Unsere Kolumne handelt von Geldgeschichten, die wir Frauen erleben. Heute: Zu jung zum Sparen? Leider nicht!

Alina ist ein tolles Mädchen. Na ja, eigentlich ist sie mit ihren 28 Jahren ja längst aus dem Mädchenalter herausgewachsen. Aber ich kenne sie seit ihrer Geburt, so dass sie für mich wohl die „kleene Lina“ bleibt. Alina ist die älteste Tochter meiner Freundin. Nach dem Abi ist sie um die Welt gereist und hat sich mit kleinen Jobs finanziert. Dann hat sie Grafikdesign studiert – und verdient nun schon seit Jahren gutes Geld. Neulich habe ich sie einfach mal gefragt, ob sie fleißig für das Alter spare. Sie guckte mich verständnislos an – und auch ein wenig entrüstet. „Jetzt schon? Dafür bin ich doch wohl noch zu jung!“ Ich musste lachen. Klingt echt doof – für das Alter dies oder jenes machen. Wann ist denn das? Bin ich schon in dem „Zielkorridor“ drin? Oder anders: Wann fängt das Alter an, in dem man an das Alter denken kann?

158.000 Euro geschenkt?

Ich habe mir nach dem Abitur viel Zeit gelassen. Ein Jahr im Ausland, ein Jahr „Schnupperstudium“, dann Journalistenschule und schließlich ein VWL-Studium. Noch vor dem Examen wurde ich schwanger. Klar, ich habe immer auch gejobbt, aber erst nach Abschluss des Studiums fing ich wirklich an, mich um Job und Perspektiven zu kümmern. Und noch einmal viel später – mein Sohn war längst in der Schule – habe ich mir Gedanken über „das Alter“ gemacht.

Zu spät, weiß ich heute. Denn die Geldanlage auf die lange Bank geschoben zu haben, muss ich heute teuer bezahlen. Aktienfonds mit Anlageschwerpunkt Deutschland haben in den vergangenen 35 Jahren im Schnitt eine Rendite von 7,7 Prozent erzielt. Hätte ich mit 18 Jahren angefangen, jeden Monat 100 Euro in einen Aktienfonds zu investieren, stünden jetzt fast unfassbare 200.000 Euro zu Buche. Und von diesem kleinen Vermögen hätte ich nur 42.000 Euro eingezahlt! 158.000 Euro dagegen, den Großteil des Vermögens, hätte mir Zins und Zinseszins beschert.

Zeit bringt Geld

Hätte, hätte Fahrradkette – ich habe nicht! Deshalb muss ich heute tiefer in die Tasche greifen und werde am Ende weniger herausbekommen. Wie gravierend der Unterschied ist, zeigt mir ein Sparplanrechner. 578 Euro pro Monat wären mit Sparbeginn 38 nötig gewesen, um heute auf besagte 200.000 Euro Vermögen zu kommen – und das trotz höherer Verzinsung in den vergangenen 15 Jahren (8,2%). Statt 42.000 Euro in 35 Jahren hätte ich in 15 Jahren mehr als 104.000 Euro aus eigener Tasche aufbringen müssen.

578 Euro jeden Monat – das übersteigt das Budget von Normalverdienern. Vielleicht hätte ich mit 18 auch nicht jeden Monat 100 Euro zurücklegen können. Aber 25 bis 50 Euro geht fast immer. Zeit bringt bei der Geldanlage bares Geld. Alina hat das Zahlenspiel überrascht, sie hat sich direkt an den Sparplanrechner gesetzt und unterschiedliche Szenarien durchgespielt. Und sie hat einen Sparplan eingerichtet. Zu jung zum Sparen – gibt es nicht!

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