Kein Geld übrig, um Vermögen aufzubauen? Wirklich nicht? Verschaffen Sie sich erst einmal einen Überblick. Sie werden sich wundern!

„Bei meinem kleinen Einkommen habe ich gar keinen Spielraum, um Rücklagen zu bilden“. Das schmale Budget ist für viele Frauen (und auch Männer!) ein Grund, sich gar nicht erst mit Altersvorsorge und Vermögensaufbau zu beschäftigen. Ein Fehler. Natürlich eröffnen sich bei mehr finanziellem Spielraum auch mehr Möglichkeiten. Doch bereits mit kleinen Sparbeträgen ab 25 Euro im Monat können Sie in Fonds oder ETFs investieren und so über die Jahre eine stattliche Summe Kapital ansparen.

Vielleicht ist Ihr Budget ja auch gar nicht so schmal, wie gedacht. Machen Sie also zunächst einmal einen Kassensturz und verschaffen sich damit einen Überblick über ihre Finanzen. Listen Sie dafür alle Einnahmen und Ausgaben sorgfältig nebeneinander auf. Die Zeit dafür sollten Sie sich nehmen, denn die Bestandsaufnahme ist der erste Schritt in Richtung Vermögensplanung. Nur wenn Sie wissen, was Sie anlegen können, ohne sich finanziell einschränken zu müssen, können Sie eine passende Anlagestrategie entwickeln. Oft zeigt sich in der Übersicht, dass es mehr Sparpotenzial gibt als gedacht. Dieses Geld können Sie zum Vermögensaufbau nutzen.

Einnahmen und Ausgaben im Blick

Bei Einnahmen denken Sie wahrscheinlich vor allem an das monatliche Einkommen, das regelmäßig auf ihrem Konto landet. Doch das ist unter Umständen längst nicht alles. Denn in unterschiedlichen Lebenssituationen kommen zusätzliche Einnahmequellen hinzu. Als Eltern erhalten Sie beispielsweise Kindergeld; vielleicht haben Sie nach einer Trennung Unterhaltsansprüche gegen Ihren Ex? Ältere Menschen beziehen oft schon vor dem Ruhestand private Renten, kassieren Mieten aus Immobilien oder haben sonstige Einnahmen aus Sparanlagen oder Dividendenausschüttungen.

Noch vergesslicher als bei den Einnahmen sind die meisten Menschen bei den Ausgaben. Die großen Ausgabenblöcke wie Miete oder Hypothek – also die Raten für eine Immobilienfinanzierung – hat wohl jeder im Blick. Doch bereits bei der monatlichen Belastung durch ein Auto wird meistens geschlabbert. Neben Versicherung, Steuer und Benzin fallen zum Beispiel Kosten für Reparatur an. Nach Berechnungen des ADAC schlägt ein Fahrzeug der unteren Mittelklasse, wie etwa ein VW Golf, monatlich mit rund 500 Euro zu Buche – bei 15.000 Kilometer Fahrleistung pro Jahr. Dazu kommen eventuell noch Kosten für einen Stellplatz, Parkgebühren sowie die Mitgliedschaft in einem Automobilclub.

Auch Kleinvieh macht Mist – aus kleinen Pöstchen ergeben sich stattliche Beträge. Fitnessstudio, Tennisclub, Streaming-Dienst, Musikunterricht, Monatskarte, Kosten für Kinderbetreuung, Mitgliedschaft in einer Gewerkschaft, Zusatzversicherungen, Theater- oder Zeitungs-Abo: Überlegen Sie genau, welche Beträge regelmäßig von Ihrem Konto abgebucht werden. In Familien mit mehreren Kindern können sich auch die Kosten für mobile Telefonie und mobiles Internet zu einer größeren Summe addieren.

Neben den fixen Kosten sollten Sie die variablen Kosten im Blick haben. Dazu gehören zum Beispiel die Ausgaben für Nahrungsmittel, Bekleidung, Friseur, Freizeitvergnügen, Wellness sowie Urlaub. Darüber hinaus sollten Sie eine Sicherheitsmarge einkalkulieren.

Einsparpotenziale nutzen

Bei einem Kassensturz zeigt sich auch, wie viel Geld Sie ganz nebenbei ausgeben – für Kaffee, das Brötchen beim Bäcker, den Energie-Drink beim Kiosk, für Kino, Kneipen- oder Restaurantbesuche. Diese Freiheiten gönnen Sie sich? Das ist gut. Aber eventuell haben sich einfach nur Gewohnheiten eingeschlichen, denen Sie nun auf die Spur kommen.

Wenn Sie schon einmal dabei sind, nutzen Sie die Chance, Ihren finanziellen Spielraum zu erweitern und die Ausgaben auf die Notwendigkeit hin zu überprüfen. Das morgendliche Brötchen beim Bäcker kostet locker 40 Euro und mehr im Monat – Geld, das Sie per Sparplan in den Vermögensaufbau investieren könnten, wenn Sie sich einen Ruck geben und sich morgens zuhause eine Stulle schmieren. Kleinlich? Vielleicht haben Sie größeres Einsparpotenzial? Was nutzt etwa die Mitgliedschaft in einem Fitness-Club, wenn Sie nur dreimal im Jahr an die Geräte gehen? Brauchen Sie für Ihr Smart-Phone tatsächlich die teure Mega-Flat? Lohnt sich für Sie ein Monatsticket des ÖPNV oder ein Auto, wenn Sie am liebsten mit dem Fahrrad fahren? A propos Auto: Rechnen Sie durch, was Sie Ihr Auto kostet – und ob Sie per ÖPNV oder aber per Car-Sharing nicht günstiger fahren.

Großes Einsparpotenzial ergibt sich oft auch beim Wechsel von Strom-, Gas- und Telefonanbietern. Über Suchmaschinen im Internet finden Sie entsprechende Portale, die die Tarife unterschiedlicher Anbieter vergleichen. Auch Ihre Versicherungsverträge sollten Sie regelmäßig überprüfen. Wird der Schutz – etwa einer Risikolebensversicherung – noch gebraucht? Ist die Autohaftpflicht bei anderen Anbietern günstiger zu haben? Vielleicht hat sich auch Ihre Familiensituation verändert und Sie können Policen wie Hausrat, Haftpflicht- oder Auslandreisekrankenversicherung zusammenziehen? Sie werden erstaunt sein, welche Sparpotenziale sich bei genauer Analyse eröffnen!

herMoney Tipp: Viele Banken bieten digitale Haushaltsbücher für eine bessere Übersicht über Einnahmen und Ausgaben an. Der Service ist in der Regel kostenlos und hilft bei der Finanzplanung.

 

Birgit Wetjen, herMoney

Birgit Wetjen leitet die Redaktion von herMoney.de. Die Volkswirtin, Finanzjournalistin und Buchautorin ist überzeugt: Geldanlage ist nicht weiblich oder männlich – aber Frauen haben Berührungsängste und gehen anders an Geldthemen ran!

 

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