Gleicher Lohn für gleiche Arbeit? Der kommt nicht von alleine! Die gesetzlichen Vorgaben sind gemacht. Nun sind Sie dran.

„There is no free lunch“ sagt man an der Börse – es gibt für Anleger nichts geschenkt. Irgendwie wie im richtigen Leben. Zahlen Sie freiwillig mehr für etwas, das Sie auch billiger bekommen können? Wohl kaum. Ihrem Arbeitgeber geht es da auch nicht anders. Wenn Sie also weniger Geld bekommen als Ihre Kollegen, werden Sie selbst aktiv werden müssen, um das zu ändern. Das beginnt bei der Gehaltsverhandlung. Aber auch wenn dieser Drops schon gelutscht ist und Sie den Eindruck haben, sich unter Wert verkauft zu haben, besteht Hoffnung auf Besserung. Fragen Sie bei Ihrem Chef nach, was die (männlichen) Kollegen in vergleichbaren Tätigkeiten verdienen!

Rechtliche Grundlage dafür, dass Sie Auskunft bekommen, ist das sogenannte „Entgelttransparenzgesetz“, das im Juni in Kraft getreten ist. Damit will die Regierung für mehr Lohngerechtigkeit sorgen. Denn noch immer verdienen Frauen im Schnitt gut 21 % weniger als Männer, wobei Berufswahl und Teilzeit eine große Rolle spielen. Aber auch dann, wenn man das rausrechnet, klafft eine Lücke – Frauen erhalten für gleiche Arbeit im Schnitt sechs bis sieben Prozent weniger.

Anspruch auf Einsicht

Das soll sich ändern. Mit dem neuen Gesetz können 14 Millionen Beschäftigte in Deutschland Auskunft über das Einkommen der Kollegen erhalten. Zwar erfahren Sie dann nicht, was Herr Müller oder Herr Schmidt verdienen, aber wie das Gehaltsniveau für vergleichbare Tätigkeiten in Ihrem Unternehmen ist. Liegt Ihr Einkommen deutlich darunter, können Sie mehr Geld einfordern, zur Not per Klage.

Allerdings besteht Anspruch auf Einsicht nur in Unternehmen ab 200 Beschäftigten. Und dort auch nur dann, wenn es mindestens sechs Mitarbeiter mit vergleichbaren Tätigkeiten gibt. Wenn Sie in einer Kapitalgesellschaft mit mindestens 500 Mitarbeitern beschäftigt sind, haben Sie bessere Karten. Die berichtspflichtigen Unternehmen müssen ihre Gehaltsstruktur nicht nur regelmäßig auf Einhaltung der Entgeltgleichheit prüfen. Sie sind auch in der Pflicht, regelmäßig über Maßnahmen zur Gleichstellung berichten.

Über Geld spricht man!

Ob das neue Gesetz gegen Ungleichbezahlung der Geschlechter hilft, ist umstritten. Zu viele Ausnahmen, zu schwammige Formulierungen, sagen die Kritiker. Aber eines bewirkt es in jedem Fall: Das Tabu, über Geld zu sprechen, fällt – es wird über das Thema Lohn- und Einkommensgerechtigkeit diskutiert. In der Folge werden sich auch die Unternehmen auf andere Zeiten einstellen müssen. Bisher hat gerade einmal jedes dritte Unternehmen überhaupt interne Untersuchungen zur Lohngleichheit durchgeführt, so eine Studie der Unternehmensberatung EY. Die Mehrzahl der Firmen habe gar keinen Überblick über ihre Lohnstruktur. Das dürfte sich sehr schnell ändern, wenn Imageverluste oder gar Auseinandersetzung mit Betriebsräten und Gerichten drohen.

Ungerechte Bezahlung lässt nicht nur Motivation und Leistungsfähigkeit schwinden, auch Ihre Gesundheit steht auf dem Spiel. Denn dauerhafter Lohnfrust belastet das Herz und macht auf Dauer krank, das haben die Bonner Ökonomen Armin Falk und Fabian Kosse vom Institute on Behavior & Inequality (briq) gemeinsam mit einem Team von Medizinsoziologen in einem Verhaltensexperiment nachgewiesen. Je weiter die Bezahlung der Probanden von dem abwich, was sie als fair empfunden hätten, desto stärker reagierte ihr Herz mit typischen Stresssymptomen. Eine als unfair empfundene Bezahlung sei deshalb nicht nur ein Problem für die Arbeitnehmer, sondern habe auch immense gesamtwirtschaftlichen Folgen.

Welche Erfahrungen haben Sie gemacht?

Nicht eine schlechte, sondern vor allem eine schlechtere Bezahlung im Vergleich zu anderen drückt auf Motivation und Gesundheit – davon sind Frauen besonders stark betroffen. Welche Erfahrungen haben Sie in Sachen Lohn und Gehalt gemacht? Auch würden wir gerne Ihre Einschätzung wissen: Hilft das Gesetz oder halten Sie es für einen zahnloser Tiger? Schreiben Sie uns unter kontakt@hermoney.de.

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