. Neben Laufzeit und Höhe des Eigenkapitals, das Sie mitbringen, zählt auch Ihre sogenannte Bonität. Die finanzierenden Banken prüfen, wie zahlungskräftig Sie sind. Schließlich wollen sie ihr Geld auch wiedersehen. Je unsicherer den Banken die Kreditvergabe erscheint, desto schlechter die Konditionen. Als verbeamtete Lehrerin mit sicherem Einkommen dürften Sie bessere Konditionen angeboten bekommen, als etwa als freiberuflich arbeitende Grafikerin oder Journalistin – es sei denn, Sie haben als Freiberuflerin ein kleines Vermögen oder sonstige Sicherheiten in der Hinterhand.

 

 

Einen ersten Überblick über die Konditionen finden Sie bei spezialisierten Portalen wie bauzinsenaktuell.de/bauzinsen-vergleich/ oder www.bauzins.org. Für welchen Zinssatz Sie finanzieren können, hängt neben Ihrer Bonität auch vom Eigenkapital und der gewählten Laufzeit ab. Die Faustregel: Je mehr Eigenkapital und je kürzer die Finanzierung, desto günstiger der Kredit. In den Portalen können Sie sich spielerisch einen Überblick verschaffen, indem Sie unterschiedliche Daten eingeben. Schnell werden Sie sehen, wie sich Zinssätze oder die monatlichen Raten verändern, wenn Sie Laufzeit oder/ und Eigenanteil variieren. Probieren Sie es aus! So erhalten Sie ein Gespür dafür, wie die unterschiedlichen Größen zusammenspielen.

Längere oder kürzere Laufzeiten bei der Finanzierung?

Wenn Sie eine Immobilie finanzieren, brauchen Sie in der Regel so viel Geld, dass eine Tilgung nicht in wenigen Jahren möglich ist. Eine Finanzierung über fünf Jahre macht deshalb kaum Sinn, und schon bei zehn Jahren Laufzeit besteht das Risiko, dass Sie die Anschlussfinanzierung nicht stemmen können. Ist die nämlich nur zu einem deutlich höheren Zinssatz zu bekommen, kann sich die monatliche Rate schnell verdoppeln. Prüfen Sie deshalb genau, wie viel Restschuld nach Ablauf verbleibt. Könnten Sie die Restschuld auch finanzieren, wenn die Zinsen dann ordentlich in die Höhe geschossen sind?

Längere Laufzeiten bieten mehr Planungssicherheit. Es könnte sich also rechnen auf lange Zinsbindungsfristen zu setzen, auch wenn Sie für die Sicherheit einen kleinen Zinsaufschlag zahlen müssen. Sie können die Kreditsumme auch in mehrere Tranchen splitten – etwa in eine kurz laufende Kredite zu Top-Konditionen und eine lang laufende für Kalkulationssicherheit. Kurze Laufzeiten für die ganze Kreditsumme sind nur dann zu empfehlen, wenn Sie es sich leisten können, entsprechend schnell zu tilgen – etwa mit vier Prozent plus möglicher Sondertilgung in Höhe von fünf Prozent pro Jahr.

Wie viel Eigenkapital benötige ich?

Eine Finanzierung ohne Eigenkapital ist heute nur noch in Ausnahmefällen möglich – und für Sie als Käuferin auch nicht empfehlenswert. Wenn Sie weniger als 20 Prozent Eigenkapital mitbringen, wird es teuer. 30 bis 40 Prozent Eigenkapital sind ideal, um günstige Finanzierungskonditionen zu erhalten. Doch Obacht: Der Anteil bezieht sich nicht allein auf den Kaufpreis der Immobilie. Kaufnebenkosten wie Provision, Grunderwerbsteuer, Grundbucheintrag, Notar etc. können sich auf bis zu 15 Prozent des Kaufpreises addieren. Die Immobilie für 250.000 Euro kostet inklusive Nebenkosten dann 287.500 Euro – das erforderliche Eigenkapital von 20 Prozent erhöht sich damit von 50.000 auf 57.500 Euro. Planen Sie das auf jeden Fall mit ein!

herMoney Tipp:

Lassen Sie sich nicht von niedrigen Zinssätzen und niedrigen Monatsraten zu kurzer Zinsbindung verführen! Kredite mit langen Laufzeiten sind etwas teurer, dafür bieten sie aber höhere Kalkulationssicherheit. Prüfen Sie immer, wie viel Restschuld nach Ablauf der Zinsbindung stehen bleibt. Könnten Sie die auch dann finanzieren, wenn die Zinsen deutlich steigen? Und keine Panik, wenn es Ihnen heute noch am notwendigen Eigenkapital fehlt: Sie können sich per Wohn-Riester oder auch per Bausparvertrag die aktuell günstigen Zinskonditionen sichern. Wie das geht und welche Fördermöglichkeiten es gibt, lesen Sie demnächst hier auf herMoney.

Auch interessant: Alles über Immobilien und Riester.

 

Birgit Wetjen, herMoney

Birgit Wetjen leitet die Redaktion von herMoney.de. Die Volkswirtin, Finanzjournalistin und Buchautorin ist überzeugt: Geldanlage ist nicht weiblich oder männlich – aber Frauen haben Berührungsängste und gehen anders an Geldthemen ran!

 

 

Beitrag teilen: