Mit Garantien blockieren Produktanbieter viel Kapital, das dann nicht mehr für renditeträchtige Investitionen eingesetzt wird. 

Hat man Ihnen auch in den Kopf gehämmert, dass Garantien unglaublich wichtig sind, und dass Altersvorsorge eigentlich nur mit Garantie-Produkten möglich ist? Dann sind Sie nicht allein, denn das hat die lobby-starke Versicherungsbranche uns allen und auch den Politikern Jahrzehntelang eingeimpft. Garantieversprechen sind nämlich eine Spezialität der Versicherungsbranche. Aber jetzt will auch die von Garantien wegkommen und bietet heute überwiegend Produkte mit geringeren Garantien („kapitalmarktnähere“ Produkte) oder ganz ohne Garantieversprechen (fondsgebundene Lebensversicherungen) an.

Wir wollen hier nicht philosophisch werden und fragen, ob es überhaupt im Leben Garantien für irgendwas geben kann. Meine Güte, selbst wenn man heiratet, ist das keine Garantie für eine glückliche, lang anhaltende Beziehung, und wenn Sie Kinder haben, die ins Teenager-Alter kommen, gibt es keine Garantie, dass Sie sie immer noch süß finden! Das Leben ist nun mal kein plüschiger Garantie-Spielplatz!

Die niedrigen Zinsen machen Garantien besonders teuer

Warum jetzt also der Sinneswandel bei den Lebensversicherern, was Garantien angeht? Der Grund: Sie sind unglaublich teuer, aber das hat uns bisher niemand gesagt. Und gerade jetzt, wo die Zinsen auf einem super-niedrigen Niveau angekommen sind, haben auch die Versicherungsunternehmen ihre liebe Mühe, die in der Vergangenheit ausgesprochenen Garantien zu erfüllen.

Haben sie in früheren Zeiten eine jährliche Mindest-Rendite von 3,5 %, und teilweise sogar 4,0 % auf den Sparanteil versprochen (was damals, bei einem Zinsniveau von 7% ein leicht zu erreichendes Ziel war), ist das jetzt eine kaum zu bewerkstelligende Aufgabe bei einem Zinsniveau, das für viele europäische Staatsanleihen im niedrigen oder sogar negativen Bereich liegt. Aber bei Lebensversicherungsverträgen gelten die einmal abgegebenen Versprechen über die gesamte Laufzeit des Vertrages – zumindest bei den damals abgeschlossenen Verträgen war das so.

Viel „Absicherungskapital“ erforderlich

Wieso es schwierig ist, bei dem niedrigen Zinsniveau attraktive Garantien abzugeben, wird am leichtesten anhand eines Garantiefonds-Beispiels klar – die gab es früher. Solche Garantiefonds gaben eine bestimmte Garantie (z. B. mindestens 95 % oder 100 % des Anlagebetrages per Stichtag) und eine prozentuale Beteiligung oder „Partizipationsrate“ an einem bestimmten Aktienindex (z. B. 60 % der Wertentwicklung des DAX, 80 % am Nikkei-Index). Viele Aktien-Garantiefonds hatten eine feste Laufzeit, bei deren Erreichen sie aufgelöst werden.

Eine Möglichkeit für den Fondsmanager, die Garantie zu erfüllen, sah so aus: Er kauft festverzinsliche Wertpapiere und Kaufoptionen auf den jeweiligen Marktindex, womit er die Partizipation an dem Index darstellen konnte. Nun legte der Fondsmanager den Großteil des Vermögens, ca. 80 bis 90 Prozent, im sogenannten „Absicherungskapital“ an, das er in risikoarme festverzinsliche Wertpapiere investierte. Mit den Zinsen und Zinseszinsen wuchs das Absicherungskapital bis zum Garantiezeitpunkt, der oft in zwei bis fünf Jahren lag, auf die garantierte Mindestsumme (z.B. 100% des eingezahlten Betrags) an. Das restliche Geld, das sogenannte operative Kapital, wurde spekulativ angelegt, z. B. in Aktien (ca. 10 % des Fondsvermögens). Ging die Investition des operativen Kapitals auf, erhöhte dies den Anteilspreis über die garantierte Summe hinaus. Schlug die Investition völlig fehl (z. B. Totalverlust), war immer noch die garantierte Summe da, auf die das Absicherungskapital inzwischen angewachsen war.

Kein Spielraum für Rendite

Mit den aktuell sehr niedrigen Zinsen geht diese Methode aber kaum mehr auf, denn man würde womöglich 98% des Kapitals in das Absicherungskapital stecken müssen, damit dies bei den Mini-Zinsen in zwei oder drei Jahren auf 100% der Summe anwächst. Dann steht aber zu wenig operatives Kapital zur Verfügung, mit dem man auf einen grünen Zweig kommen kann. Sie sehen: Die angestrebte Garantie blockiert das Kapital und läßt einen Großteil davon bei Mini-Zinsen herumdümpeln, anstatt es in attraktivere Anlagen wie z.B. Aktien oder Immobilien zu stecken. Sicher – Aktien schwanken auch mal und können mitunter heftige Wertverluste erleiden. Aber letztlich sind Aktien-Investments Beteiligungen an Unternehmen, deren Geschäftszweck es ist, sich immer etwas einfallen zu lassen, um Gewinne zu erwirtschaften. Sicher – das funktioniert in einem Jahr besser als im anderen – aber über lange Zeiträume ist es nun mal so, dass die Aktienanlage eine deutlich bessere Wertentwicklung verspricht als die Anlage in Staatspapieren.

In der Periode 1969-2012 etwa konnten Anlegerinnen mit einem Garantieprodukt im Schnitt 3,3% pro Jahr erzielen, im Zeitraum 1992-2012 brachten Garantieprodukte dann im Schnitt jährlich sogar nur noch 1,2% (die Zinsen waren in dieser Zeit niedriger). Mit Investments in Aktien waren deutlich höhere Renditen möglich – in den vergangenen 15 Jahren etwa brachte ein durchschnittlicher Fonds der Kategorie „Aktien Deutschland“ im Schnitt 10,7 Prozent p.a.!  Über einen längeren Ansparzeitraum hinweg macht das einen Unterschied von mehreren Zehntausend Euro End-Kapital oder locker einen Mittelklasse-Wagen aus! Wurden Sie schon mal über diese hohen Kosten, die Garantien verursachen, aufgeklärt?

herMoney-Tipp:

Lassen Sie sich nicht einreden, Garantien seien unumgänglich für die Altersvorsorge und behalten Sie im Kopf, dass Garantien keineswegs ein kostenloses Geschenk sind! Sie verzichten damit auf viel Rendite-Potenzial! Das gilt es abzuwägen.

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