Was darf ein Finanzberater in Rechnung stellen? Wir erläutern die Unterschiede zwischen Provision, Gebühr und Honorar.

Die Art der Bezahlung spielt bei der Finanzberatung eine Rolle. Provision, Gebühr und Honorar sind alles „Vergütungen“, denn auf die eine oder andere Form zahlen Sie für Beratung immer Geld. Das ist auch nicht verwerflich oder verwunderlich, denn welcher professionelle und gut ausgebildete Berater würde seine Leistung schon kostenlos anbieten? Und von was sollten er und seine Familie dann leben? Aber wann und wie das Geld fließt, ist unterschiedlich und hat Einfluss auf die Interessenlage.

Provisionen

Üblich war bisher in der Finanzbranche die Vergütung durch Provisionen (bei einem Makler spricht man von „Courtage“). Eine Provision wird dem Berater immer vom Produktanbieter bezahlt, während eine Gebühr oder ein Honorar meistens direkt vom Kunden bezahlt wird. Aber machen wir uns nichts vor: Natürlich zahlen Sie als Kundin auch die Provision, nur eben nicht direkt. Denn von wem hat der Produktanbieter das Geld? Immer nur von seinen Kunden!

Auf die Höhe der Provision hat der Kunde keinen direkten Einfluss, denn der Provisionsvertrag wird zwischen dem Produktanbieter (bzw. der Plattform) und dem Berater geschlossen – der Kunde ist außen vor. Früher wusste man als Kunde noch nicht einmal, wie hoch die Provision ist. Inzwischen haben Sie aber gesetzlich ein Anrecht zu erfahren, wieviel Provision Ihr Berater für das jeweilige Produkt erhält. Das soll Ihnen helfen einzuschätzen, ob der Berater Ihnen ein bestimmtes Produkt nur deswegen anbietet, weil dort die Provisionen besonders hoch sind.

Es gibt zwei Arten von Provisionen: Eine Abschlussprovision, wenn Sie das Produkt kaufen bzw. den Vertrag abschließen. Bei Fonds erhält der Berater beispielsweise bei jedem Anteilskauf einen bestimmten Anteil (z.B. 90%) aus dem von Ihnen gezahlten Ausgabeaufschlag. Daneben erhält der Berater eine Bestandsprovision. Sie bezieht sich auf den Versicherungs- oder Fonds-Bestand, den Sie halten, und sie wird quartalsweise oder jährlich bezahlt. Bei einem Aktienfonds können dies z.B. jährlich zwischen 0,25% und 0,6% auf den Gesamtbestand sein, den die Kunden eines Beraters halten.

Die finanzielle Interessenlage des provisionsbasierten Beraters ist so, dass er nur dann eine Vergütung erhält, wenn Sie ein Produkt abschließen (Abschlussprovision), bzw. im Produkt drin bleiben (Bestandsprovision). Schließen Sie nichts ab, war die Beratung für den Berater aus finanzieller Sicht „umsonst“.

Gebühr

Im Fondsbereich hat sich eingebürgert, dass Kunden eine „Service-Gebühr“ oder „Service-Fee“ bezahlen. Hier zahlen Sie als Kunde eine Gebühr, die zu großen Teilen an den Berater fließt. Sie beträgt im Regelfall zwischen 0,5% und 1,5% p.a., und es fällt darauf Mehrwertsteuer an (eigenartiger Weise sind Provisionen von der Mehrwertsteuer befreit). Die Gebühr kann nur dann erhoben werden, wenn Sie schriftlich zustimmen, d.h. Sie haben Einfluss auf die Höhe der Gebühr.

Der Geldfluss sieht im Regelfall so aus: Sie unterschreiben den Gebührenvertrag und richten ein Depot bei einer Plattform ein (z.B. bei ebase, Metzer FundXchange, DAB-Bank, Augsburger Aktienbank, etc.). Die Plattform zieht die vereinbarte „Service-Fee“ z.B. quartalsweise ein und leitet sie an den Berater weiter. Einen Teil behält die Plattform für die Berechnung und Einbehaltung der Gebühr.

Honorar

Honorarberatung wird derzeit von Politikern und Regulatoren bevorzugt, und teilweise tutet die Presse in dasselbe Horn. Angeblich soll nämlich die Bezahlung eines Honorars zu einer besseren Beratung als die Bezahlung durch Provisionen führen. Das ist aber fraglich, denn letztendlich kommt es in erster Linie auf die Integrität des Beraters an, weniger auf die Form der Bezahlung.

Fakt ist, dass ein Honorar direkt vom Kunden an den Berater gezahlt wird, d.h. es wird bezahlt auf Grund eines Vertrags zwischen Ihnen und Ihrem Berater. Höhe und Art des Honorars sind frei aushandelbar, es kann z.B. ein Stundenhonorar sein oder sich auf die Höhe Ihres investierten Betrags beziehen.

Der Gedanke, dass die Honorarberatung zu einer höheren Beratungsqualität führt rührt daher, dass Sie bei schlechter Beratung nicht Willens sind, dafür ein hohes Beratungs-Honorar zu zahlen. D.h. der Berater muss durch die Qualität seiner Beratung überzeugen.

Die finanzielle Interessenlage des Beraters ist, dass Sie sein Honorar bezahlen. Bei einem Stunden-Honorar möchte er möglichst viele Stunden verkaufen, bei einem volumen-abhängigen Honorar möchte der, dass Sie ihm ein möglichst hohes Volumen anvertrauen. Auf die Produktwahl kommt es bei dieser Vergütungsform tatsächlich nicht mehr an. Daher kann Ihnen ein Honorarberater auch sehr kostengünstige Produkte heraussuchen (z.B. ETFs), bei denen keine Provisionszahlungen eingerechnet sind.

 

Anke Dembowski (herMoney)

 

Die Autorin ist Anke Dembowski. Sie ist Finanzjournalistin und Autorin verschiedener Investmentfonds- und anderer Finanzbücher. Sie ist außerdem Mit-Geschäftsführerin des Netzwerks „Fondsfrauen“.

 

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