Bei Geld hört der Spaß für Monika Gruber auf. Ein Gespräch über Geld, Kellnerinnen und Dates.

Die bekannte Kabarettistin mit dem bayerischen Scharfsinn redet mit herMoney-Gründerin Anne Connelly über ihr Verhältnis zum Geld und erklärt, warum Kellnerinnen für die Fehler ihrer Männer arbeiten gehen und wer beim Date zahlt.

herMoney: Geld verdienen ist gut, ausgeben noch viel besser. Aber sich mit Geld beschäftigen? „Geld interessiert mich nicht“ sagen vielen Frauen. Wie ist das bei Dir?

Monika Gruber: Ich kenne den Kontostand nicht immer bis auf die letzte Stelle nach dem Komma, aber so ungefähr bin ich immer im Bilde. Als Künstler ist man gut beraten, eventuelle Steuernachzahlungen im Kopf zu haben. Deshalb denke ich bei jedem verdienten Euro: „Wunderbar, aber 50 Cent davon gehören dem Fiskus“. Damit fahre ich gut. Außerdem habe ich mich schon früh um Altersvorsorge bzw. um eine Absicherung im Alter gekümmert.

herMoney: Was war der Anlass?

Meine Eltern, die einen Bauernhof hatten, haben mir meinen Erbteil ausgezahlt mit der Bitte, dass ich das Geld in eine Immobilie investieren solle. Daher habe ich eine Eigentumswohnung angezahlt und diese brav von meinem damaligen Angestelltengehalt abgestottert. Alle Leckerlis wie Klamotten und Reisen habe ich mir durch Nebenjobs verdient. Als ich angefangen habe, mehr Geld zu verdienen, habe ich mir schon den einen oder anderen Luxus gegönnt. Ich bin mir aber immer bewusst, dass meine Karriere ganz schnell vorbei sein kann, und da möchte ich safe sein und daher achte ich auf mein Geld. Ich gehe dabei keine Risiken (mehr) ein, dafür arbeite ich zu hart.

herMoney: Bevor Du als Kabarettistin Erfolge feiern konntest, hast Du als Chefsekretärin bei einer großen amerikanischen Computerfirma gearbeitet.  Frauen achten bei ihrer Jobwahl häufig nicht auf Ihre Einkommensperspektiven. Wie war das bei Dir?

Ehrlich gesagt wusste ich immer, dass ich auf der Bühne stehen wollte. Als Mädel vom Land war mir aber nicht klar, wie ich es anstellen sollte. Daher habe ich meinen Eltern zuliebe erst einmal einen „anständigen“ Beruf erlernt. Interessiert haben mich – neben der Schauspielerei – eigentlich immer nur Sprachen und Medizin. Doch ich hatte von Schule und Lernen so die Nase voll, dass mich die Aussicht auf das lange Medizinstudium und der Gedanke daran, damit erst in vielen Jahren Geld verdienen zu können, abgeschreckt hat. Die Ausbildung als Fremdsprachensekretärin dauerte nur 2 ½ Jahre, die Jobchancen waren gut und die Einstiegsgehälter relativ üppig. Deshalb ich mich zunächst dafür entschieden.

herMoney: Aus Deiner Liebe zur Sprache hast Du ja viel gemacht, wie wir heute wissen. Du hast Deine Angestelltenkarriere an den Nagel gehängt und bist heute erfolgreiche Kabarettistin. Wie hast Du den Weg in die Selbständigkeit geschafft?

Irgendwann wurde der Drang zur Bühne größer, da mich der Job nicht ausgefüllt hat. Allerdings habe ich mir vor der Entscheidung überlegt, was kostet mich die Schauspielschule, wieviel muss ich verdienen, um meine Eigentumswohnung abzuzahlen und meine private Krankenversicherung zu behalten. Ich habe mir alles auf einen Zettel notiert und ausgerechnet, dass ich mindesten 6 Tage die Woche kellnern muss, wenn nicht 7. Im worst Case würde ich wieder in meinen erlernten Beruf als Sekretärin zurückkehren.

herMoney: …ein steiniger Weg?

Ja! Ich wollte zunächst Schauspielerin werden und habe mich bei einer privaten Schauspielschule beworben. Dort bestätigte man mir beim Vorsprechen eine „niedrige Hemmschwelle“ für die Bühne und mein komödiantisches Talent. Parallel zur Ausbildung habe ich bei der IBERL-Bühne in München gespielt und an den freien Abenden bzw. fast jeden Sonntagmittag als Kellnerin gearbeitet. Ich kann behaupten, ich habe damals Tag und Nacht geschuftet, jahrelang ohne Urlaub. Zähne zusammenbeißen und durch. Dazu kam noch das blöde Gerede der Leute aus meinem Umfeld, die sich über meine angestrebte Schauspielkarriere lustig gemacht haben. Alle außer ein paar Freunde und der Kneipenbesitzer. Der hat mich immer bestärkt.

herMoney: Er konnte dein Talent jeden Tag bei der Arbeit beobachten!

Wahrscheinlich. Ich wollte das immer aus eigener Kraft schaffen und andere nicht belasten mit meinem Traum, am allerwenigsten meine Eltern. Ich wusste, ich muss hart und viel arbeiten, und dazu war ich bereit.

herMoney: Viele scheuen den Schritt in die Selbständigkeit,  vor allem viele Frauen. Sie fürchten den Verlust eines vermeintlich sicheren Einkommens. Was rätst Du diesen Frauen?

Wenn Du für eine Sache wirklich brennst, dann solltest Du das unbedingt machen. Tust Du es nicht oder nur zu 50 Prozent, dann bleibe bei dem Angestelltenjob. Liegt Dir etwas wirklich am Herzen und Du gehst dem nicht nach, dann wirst Du wahrscheinlich als frustrierte alte Schachtel enden. Und das wollte ich auf gar keinen Fall! Allerdings musst Du Dir eine Alternative überlegen, wenn es nicht funktioniert. Du musst in der Lage sein, Dir Fehler einzugestehen und bereit sein, dann einen anderen Weg zu gehen.  Ich bin – Gott sei Dank – autark, das ist mir wichtig. Ich bin in der Lage, meine eigenen Bühnenprogramme, ein Buch oder auch ein Drehbuch zu schreiben, und bin nicht darauf angewiesen, dass ein Filmangebot hereinschneit. Dafür bin ich dankbar.

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